Stadtschatten



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zugeschüttet und platt gemacht

 

Wer gegenwärtig über das Gelände des ehemaligen Freibades an der Lindenstraße läuft,

kann sich nur schwer vorstellen, dass an dieser Stelle noch vor wenigen Jahren

in den Sommermonaten reger Badebetrieb herrschte.

Das Zuschütten und Einebnen maroder Freibäder ist eine Tradition in unserer Stadt,

wenn man das Schicksal des unterhalb der Altenburg gelegenen ehemaligen Wipertibades betrachtet:

Nachdem dieses ab 1838 betrieben worden ist, wurde es in den 1950er Jahren geschlossen und 1961 verfüllt.

Viele Bürger erinnern sich noch heute gern daran, als Kind, Jugendlicher oder Erwachsener

fröhliche Sommertage im Freibad in der Lindenstraße erlebt zu haben.

Die 1958 neu erbaute Badeanstalt war großzügig angelegt, drei Becken, ein Ruderteich,

ausgedehnte Liegeflächen und ein netter Biergarten "Zur Walkenmühle"

boten den Menschen eine Menge Freizeitspaß.

Fußläufig und mit dem Fahrrad war das Freibad aus der Stadt gut zu erreichen

und entsprechend hoch der Besucherstrom im Sommer.

1990 übernahm die neu organisierte Stadtverwaltung die Betriebsführung der Badeanstalt

nach gut dreißigjährigem Betrieb in einem mittelmäßig vernutzten Zustand.

Zu diesem Zeitpunkt begann der eigentliche Niedergang des Quedlinburger Freibades.

(Bilder können wie immer angeklickt werden )


damit ihr wisst wo es ist^^
   
Ansichtskarte aus alten Zeiten

 Quedlinburg gehört zum Weltkulturerbe, doch ein Stadtbad haben die Quedlinburger nicht.

Wenn es heiß wird, haben es die Quedlinburger schwer.

Die Weltkulturerbestadt setzt auf Touristen.

Über eine Million pro Jahr - allerdings oft nur für einen Tag.

Für einen richtigen Familienurlaub bietet die Stadt zu wenig, fürchten die Einwohner.

"Quedlinburg lebt von den Touristen, und wenn wir kein Freibad und nichts haben,

dann ist das eben schlecht für Quedlinburg.

Es gibt kein vernünftiges Kino, es gibt kein vernünftiges Freibad,

es gibt sehr wenig Alternativen für Jugendliche sich hier zu beschäftigen."


Ansichtskarte aus alten Zeiten
   
ein gaaaanz altes Bild
   
Ein Bild aus vergangenen Tagen


         

           

           

Dr. Eberhard Brecht (SPD)
Juli 2002

"Der Stadtrat hat beschlossen, dass junge Menschen bis 16 Jahren die

in den Nachbarort Thale fahren, mit einem Euro diese Fahrt subventioniert bekommen

und dies ist begrenzt für die Sommerperiode als eine kleine Geste gegenüber der Bevölkerung."

WOW! KLEINE GESTE...


Blick übers „Männerbecken“ zum Gondelteich 

           

     

     

           


Blick übers ehemalige „Nichtschwimm

Mitte der Neunziger Jahre übergab die Stadt zur Kostensenkung

die Betriebsführung des Freibades an ihre eigenen Stadtwerke.

Schon zuvor hatte man beschlossen, nur minimale Summen in die Erhaltung zu stecken.

1997/98 entstand im Aufsichtsrat der Stadtwerke die Idee,

eine moderne Hallen-/Freibadkombination in der Lindenstraße zu bauen.

Darin sollte es Saunen, Restaurants und Wellnesbereiche geben.

Ein Blockheizkraftwerk sollte das Bad mit Strom und Wärme versorgen und zusätzlich Teile der Stadt.

Parkplätze für viele PKW sollten entstehen.

Eine schöne Idee, nur leider würde sie zig Millionen DM kosten.

Einen Großteil der Finanzierung hätte damals noch

- unter gewissen Umständen - das Land Sachsen-Anhalt übernommen.

Für den Rest mussten Investoren gewonnen werden.

           

           

     


sportlich konnte man sich schon damals bet

Im Jahr 2001 begab sich der Aufsichterat dann endlich einmal vor Beginn der Saison

selber in das Freibad und besah das Debakel mit eigenen Augen.

Das Bad wurde schon seit Jahren mit einer Sondergenehmigung des Landkreises gefahren.

Die Aufsichtsrat-Mitglieder, sahen erstmalig, das die Böden des Nichtschwimmer- und

des Schwimmerbeckens in einem sehr desolaten Zustand waren.

Viele Kacheln lagen locker umher und man sah die Kies-Unterfütterung.

Dadurch lief ständig Wasser aus den Becken, demzufolge mussten Unmengen Trinkwasser nachgespeist werden.

Unmengen von Chlor wurden nachdosiert, was wiederum nicht mehr bundesdeutschem Standard entsprach.

Sanierung würde hier bedeuten, die Böden neu zu kacheln,

eine Edelstahlwanne einzuschweißen oder eine Kunststoffabdichtung zu installieren.

Außerdem wäre eine moderne Wasseraufbereitung dringend nötig als Ersatz für die betagte Chlorstation.

Das hätte den Löwenanteil der Sanierungskosten ausgemacht.

Die Betonplatten um die Becken herum waren völlig ausgewaschen,

rauh und teilweise schiefliegend, eine ernsthafte Verletzungsgefahr.

Das Legen neuer Platten wäre nach Ch. Amling`s Erfahrung als ABM-Maßnahem durchgegangen.

Der Ruderterteich war inzwischen an den Anglerverein verpachtet.

Die Weiden zwischen Teich und Becken waren etwa 15 Meter hoch und warfen

jede Menge Schatten, Blätter und Dreck auf die eigentliche Badestelle.

Hier wäre der Bauhof mit einer radikalen Fällaktion gefragt gewesen.

Den Rest der sanierungswürdigen Elemente machten Geländer, Duschen und

Umkleide- und Sanitärtrakt aus.Diese Missstände hätten sukzessive beseitigt werden können.

Mit anderen Worten:

Mit viel Elan und guten Einfällen hätte das Kind gerettet werden können.

           

           

           


schön anzusehen #


die ehemalige Anlegestelle

Im Jahr 2002 wirde das Freibad endgültig zu einem Fall für die Gefahrenabwehr.

Weil niemand mehr die Verantwortung tragen wollte, wies man ohne Wissen des Rates an,

das Freibad innerhalb weniger Tage zuzuschütten.

Damit hatte sich der Kreis des kurzen Denkens geschlossen.

          

           

     


Rest vom Ste

Quelle:

 

Das Buch " Die Geschichten der ehemaligen beliebtesten Ausflugsgaststätten

und Schwimmbäder von Quedlinburg mit Abbildungen" von Hasso Storbeck kann man sich in der Stdtbibliothek leihen und hier kaufen:

 

Kreisbibliothek Quedlinburg

 

  Fotodokumentationen

 

  

Quedlinburg, den 07. März 2009

 

 

 



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