Laurel & Hardy - Die komplette Filmchronik

     

  
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Die Spielfilme 1936-1940



Way Out West – Zwei ritten nach Texas

Schwarzweiß /Komödie / 65 min.

Erstveröffentlichung: 16. April 1937

Regie: James W. Horne

Drehbuch: Felix Adler, Jack Jayne, James Parrott, Charley Rogers

Kinotitel:

  • Zwei ritten nach Texas
  • Ritter ohne Furcht und Tadel
  • Dick und Doof: Das unterschlagene Testament (Folge 38-39)

    Lachen Sie mit Stan und Olli: Im fernen Westen (Folge 6)

    Darsteller:

    • Stan Laurel
    • Oliver Hardy
    • James Finlayson (Mickey FInn)
    • Sharon Lynn (Lola Marcel)
    • Rosina Lawrence (Mary Roberts)
    • Stanley Fields (Sheriff)
    • Vivien Oakland (Frau des Sheriffs)
    • James C. Morton (Barmann)
    • The Avalon Boys (Countryband)

        

    Inhalt:

    In dem kleinen Wildwest-Städtchen "Brushwood Gulch" wird der dortige Saloon von Mickey Finn und seiner Frau Lola als Animierdame betrieben. In der Küche schuftet ein Mädchen namens Mary Roberts. Stan und Olli reisen mit einem millionenschweren Auftrag in die Stadt. Sie sollen Mary Roberts die Besitzurkunde einer Goldmine übergeben, die sie von ihrem verstorbenen Vater geerbt hat. Als Finn und Lola davon Wind bekommen, täuschen sie die Jungs. Finn stellt ihnen seine Gattin Lola als "Mary Roberts" vor. Ahnungslos übergeben die Jungs die Urkunde den Falschen. Aber der Schwindel fliegt auf. Allerdings wollen Finn und Lola die Urkunde nicht mehr herausrücken. Die Versuche, den beiden die Urkunde wieder abzujagen, führen zu allerhand urkomischen Situationen...


    Hintergrund:

    Mit Way Out West drehten Stan und Olli ihren einzigen Western. Western-Parodien sind ein schwieriges Genre. Viele haben sich daran versucht, aber nur wenigen gelang der große Wurf. Way Out West gehört auf jeden Fall zu den erstklassigen Westernparodien. Unter anderem zeichnet sich der Film durch die Gesangs- und Tanzeinlagen von Stan und Olli aus, die in diesem Umfang in keinem anderen Film vorkommen. Er enthält nicht nur die berühmte Tanzszene der beiden vor dem Saloon, sondern auch das berühmte Duett: „In the Blue Ridge Mountains of Virginia, on the Trail of the Lonesome Pine“. Lange nach Stans und Babes Tod wurde der Song in England der 70er Jahre ein Riesenhit.

          

    Der Film sprüht nur so vor Ideen, nicht eine Sekunde ist langweilig. Für viele Kritiker ist Way Out West der beste Spielfilm von Laurel und Hardy.

    Aus einem erhalten gebliebenen Drehbuch geht hervor, dass keines der erwähnten musikalischen Intermezzos im Drehbuch geplant oder auch nur angedeutet war (obwohl die „Avalon-Boys“ laut Drehbuch irgendwann irgendwo in der Geschichte auftauchen sollten).

    Einige Nummern, die im Drehbuch bis ins kleinste Detail beschrieben waren, wurden komplett über Bord geworfen. Sie lesen sich komisch. Vielleicht störten sie die Kontinuität, schienen unglaubwürdig, waren vielleicht zu schwierig umzusetzen, oder einfach nicht komisch genug, wenn das Team sie vor der Kamera spielte.

         

    Laut Drehbuch gehen die Jungs direkt nach ihrer Ankunft in der Stadt in den Saloon, wo einige Verwirrung über die Auswahl der Getränke entsteht. „Nennt Euer Gift!“ bellt der Barkeeper. Olli bittet um einen „Gin Fizz mit einem Ei“. Stan bestellt einen „Pfefferminz Julep mit einem Pfefferminz“. Mit der Whiskey-Flasche in der Hand schenkt der Barkeeper für beide das gleiche Getränk ein. Olli, der aufmerksamer ist, weist auf den Fehler hin. Der Barkeeper vertauscht ihnen daraufhin die Gläser. Diese Szene wurde gedreht, angesehen und verworfen, aus Gründen, über die bis heute nur spekuliert werden kann.

    Im Drehbuch waren auch viele Szenen mit Indianern beschrieben. Sie wurden alle gestrichen. So sollten sich Stan und Olli nachts in die Stadt zurück schleichen – als Indianer verkleidet, mit indianischen Decken und einem Kopfschmuck, den sie von „Häuptling Taschenmesser“ gestohlen hatten. Auch diese Szene wurde nie gedreht.

         

    Andererseits wird im Drehbuch mit keinem Wort die tolle Verführungsszene erwähnt: Lola verfolgt Stan und kitzelt ihn, um an die Besitzurkunde zu kommen. Für Sharon Lynne war es bestimmt eine Herausforderung, eine ernste Miene zu machen, während sie Stan becirct, und überall an ihm herumfummelt. Dank des sorgfältigen Schnitts wechselt jedes Mal die Einstellung, wenn Sharon in Gefahr gerät, sich gehen zu lassen, und zu schmunzeln.

    In dem temporeichen 65minütigen Film ist kein einziger Moment verschwendet. Die Szenen wurden um soviel gutes Material gekürzt, das das verworfene Material in anderen Komödien zum Highlight geworden wäre – vor allem bei den heutigen Filmen!

    Als Way Out West zum ersten Mal in der ersten Dezemberwoche 1936 in einer Tradeshow vorgeführt wurde, dauerte er noch 69 Minuten. In ihrer ersten Kritik schrieb die Filmzeitschrift „Variety“: „Für das volle Vergnügen des Durchschnittsbesuchers schleppt sich der Film ein wenig dahin. Aber es gibt Raum für einen weiteren Durchgang im Schneideraum, der die Lacher näher zusammenbringen wird.“ Produzent Hal Roach las immer sehr aufmerksam die Auswertung der Preview-Aufführungen und die „Variety-Kritiken“. Es ist unglaublich, wie oft er nach diesen Hinweisen noch einmal nachschneiden ließ. So wurde auch diese Westernparodie auf 65 Minuten gekürzt.

    Way Out West wurde zwischen dem 31. August und dem 11. November 1936 gedreht. Die Innenaufnahmen wurden in den Hal-Roach-Studios gefilmt. Die Westernstadt „Brushwood-Gulch“ befand sich in Newshall, Kalifornien, etwa 30 Minuten von Los Angeles entfernt in dem Gebiet des Placerita-Canyons. The Disciple von William S. Hart war 1915 der erste Film, der hier gedreht wurde. Später standen dort Stars wie Tom  Mix, Tex Ritter, John Wayne und Buck Jones vor der Kamera. 1952 kaufte der „singende Cowboy“ Gene Autry das Anwesen, und nannte es in „Melody Ranch“ um. Die Ranch brannte 1962 vollständig ab. Die Landschafts- und Straßenszenen am Anfang und am Ende des Films wurden im Westen von Los Angeles gefilmt, etwa eine Autostunde von den Hal-Roach-Studios entfernt.

    Natürlich trugen Laurel & Hardy auch im Wilden Westen ihre Bowler-Hüte. Der Hut, den Stan aufessen musste, wurde aus Lakritze gemacht.

       

    Mehrmals führt Stan einen Gag vor, bei denen er seinen Daumen als Streichholz benutzt. Er bewerkstelligt dies mit einer falschen Hand aus Asbest.

    Stan wurde auch nach der Szene gefragt, in der Ollis Hals zwischen den Dielenbrettern eingeklemmt wurde. Stan nahm Ollis Kopf, drehte in herum, und der Kopf schnellte zurück. Dann zog er Olli hoch, bis sein Hals etwa 4 Fuß lang war. Babe stand währenddessen unten auf einer Drehscheibe. Der Kopf wurde zum Herumwirbeln gebracht, indem man das Filmstück rückwärts kopierte. Der Kopf, den Stan hochzog, bestand aus Gummi.

    Ein anderer visueller Gag wurde schon einmal 1929 bei Election Day, einer Komödie mit den „Kleinen Strolchen“ benutzt. Die sehr effektvolle Kamerafahrt mit einer riesigen Staubwolke, die scheinbar Stan, Olli und der Esel auslösen, als sie sich hastig aus der Stadt verdrücken wollen. Dies wurde gedreht, indem eine starke Windmaschine auf die Kamera zu bewegt wurde. Auf einem Dolly wurden Gebläse und Tabletts mit losem Dreck montiert, die von den Staub-Zyklen verborgen wurden, den die Windmaschine selbst bei ihrer Fahrt auf die Kamera zu hervorrief. Dann wurde die Action rückwärts abgespielt, und die beeindruckende filmische Illusion entstand.

          

    Zum großen Spaß bei Way Out West trägt nicht zuletzt der schottische Komiker James Finlayson (1887-1953) bei. Als geldgieriger Saloon-Besitzer hatte er eine Paraderolle, die er bis zum Äußersten ausreizte. Mit seinen unvergleichlich bösartigen Blicken lieferte er eine großartige Parodie auf einen Wildwest-Schurken mit dem gewissen Gentleman-Effekt ab.

    Bezeichnenderweise sind Way Out West und Our Relations die einzigen Filme, die von Roach im Vorspann als „A Stan Laurel Produktion“ bezeichnet wurden. Stan, der vorsorglich eine eigene Produktionsfirma gegründet und sogar ein paar billige, drittklassige Western produziert hatte, wusste nur zu gut, dass die bisherigen Laurel & Hardy-Spielfilme in ihrer Struktur zu lose waren, und einige langatmige Passagen enthielten, die sich recht zäh dahin ziehen. Obwohl Stan maßgeblichen Einfluss auf die Drehbücher und die Bearbeitung aller bisherigen Laurel & Hardy-Filme hatte, übernahm er für diese beiden Filme die vollständige Leitung (strich aber nicht den Gewinn ein, weil der Geldgeber nach wie vor Hal Roach hieß). Das Ergebnis war ein weitaus strafferer Aufbau und zwei gelungene Filme.

           

    Es ist anzunehmen, dass Stan die Absicht hatte, in Zukunft die Produktion aller Laurel & Hardy-Filme zu übernehmen, wie es Charlie Chaplin ihm schon seit Jahren vormachte. Aber die Rechnung ging nicht auf. Er konnte seine Forderungen gegenüber Roach und allen anderen Firmen nicht durchsetzen. Hardy gab sich eigentlich immer mit dem zufrieden, was man ihm bot, und war unglücklich über die Differenzen zwischen Stan Laurel und Hal Roach, die auch ihn zum Nichtstun verdammten. Auch wenn Babe lieber auf den Golfplatz oder zum Pferderennen, als ins Studio ging, so musste er doch seine Brötchen verdienen. Presseberichte über einen Streit zwischen Stan und Olli entbehrten allerdings jeder Grundlage. Finanzielle Probleme zwangen Stan Anfang 1938, bei Hal Roach einen neuen Vertrag zu unterschreiben. So entstanden 1938 bei Roach doch noch zwei Filme.







    Bildnachweis:

    • Ronald Grant Archive
    • Britisch Film Institute
    • Kinowelt GmbH
    • Kirch Media Group
    • Centre for Contemporary Arts
    • ZDF
    • Kabel 1
    • SAT 1
    • arte
    • WDR



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