Laurel & Hardy - Die komplette Filmchronik

     

  
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Die Kurzfilme 1929



Wissenswertes zu den Kurzfilmen 1929
- Einführung des Tonfilms -

Die Erfindung des Tonfilms war wahrscheinlich das größte Trauma in der Geschichte Hollywoods, weit größer als das Aufkommen des Fernsehens. Einige der Topstars schafften es bekanntlich nicht, sich umzustellen. Es lag nicht daran, dass sie ungeeignete Stimmen hatten: der Tonfilm verlangte eine ganz andere Darstellung. Im Stummfilm sind die Schauspieler im Grunde nur Mimen, und in unseren heutigen Augen erscheint ihre Darstellung überdreht und übertrieben. Der Dialog wurde als „Zwischentitel“ eingeblendet, und unterbrach die Handlung. Kluge Regisseure beschränkten sich daher auf eine geringe Zahl solcher Zwischentitel.

Bereits 1928 wurde klar, dass die neue Technologie nicht nur eine Modeerscheinung war, sondern die gesamte Filmindustrie revolutionieren würde. Bisher hatten sich die Roach-Studios noch abwartend gezeigt, denn für das kleine Studio stellten sich etliche Probleme. Die Umstellung auf Tonfilmstudios war zum einen recht kostspielig. So mussten nicht nur neue Aufnahmeräume im Studio selbst geschafften werden, auch die Kinos mussten nach und nach umgerüstet werden.

Ein weiteres Problem ergab sich beim Export der Filme in Länder mit anderen Sprachen. Da es bis 1932 noch keine Synchronisationstechnik gab, mussten fremdsprachige Versionen komplett neu gedreht werden. Im Fall von Laurel & Hardy wurden von einigen Filmen fremdsprachige Versionen gedreht, wie Berth Marks (1929), Blotto, Hog Wild und Brats (1930) sowie ihren ersten Langfilm Pardon Us (1931). Dabei lasen Stan und Olli den fremdsprachigen Text von Telepromptern ab. Auch wenn der Zuschauer durchaus merkt, dass die beiden oft nicht wissen, was sie da eigentlich sagen, haben diese deutschsprachigen Versionen mit der gebrochenen, langsamen Sprache und dem starken amerikanischen Akzent ihren ganz eigenen Charme.

Ein Film, der auf seine Art eine besondere Innovation darstellte, war ein kurzer Streifen, der Ende 1928 auf den Markt kam: Er trug den Titel The Steamboat Willie und war der erste Zeichentrickfilm mit Ton. Sein Produzent war kein Geringerer als Walt Disney, die Hauptfiguren in dem Film waren Micky Maus, Pluto, Donald Duck und andere bekannte Comic-Figuren aus der Disney-Schmiede. Die zunehmende Beliebtheit der Zeichentrickfilme war eine weitere Konkurrenz für die Zweiakter-Komödien von Laurel & Hardy, denn sie liefen in der gleichen Filmkategorie, und meist als Vorfilm in den Kinos.

Die Stummfilmkomödie schien auf den ersten Blick vom Tonfilm verdrängt zu werden. Für diese Annahme gibt es genügend Beweise. Charlie Chaplin konnte sich trotzdem mehr als 10 Jahre nach Einführung des Tonfilms nicht dazu durchringen, in einem Film den Mund aufzumachen. Das Ergebnis war auch ohne Dialoge immer noch großartig, wie z.B. die Filme Lichter der Großstadt und Moderne Zeiten eindrucksvoll beweisen. Das muss Chaplin der Neid lassen, denn das hat außer ihm keiner geschafft. Man könnte meinen, dass die Lage auch für Laurel & Hardy prekär wurde. Sie waren ebenso von ihrer Mimik abhängig, wie Chaplin, und ihre Stimmen – Stans englischer Lancashire-Akzent und Ollis Südstaaten-Ton – klangen unerwartet. Als letzte in Roachs Team schwenken sie 1929 auf den Tonfilm um. Offenbar störte sich aber niemand an den Stimmen, und keiner beschwerte sich, dass die Dialoge die Gags in irgendeiner Weise schmälerten.

Laurel und Hardy begingen nicht den Fehler, ihren Stil zu ändern. Sie blieben das altbekannte, liebenswerte Trottelpaar, und Olli bewahrte seine feierliche Aura auch unter den schlimmsten Umständen.

Die Möglichkeiten, den Ton zur Verbesserung der Gags einzusetzen, liegen natürlich auf der Hand. In mehreren ihrer Tonfilme haut Olli seinem Freund Stan mit einem stumpfen Gegenstand auf den Kopf. Man hört ein fürchterliches Scheppern, als wenn man mit dem Hammer auf eine leere Mülltonne haut. Außerdem bedienten sie sich des Tons zur Verlängerung eines „Seriengags“, wobei sich das gleiche Ereignis in abgewandelter, zunehmend witziger Art wiederholt.

Während das Aufkommen des Tonfilms für so viele Stummfilmkomiker das „Aus“ bedeutete, erhielten Stan und Olli noch ein zusätzliches dramaturgisches Element. Sie behielten ihre visuelle, an den Slapstick gebundene Erzählweise bei, verstanden es aber bereits in ihrem ersten Tonfilm, Unaccustomed As We Are, die neue Technik geschickt einzusetzen. Als Olli mit seiner Frau streitet, stellt Stan den Plattenspieler an, und Mrs. Hardys Hasstirade geht in den Rhythmus der Musik über.

Am Ende des Films sieht man, wie Stan sich von Olli verabschiedet und an der Treppe stolpert. Dann verharrt die Kamera im leeren Flur, und man hört im Off, wie Stan eine Ewigkeit lang die Treppe herunterpurzelt, und es am Ende laut klirrt. Stan äußerte sich über den Tonfilm wie folgt: „Wir hatten beschlossen, dass wir keine Tonfilm-Komiker sein wollen. Wir bevorzugten nach wie vor die Pantomime wie in unseren Stummfilmen. Wir sagten daher so wenig wie möglich – nur das, was unbedingt notwendig ist, um die Dinge, die wir taten, zu erklären. Wenn irgendeine Geschichte erzählt werden sollte, ließen wir im Allgemeinen von jemand anderem erzählen. Mit der Zeit wurden wir ein bisschen vertrauter damit und redeten mehr, als wir ursprünglich wollten.“

Allerdings machte sich Stan zunächst große Sorgen, wie seine Stimme klingen würde. Bei den Dreharbeiten ließ er sich jeden Take sofort nach der Aufnahme vorspielen. Der Film wurde im neu eingerichteten Tonstudio von Hal Roach gedreht. Vier Kameraleute filmten aus verschiedenen Blickwinkeln die Aktionen von Stan und Olli. Keiner der zumeist improvisierten Dialoge durfte ihnen entgehen. Da das Studio tagsüber von den „kleinen Strolchen“ belegt war, die allerdings nur bis 17 Uhr arbeiten durften, fanden die Dreharbeiten meistens abends und nachts statt.

Als der Film herauskam, besaßen noch nicht alle Kinos Tonfilmprojektoren. In einigen Theatern wurde der Ton von Schallplatten abgespielt. Für die Kinos, die nur mit Stummfilmausrüstung ausgestattet waren, ließ Produzent Hal Roach von einigen Tonfilmen, darunter Berth Marks und The Hoose Gow auch stumme Fassungen herstellen. Die ersten Tonfilme waren riesige Erfolge und die Kinobesitzer zahlten wesentlich höhere Preise für Tonfilme. Nach einiger Zeit sank der Preis für die Tonfilme aber wieder fast auf das Niveau der Stummfilme.


Kaum zu glauben, dass die hier vorgestellten Filme 2017 bereits ihren 88. Geburtstag feiern...




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