Laurel & Hardy - Die komplette Filmchronik

     

  
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Bonusmaterial:

 
Charlie Chaplin, Buster Keaton, sowie natürlich Laurel & Hardy - diese und andere Komiker aus der goldenen Stummfilmzeit kennen viel Menschen in deutschen Landen noch heute, auch wenn die Klassiker immer seltener in Fernsehen zu sehen sind.

Wer in den 1960er bis hin zu den frühen 1980er Jahre aufgewachsen ist, erinnert sich sicherlich noch an die beliebten Fernsehreihen "Spaß muss sein", "Pat und Patachon", Väter der Klamotte, "Männer ohne Nerven", "Zwei Herren dick und doof" usw., in denen die Torten flogen, die Darsteller durch die Lüfte katapultiert wurden und sich mit akrobatischen Tritten in den Allerwertesten traktierten.

Dass es aber auch in Deutschen schon früh eine Slapstick- und Komödienszene gab, dürte den meisten heute gar nicht mehr bekannt sein. Diese versäumte Aufarbeitung möchte ich hier ansatzweise anregen.


    


         


Frühe deutsche Filmkomödien

Dass es aber auch in Deutschland schon sehr früh eine Slapstick- und Komödienszene gab, dürfte den meisten heute eher unbekannt sein. Durch Verschleiß des empfindlichen Filmmaterials und Kriegswirren ging vieles verloren. Wenig ist uns deshalb bis heute erhalten geblieben. Fast 20 Jahre deutscher Filmgeschichte liegen ziemlich im Dunkeln. Dies liegt zum Teil aber auch an der bis heute versäumten Aufarbeitung der frühen deutschen Cinematographie.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass deutsche Komödienstars der Stummfilmzeit – mit Ausnahme des großartigen Karl Valentin (1882-1948) – fast allesamt in Vergessenheit geraten sind. Dabei war die deutsche Komödien-Produktion durchaus produktiv. Allein ein Gerhard Dammann (1883-1946) brachte es zwischen 1910 und 1925 auf sagenhafte 200 Stummfilmkomödien. Ganz ähnlich sein Kollege Rudi Bach, der ab 1912 in nur 10 Jahren 78 Komödien drehte, vor allem in seiner Rolle als „Purzel“. Der Filmpionier und Optiker Oskar Messter (1866-1945), dem die Filmwelt auch die Entwicklung leistungsfähigerer Projektoren verdankt, stellte zwischen 1909 und 1917 in seinen Studios über 350 Filme, hauptsächlich Kurzfilmkomödien, her.

              

Oskar Messter (links); Gerhard Dammann in einer Szene aus dem Film „Mädchen im Vorzimmer“ mit Magda Schneider von 1940 (Mitte); Rudi Bach (rechts)


Die Anfänge deutscher Filmgeschichte

Die Filmgeschichte beginnt in Deutschland kurz vor der Jahrhundertwende im Jahre 1895 mit den Brüdern Max und Emil Skladanowsky. Sie entwickelten ein Bioscop, mit dem sie erstmals kurze Filmszenen vor zahlendem Publikum zeigten. Grundsätzlich kann man sagen, dass die Filmwelt um die Jahrhundertwende auf internationales Varieté ausgerichtet war: Exotisches, Fremdländisches und Groteskes wollten die Leute sehen. Keinen biederen deutschen Volkstanz, sondern italienischen Bauern- oder Kosakentanz. Keine brave Pferde- und Hundedressur, sondern Känguru-Boxen war angesagt. Nicht das Oktoberfest in München oder den Zoo in Berlin hatte man als Handlungsorte ausgewählt, sondern das Tivoli in Kopenhagen oder den Tiergarten in Stockholm.

Die komplizierte Technik mit Überblendprojektoren war wegen der hohen Eintrittspreise zunächst eine Attraktion für „höhere Schichten“. Lumiére-Projektoren und eine Reihe von Kurzfilmen wurden jedoch schon bald zu Jahrmarktattraktionen für so genannte „Kleinbürger“ und die Arbeiterklasse. Die Ladenbuden, in denen um 1910 „Kino“ stattfand, wurden verächtlich auch „Kintopp“ genannt. In den Jahren des Varieté- und Zirkuskinos unterlagen die Filmrollen einem enormen Verschleiß, sodass nur wenig Filmmaterial aus dieser Zeit bis heute erhalten geblieben ist.

Dennoch lassen sich zwei Tendenzen erkennen: Einerseits eine Fortführung des Exotischen, Sensationellen und Ungewohntem. Die Löwenbändigerin Tilly Bébé (1879-1932) mit ihrem 1908 erschienen Film darf hier als gutes Beispiel für die eskapadische Tendenz gelten, welche die tolerierte Sphäre braver Unterhaltungsfilme sprengte. Mit ihrer Mischung aus Raubtierdressur und Domina-Erotik bediente sie das Verdrängte und Verbotene. Andererseits gab es stets Bemühungen tabuverletzende Handlungen im Film mit Bildern von Kaiser und Systemtreue umzulenken. Der älteste noch erhaltene Film, der letzteres bestätigt, ist Auf der Rennbahn in Friedenau von 1904 mit dem Varietédarsteller Robert Steidl, der eine routinierte Rüpelnummer zum Besten gibt. Produziert wurde dieser Film von Filmpionier Oskar Messter.

       

Eine eigene Kategorie bilden die „Asta-Nielsen-Filme“ (Bild links). Die Dänin, die aussieht wie die Schwester von Buster Keaton, spielt hauptsächlich „Hosenrollen“. Die möglicherweise noch erhaltenen Filme sind
Zapatas Bande und Engelein (beide 1913), sowie „Das Liebes-ABC
“ (1916).

Messters Filmproduktionen beginnen gewöhnlich mit Bildern vom Kaiser. Die Schärfe seiner Filme übersteigt nur selten die Grenzen des „guten Geschmacks“ und des sozialverträglichen Konsenses. Der bereits oben erwähnte Gerhard Dammann und ein Komiker namens „Bobby“ waren seine Hausstars. Mericke aus Neuruppin kommt nach Berlin (1911) dürfte der einzige noch erhaltene frühe Dammann-Film sein: Ein Provinzler gerät in die Fallstricke der Großstadt-Metropole. Die Straßenszenen funktionieren noch als normales Zivilisationsgefälle. Aber spätestens bei einem Restaurantbesuch wird dem Zuschauer klar: Der Kerl hat keine Manieren.

Diese herrenwitzige Linie setzt sich in weiteren Messter-Produktionen fort. In Eine billige Badereise (1911) kann ein Ehepaar mit dem bezeichnenden Nachnamen „Bier“  seine Rechnung im Kurhotel nicht bezahlen. Einem ählichen Muster folgt Ein gutes Geschäft (1911). Ein kleiner Gauner mogelt sich durch´s Leben, klaut einen kleinen Hund und kassiert die Belohnung dafür, reklamiert in einem Restaurant angeblich verdorbenes Essen und ruiniert in einem Bekleidungsgeschäft seine alten Klamotten. Dasselbe gilt für Das verzauberte Café (1911), wo ein Schlafwandler ein Café demoliert, den Schaden nicht bezahlen kann, und an die Luft gesetzt wird.   

Wilhelminische Kömödien aus Messters Bauchladen sind auch Der Rosenkavalier (1911), in dem männliches Balzverhalten vorgeführt und zugleich verhindert wird. Der gockelhafte Troubadour rennt regelmäßig kaiserlichen Autoritäten in die Arme. In Zuviel des Guten (1913) liebäugelt eine Dame mit dem Erwerb eines Mopses. Prompt überbringen ihr alle ihre Verehrer einen Mops. Die Invasion von Möpsen demoliert ihren gutbürgerlichen Salon. Ein neuer Erwerbszweig (1912) schüttet seine Häme über weibliches Begehren aus: Ein Heiratsschwindler leimt zwei alte Jungfern. Im dem Streifen Bobby hat Hundemedizin getrunken (1911) verwandelt sich der Held der Geschichte in einen bellenden Hund, der auf allen Vieren herumhüpft, was zu allerlei Obzönitäten Anlass gibt, und ganz und gar undeutsch wirkt. Bobby bei den Frauenrechtlerinnen zeigt Bobby als Frau verkleidet auf deren Versammlung. Im Eifer des Gefechts verrutscht allerdings die Verkleidung, und der entlarvte Mann wird von den erbosten Emmanzen querfeldein gehetzt.

         

Eine kleine Sensation innerhalb der Messter-Produktion ist Aus eines Mannes Mädchenzeit (1912) mit dem großen Wilhelm Bendow (1884-1950). Um eine Stellung als Dienstmädchen zu ergattern, liefert Bendow eine für Deutschland ganz untypische Travestie ab. Das Travestieschema der deutschen Komödien ist - im Gegensatz zu Produktionen aus dem englischen Sprachraum - nicht die verführerische Täuschung, sondern die Lächerlichmachung des falschen Geschlechts. Dennoch ist die Tatsache, wie hier homosexuelle und bisexuelle Inhalte ins Kino der Kaiserzeit kamen, doch bemerkenswert. Der ökonomische Zwang, eine Anstellung zu bekommen, verwandelt sich so in ein lustvolles Rollenspiel. Aber es ist nicht nur Bendow, der als Dienstmädchen verkleidet, einer hübschen Kollegin nachstellt. Da ist auch der Diener, der ein begehrliches Auge auf die neue stramme Haushälterin mit Damenbart geworfen hat, und sogar der Hausherr, welcher der verführerischen Bendow hinterher schwänzelt. Doch zum Schluss muss wohl das Realitätsprinzip triumphieren: der enttarnte Transvestit wird von der Polizei - immer wieder Inbegriff wilhelminischer Ordnung - abgeführt.

Ende 1917 verkaufte Messter seine Firma an die von der Obersten Heeresleitung neu gegründete UFA (Universal Film AG in Berlin), und lieferte damit den Grundstock für den Aufbau des größten deutschen Filmkonzerns.

Insgesamt wirken viele deutsche Filmkomödien dieser Zeit im internationalen Vergleich jedoch ausgesprochen bieder. Für die deutsche Prominenz von Varieté und Bühne wird der deutsche Film erst wieder mit der Einführung des Tonfilms ab 1929 richtig attraktiv. In den frühen Tonfilmen finden vor allem Wortwitz und eine relative Scheu vor Körperkomik einen Sonderweg. Vertreter der ersten Tonfilme sind neben Wilhelm Bendow vor allem Hans Reimann, Paul Beckers, Lotte Werkmeister, Adolf Gondrell, Wastl Witt, Elfie Pertramer, Heinz Rühmann oder Weiß Ferdl.

          

Durch den Boykott ausländischer Filme während des 1. Weltkrieges entstand unter militärischem Einfluss nicht nur in Deutschland, sondern auch bei den Alliierten eine neue Gattung der Propagandafilme zur Verächtlichmachung der Kriegsgegner. Das Publikum kam aber doch eher wegen der Unterhaltungsfilme in die Kinos, welche daher ebenfalls gefördert wurden. So wuchs die deutsche Filmindustrie zur größten Europas heran. 1916 gab es ca. 2000 feste Abspielstätten im Deutschen Reich, 1919 waren es bereits über 3000.

Trotz Kriegsfolgen und Armut verzeichneten diese jährlich etwa 350 Millionen Besucher. Der Wunsch des Publikums nach weiteren Filmen mit bestimmten Darstellern schuf auch in Deutschland das Phänomen des Filmstars. Dies regte darüber hinaus die Produktion von Filmserien an. Beliebt war vor allem der Detektivfilm - hier begann auch Regisseur Fritz Lang (1890-1976) seine glänzende Karriere.

Dem belangslos-primitiven Filmniveau versuchten künstlerisch interessierte Filmschaffende entgegenzuwirken, indem sie längere und anspruchsvollere Spielhandlungen inszenierten, und vor allem auch literarische Vorlagen verfilmten. Auf diese Weise hatte sich der Stummfilm in Deutschland zu einer formal hoch stehenden Kunstrichtung entwickelt. Zu Pionieren des deutschen Films mit gehobenem Niveau dürfen die Regisseure Ernst Lubitsch (Madame Dubary 1919) und Fritz Lang (Dr. Mabuse 1922; Metropolis 1927) gezählt werden.

Aufgrund des florierenden Exports deutscher Filme in den frühen 1920er Jahren war auch ein Großteil der Filme dieser Zeit kommerziell ausgerichtet. Vor allem Unterhaltungs-, Abenteuer- und Kriminalfilme wurden am laufenden Band hergestellt – wobei aber nur ein kleiner Teil des damaligen Produktionsaufkommens filmgeschichtlich relevant wurde. Auch Kammerspielfilme (Scherben 1921; Der letzte Mann 1924) und Aufklärungsfilme der Neuen Sachlichkeit – eine ganz eigene Kunstrichtung der Kriegszwischenzeit – bis hin zu expressionistischen Filmen (Das Kabinett des Dr. Caligari 1919) entstanden.

1922 erweiterte Friedrich Wilhelm Murnau mit seinem Film Nosferatu den ausgeprägten Licht-Schatten-Gegensatz vom visuellen Effekt zu einem dramaturgischen Element. Dies schien eine vorübergehende Modeerscheinung zu sein, beeinflusste aber weltweit die düstere Atmosphäre späterer Horror- und Gangsterfilme.

Schon bald wurden Stimmen laut, die vor „Schundfilmen“ warnten. Das Reichslichtspielgesetz von 1920 führte schließlich eine Staatszensur ein. Zu kontrollieren war, ob ein Film die öffentliche Ordnung und Sicherheit gefährde, das religiöse Empfinden verletze, verrohend und unsittlich wirke, und das Ansehen Deutschlands in der Welt gefährden könne.

Ab 1925 wurden dann riesige Filmpaläste mit bis zu 1600 Plätzen eröffnet. Die Zensur konnte nicht verhindern, dass der Deutsche Stummfilm zu einem wichtigen Exportprodukt und Devisenbringer für den verarmten Kriegsverlierer Deutschland wurde. Dennoch zog es viele deutschen Filmschaffenden, wie Komödiengenie Ernst Lubitsch (1892-1947), schon früh nach Amerika, wo ihnen weitaus mehr künstlerische Freiheit zugestanden wurde. Obwohl in dieser Zeit auch eine Reihe sog. „Asphalt- und Sittenfilme“ entstanden, die sich teilweise anrüchiger sexueller Themen  annahmen, zogen diese stets die Kritik konservativer Kreise und der Zensur auf sich.

Filme mit sozialkritischem Inhalt hatten es allerdings schwer, da die Produzenten und Geldgeber gewöhnlich ohnehin zu den besser gestellten Zeitgenossen gehörten, und kein Interesse daran hatten, sozialrevolutionäre Proteste zu unterstützen. Eine neuartige Mischung aus Natur- und Spielfilm stellten die Berg- und Heimatfilme dar, die ebenfalls in dieser Zeit entstanden. Einer der Stars dieses neuen Genres ist zweifellos Luis Trenker (1892-1990).

Der Wechsel vom Stummfilm zum Tonfilm in den Jahren 1929-1933 erlebte einen enormen künstlerischen Rückschritt. Dies lag vor allem daran, weil es noch keine Synchronisationstechnik gab, und der Export deutscher Filme daher einbrach. Man versuchte zwar mit veränderter Besetzung auch fremdsprachige Versionen zu produzieren, aber auch nur mit mäßigem Erfolg. Danach konnte der frühe deutsche Tonfilm jedoch bald wieder an frühere Erfolge anknüpfen, mit Filmen wie Der blaue Engel (1930), Berlin – Alexanderplatz (1931) oder Bert Brecht´s Filmversion der Dreigroschenoper (1931). Trotz Weltwirtschaftskrise waren die Lichtspielhäuser gut besucht. 1932 gab es im Deutschen Reich bereits 3.800 Tonfilmkinos.


Filmkomödien während der Nazi-Diktatur

Mit der Machtübernahme der Nazis 1933 veränderten sich die Produktionsbedingungen grundlegend. Etwa 1500 Filmschaffende emigrierten, darunter Fritz Lang, Ernst Lubitsch, Marlene Dietrich und viele andere. Mit der antisemitischen „Arisierungspolitik“ mussten Künstler mit jüdischem Hintergrund ohnehin ihre Arbeit aufgeben und flüchten – sofern ihnen dies noch möglich war. Es wurden nur noch Filme zugelassen, die dem Regime „genehm“ waren.

Bereits 1934 wurde eine Präventivzensur von Drehbüchern eingeführt, 1936 wurde Filmkritik an deutschen Filmen verboten, ebenso verbot man die Vorführung ausländischer Filme im Deutschen Reich. Dies betraf natürlich auch Laurel & Hardy-Filme. Ab 1937 stand die Filmindustrie gänzlich unter staatlicher Kontrolle. In den Jahren des Nazi-Regimes entstanden daher vor allem Revue- und seichte Unterhaltungsfilme, sowie Durchhalte- und Propagandafilme.

Es gab aber durchaus auch Werke, die der Ideologie der Machthaber nicht entsprachen, wie Filme von Helmut Käutner (1908-1990) und Curt Goetz (1888-1960). Auch die Soundtracks vieler Musikfilme waren beschwingter, als es die Vorstellung der Nazis eigentlich erlaubte. Mutige Filmschaffende waren deshalb ständig von Repression und Zensur bedroht.


        

Sogar der Heinz-Rühmann-Film Die Feuerzangenbowle von 1944 stand kurz vor einem Verbot durch Reichserziehungsminister Bernhard Rust. Dieser versuchte die Freigabe des Films zu verhindern, weil der Film wegen der Verächtlichmachung der Lehrerschaft die Autorität der Schule gefährde. Schließlich sei es ohnehin schon schwer genug, wegen der Kriegswirren noch fähige Männer für den Schuldienst zu finden.

Mit einer Filmrolle unterm Arm fuhr Heinz Rühmann (1902-1994) daraufhin höchstpersönlich in die Wolfsschanze, dem Führerhauptquartier, um das Verbot zu verhindern. Er bat Hermann Göring, die Meinung Hitlers zum Film einzuholen. Dabei begnete der Schauspieler zum zweiten Mal in seinem Leben dem „Führer“. Ein müder und kranker Mann sei er damals schon gewesen, der mit seinem Schäferhund und im Kreise seiner Getreuesten mürrisch seine Bahnen zog, so berichtete Rühmann später. Nach dessen Zustimmung erhielt der zuständige Minister Goebbels die Anweisung, den Film freizugeben. Die Premiere fand dann drei Tage nach diesen Vorgängen am 28. Januar 1944 im Berliner Ufa-Palast statt.

Um die recht jungen Darsteller möglichst lange vor dem Einzug zum Kriegsdienst zu bewahren, verzögerte man die Dreharbeiten des Films. Immer wieder wurden einzelne Einstellungen bis zur Perfektion erneut gedreht. Dieses Vorgehen konnte jedoch nicht verhindern, dass bereits bis zum Zeitpunkt der mehrmals verschobenen Premiere einige der Darsteller bereits gefallen waren.

        


Solofilme von Stan Laurel und Oliver Hardy
Sind SIe, liebe Leserin, lieber Leser an einer Besprechung der Solofilme interessiert?

Nachdem die Filme, in denen Laurel & Hardy als Komiker-Duo zu sehen sind, alle abgehandelt sind, stellt sich für mich die Frage, ob eine Beschreibung der Solofilme für Sie von Interesse ist.

Ja
Nein
keine Meinung



Die Feuerzangenbowle

Komödie / 95 min. / Erstveröffentlichung: 28. Januar 1944

Regie: Helmut Weiß

Buch: Heinrich Spoerl

Darsteller:

  • Heinz Rühmann (Dr. Johannes Pfeiffer / Pennäler Hans Pfeiffer)
  • Erich Ponto (Prof. Crey, genannt "Schnauz")
  • Paul Henckels (Prof. Bömmel)
  • Hans Leibelt (Gymnasialdirektor Knauer, genannt "Zeus")
  • Lutz Götz (Oberlehrer Dr. Brett)
  • Karin Himboldt (Eva Knauer, Tochter des Rektors)
  • Margarete Schön (Frau Knauer, Ehefrau des Rektors)
  • Hilde Sessak (Marion, Pfeiffers Verlobte)
  • Hans Richter (Schüler Rosen)
  • Clemens Hasse (Schüler Knebel)
  • Rudi Schippel (Schüler Luck)
  • Max Gülstorff (Oberschulrat)
  • Egon Vogel (Musiklehrer Fridolin)
  • Ewald Wenck (Kastellan Kliemke)
  • Hedwig Wangel (Haushälterin von Prof. Crey)
  • Anneliese Würtz (Frau Windscheidt, Vermieterin)
  • Albert Florath, Georg Vogelsang, Karl Etlinger, Georg-Heinrich Schnell (die Herren der Feuerzangenbowlen-Gesellschaft)

Inhalt:

Bei der als Rahmenhandlung fungierenden Feuerzangenbowle erzählt sich eine Runde älterer Herren vergnügliche Anekdoten aus ihrer Schulzeit. Der erfolgreiche junge Schriftsteller Dr. Johannes Pfeiffer beneidet seine Freunde um den Spaß, den sie in der Schule hatten. Ihm selbst blieb solcher versagt, da er von einem Hauslehrer unterrichtet wurde. Seine Freunde animieren ihn daraufhin, sich als Schüler zu verkleiden und für ein paar Wochen eine „richtige“ Schule zu besuchen, um die versäumten Freuden des Schülerlebens nachzuholen. Die Wahl fällt auf ein Gymnasium in der kleinen Stadt Babenberg.

        

Hier besucht der Schriftsteller die Schule als Oberprimaner Hans Pfeiffer. Dabei darf er in ständiger Auseinandersetzung mit den kauzig-komischen Lehrern seinen Nachholbedarf an Schüler-Streichen befriedigen. Ein besonders gelungener Streich verdient sicherlich eine Erwähnung: Als die alkoholische Gärung durchgenommen wird, und um den Schülern die praktische Bedeutung des Chemieunterrichts zu demonstrieren, schenkt „Schnauz“ den Schülern selbstgemachten Heidelbeerwein aus.

Auf ein Stichwort von Pfeiffer täuscht die ganze Klasse einen schweren Rausch vor, obwohl „jäder nor einen wönzigen Schlock“ bekommen hat. Der ganzen Klasse ist „öbel“. Man sieht es ihnen an. Die einen können nicht mehr gerade stehen, die anderen lallen oder grinsen blöde in die Luft. Wieder andere lassen den Kopf auf das Pult sinken, einer zieht sich sogar aus, um sich hinzulegen. Der Professor ist fassungslos. Er wird zusehends nervöser und tupft sich mit seinem Taschentuch den Schweiß von der Stirn.

Das bald einsetzende Johlen und Brüllen der Klasse dringt bis zum Direktor. Bei dessen Einmarsch ins Klassenzimmer bietet sich ihm ein Bild menschlichen Jammers. Da hängen seine stämmigen Oberprimaner wie die Mehlsäcke zwischen den Bänken und glotzen ihn stumpfsinnig an. Nicht ein einziger steht zur Begrüßung auf. Als er erfährt, dass die Klasse bei Prof. Crey Wein trinken musste, schickt er mit gedämpftem Zorn seine „schöne“ Oberprima nach Hause. An der Tür klopft bei Pfeiffer das schlechte Gewissen an, als er hört, wie beim nun einsetzenden Wortgefecht die Stimme des Professors immer bedrückter und die des Direktors immer mächtiger wird. Als Ergebnis seines Geständnisses landet Pfeiffer im Karzer. 

         

Doch schon bald reist ihm seine extravagante Verlobte Marion hinterher und versucht ihn zur Rückkehr zu bewegen. Er lässt sich zunächst von ihr becircen, nach Berlin zurückzukehren, beschließt aber im letzten Moment, doch an der Schule zu bleiben. Marion bleibt nichts anderes übrig, als allein abzureisen. Pfeiffer hat sich nebenbei in die 17-jährige Eva, die Tochter des Direktors, verliebt und offenbart ihr seine wahre Identität. Eva nimmt ihn diesbezüglich jedoch nicht ernst.

Durch diese Zurückweisung gekränkt, beschließt er, seinen Hinauswurf aus der Schule mit einem ganz besonderen Coup zu erzwingen. Zunächst lädt er die Oberklasse der benachbarten Mädchenschule zum gemeinsamen Unterricht im Jungengymnasium ein. Er selbst hält den Chemieunterricht, verkleidet als Prof. Crey. Dem echten Professor hat Pfeiffer am Vortag Wecker und Uhr verstellt, sodass Crey erwartungsgemäß zu spät zur Schule kommt. Just am selben Tag besucht der Oberschulrat das Gymnasium, um die Eignung des Prof. Crey für das Direktorat an einer anderen Schule zu prüfen. Als das den Unterricht visitierende Lehrerkollegium feststellt, dass Pfeiffer den Unterricht hält, fleht ihn Direktor Knauer an, den Schwindel weiterzuspielen.

            

Gerade als der Oberschulrat, zufrieden mit dem erlebten Unterricht, abreisen möchte, stürmt der wahre Prof. Crey zur Tür hinein und steht Pfeiffer gegenüber. Der Oberschulrat empfiehlt den beiden Herren, sich zu einigen, wer denn nun der echte Crey sei, und reist ab. Pfeiffer beendet die Maskerade und erwartet seinen Hinauswurf für diese Aktion, was aber nicht geschieht. Als letzte Rettung „droht“ Pfeiffer, die Tochter des Direktors zu entführen, die spontan aufspringt und ihm um den Hals fällt. Da er sein Abitur, sein Diplom, seine Promotionsurkunde und interessante Einkommensnachweise präsentieren kann, steht einer Verbindung der beiden letztlich nichts im Wege.

Der Film endet mit der Rahmenhandlung: Pfeiffer, wieder als Erwachsener, erklärt, all das soeben Erzählte sei frei erfunden. Wahr seien nur die Erinnerungen, die wir mit uns tragen. Und der Held spricht noch von den Träumen, mit denen wir uns zu bescheiden hätten, bevor er uns wieder in die raue Wirklichkeit entlässt.

         

Hintergrund:

Der Film Die Feuerzangenbowle, vor knapp 70 Jahren uraufgeführt, ist und bleibt das unübertreffliche Original des deutschen Kultfilms - ein Amüsement für mehrere Generationen. Noch heute werden vielerorts, vornehmlich an Universitäten, zur Adventszeit Vorführungen des Films organisiert, die als Feuerzangenbowlen-Partys mit oft mehreren 1000 Teilnehmern Eventcharakter haben.

Merkwürdigerweise schwindet beim Ansehen des Films auch jede kritische Distanz gegenüber der Nazizeit. Dies hat mehrere Gründe. Zum Teil liegt dies sicherlich an den bezaubernd komischen Darstellern, aber auch an der warmherzigen Nostalgie, die hier verströmt wird, die den Zuschauer in die eigene, unschuldige Jugendzeit zurückführt. Zudem erscheinen die Lehrer als Vertreter einer unheroischen, von altmodischer Väterlichkeit bestimmten Generation. Das Thema ist also nicht, wie in späteren Pennäler-Filmen, die Modernisierung der Schule, sondern gerade das genüssliche Auskosten ihrer Altmodischkeit.

Die Geschichte spielt auch nicht im 3. Reich, sondern in der „guten alten Zeit“, die nicht genau datiert ist, aber wohl im ausgehenden 19. Jahrhundert anzusiedeln ist. Dies zeigt sich z.B. an den Schülermützen, die zum Drehzeitpunkt schon seit etlichen Jahren abgeschafft waren. Auch die Uniform eines kurz auftauchenden Polizisten mit Pickelhaube spricht dafür. Ferner die Tatsache, dass Dr. Pfeiffer am Anfang des Films zur Feuerzangenbowlen-Gesellschaft mit einer Pferdekutsche gekommen ist. Das Element Radium, das Pfeiffer den Schülern vorzustellen vorgibt, wurde 1898 entdeckt. Das im Direktorenzimmer hängende Bild zeigt dagegen den schon 1888 verstorbenen Kaiser Wilhelm I.

        

Der Pennäler Pfeiffer greift also Autoritäten an, die eigentlich keine (mehr) sind. Er stellt Dinge an, die spektakulär erscheinen, sich aber im Nachhinein als harmlos erweisen, und vor allem nicht wirklich bestraft werden.

Zum großen Spaß des Film trägt nicht zuletzt die Tatsache bei, dass die Lehrer des Kleinstadt-Gymnasiums Vertreter einer verlorenen Individualität sind, die auch in den Nachkriegsjahren nicht wieder errichtet wurde. Jeder Pauker zelebriert genüsslich seine Macken, die sich vor allem in Gestik und sprachlichen Eigentümlichkeiten zeigen, sodass der Film per se bereits eine vorweg genommenen Parodie ist. Sätze wie „Sätzen Se säch“ des „Schnauz“ karikieren ein sprachliches Durcheinander an einer Institution, in der eigentlich die „richtige“ Sprache erlernt werden soll. Auch Bömmel schlägt in dieselbe Kerbe: „Wat is en Dampfmaschin? Da stelle mer uns janz dumm. Und da sage mer so: En Dampfmaschin, dat is ene jroße, schwarze Raum, der hat hinten und vorn e Loch, dat eine Loch, dat ist de Feuerung. Und dat annere Loch, dat krieje mer später.

In der Feuerzangenbowle kehren jene bürgerlichen, gemütlichen, zivilen Väter zurück, die in unserer hochmodernen Zeit keinen Platz mehr haben. In der scheinbar so rebellischen Gesinnung Pfeiffers steckt nicht nur ein Stück Realitätsflucht, sondern auch ein tiefer Wunsch nach Versöhnung. Diese wird am Ende des Films sogar besiegelt, durch die Heirat des Helden mit der Tochter des Direktors, der nicht zufällig „Zeus“ genannt wird, sondern weil er genauso aussieht, wie der „Göttervater“ auf antiken Stauten. Nur in der Liebesgeschichte zeigt sich eine Gegensätzlichkeit: Der Unterprimanerin Eva steht Pfeiffers Verlobte Marion gegenüber, großstädtisch und selbstbewusst, eine Karikatur der „modernen Frau“, die damit droht, Pfeiffers kontrollierten Rückfall in seine Jugendzeit auffliegen zu lassen. Sie ist im Prinzip die einzige Antagonistin des Films.

        

Die Feuerzangenbowle basiert auf dem 1933 erschienen, gleichnamigen Roman von Heinrich Spoerl (1887-1955), der auch das Drehbuch schrieb, und hält sich recht genau an die Romanvorlage. Als merkliches Zugeständnis an die Obrigkeit wurde der junge Oberlehrer Dr. Brett  - der sich im Gegensatz zum übrigen Kollegium von den Schülern nicht auf der Nase herumtanzen lässt - entgegen der Romanvorlage in eine schneidig-scharfe Respektsperson verwandelt. In einer Szene mit Marion bezeichnet Pfeiffer Dr. Brett - den einzigen Pauker, bei dem er mit seinen Streichen gegen die Wand läuft - explizit sogar als „feinen Kerl“.         

Bereits 1934 ist eine etwas freiere Verfilmung des Romans - ebenfalls mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle - unter dem Titel So ein Flegel erschienen. Das Drehbuch schrieb damals Hans Reimann, Regie führte Robert Adolf Stemmle.

        

Die Feuerzangenbowle wurde weitgehend auf dem Gelände der UFA-Studios in Berlin-Babelsberg gedreht. Das im Film gezeigte Schulgebäude zeigt das Rheingau-Gymnasium in Schöneberg, sowie das Goethe-Gymnasium in Berlin-Wilmersdorf. Einige Innenaufnahmen wurden im damaligen Peutinger-Gymnasium (heutiges Landgericht) im Württembergischen Ellwangen (Jagst) gedreht. Dies ist deutlich zu sehen, als die Jungen und Mädchen im Klassenzimmer vor der Ankunft des falschen „Lehrers“ das Tanzbein schwingen. Durch das Fenster ist das Ellwanger Schloss und die Wallfahrtskirche zu erkennen (Bild oben links). Der Kameraschwenk über die morgendliche Stadt vor dem Streich mit den vorgetäuschten Bauarbeiten zeigt dagegen die Altstadt von Schwäbisch Hall (Bild rechts).

Die erste Fernsehausstrahlung der Feuerzangenbowle fand übrigens am 28. Dezember 1964 im Deutschen Fernsehfunk in der DDR statt. In der Bundesrepublik wurde der Film erstmals am 26. Dezember 1969 im ZDF gezeigt, und erreichte eine beachtliche Einschaltquote von 53% (ca. 20 Mio Zuschauer).



 
Die Filme aus der Reihe "Die Lümmel von der ersten Bank", die zwischen 1968 und 1872 entstanden, handeln von einer Gymnasialklasse auf einem fiktiven Mommsen-Gymnasium in Baden-Baden. Die Schüler - allen voran Pepe Nietnagel lehnen sich durch zahlreiche Streiche und Intrigen gegen die veralteten Unterrichtsmethoden und altmodisch-autoritären Leher auf. Die Gymnasiasten bedienen sich aller denkbaren Mittel, um den Schulunterricht zu sabotieren. Wir können sehen, dass die damaligen Filmemacher sich dabei immer wieder von Laurel & Hardy inspirieren ließen.



Die Lümmel von der ersten Bank -

Kultserie oder alberner Klamauk?

       

Vor dem Hintergrund der Studentenbewegung der 1960er Jahre hatten die Filme durchaus auch ernst gemeinte Anliegen. Der Schüler Pepe Nietnagel behauptet in der an das Publikum gerichteten Einleitung im 1. Teil, dass „endlich einmal einer hinter die Kulissen leuchten muss, damit die Menschheit erfährt, wie es in Wirklichkeit zugeht und was die Pauker für Figuren sind.“ Er berichtet unter anderem, dass der Horizont des Oberstudiendirektors Taft „nicht mal über die Schulmauern“ reiche und Oberstudienrat Priehl „der typische Militarist“ sei. In einer weiteren Szene bezeichnet er die Generation seiner Eltern als jene, die „zum Beispiel Adolf Hitler gewählt haben“.

Dennoch ist Pepe Nietnagel kein Rebell, sondern eher eine Art Klassenclown, der die Gegebenheiten zu seinem Vorteil, und dem seiner Mitschüler ausnutzt. Mehrmals überredet er sogar seinen Vater, einen wohlhabenden Briefmarkenhändler, zu großzügigen Spenden an das Mommsen-Gymnasium, um den Direktor zu korrumpieren.

       

Auch die anderen Charaktere sind nicht eindimensional. So handeln die Lehrer nicht grundsätzlich in böser Absicht. In vielen Szenen der Reihe erscheinen die autoritären Pauker vielmehr als bemitleidenswerte und unfreiwillig komische Spießbürger. Mehrmals werden die Lehrer durch von den Schülern fingierte Anordnungen seitens des Kultusministeriums Opfer ihrer eigenen Obrigkeitshörigkeit. Oberstudiendirektor Taft ist zwar altmodisch, lässt gelegentlich aber Gnade vor Recht ergehen und erinnert sich in der 7. Episode daran, selbst „einen komischen Lehrer“ gehabt zu haben, und dass auch er „als Schüler ein ziemlicher Lümmel“ gewesen sei.

In den Teilen 1-4 erscheinen zudem moderne Pädagogen am Mommsen-Gymnasium mit frischeren Lehrmethoden, die den Schülern sympathisch sind. Allerdings können auch sie keine grundsätzlichen Veränderungen herbeiführen. In der Reihe finden sich auch zahlreiche Anspielungen auf die sexuelle Revolution jener Zeit. Bei einigen Schülerstreichen werden Lehrerinnen unfreiwillig entblößt. Die Schüler schrecken im 7. Teil auch nicht davor zurück, im Klassenzimmer eine Massenorgie nachzustellen, oder sich im 2. Teil bis auf die Unterwäsche auszuziehen, um die Lehrer zu schockieren.

       

Als Running Gag spielt Pepe Oberstudienrat Dr. Knörz in jeder Folge einen Streich, der ihn an seiner Wahrnehmungsfähigkeit zweifeln lässt. Wie ein kleines Kind rennt Knörz dann immer sofort zu seinem Vorgesetzten, dem Oberstudiendirektor Dr. Taft, welcher zumeist an Halluzinationen seines Kollegen glaubt. Im 5. Teil stellt Taft dem „Knörzerich“ sogar die hochnotpeinliche Frage: „Herr Kollege, kiffen Sie? Haben Sie Haschisch geraucht? Sind Sie high?“.




1. Teil: Zur Hölle mit den Paukern

Komödie / 85 min. / Erstveröffentlichung: 04. April 1968

Regie: Werner Jacobs

Buch:

  • Herbert Rösler (unter dem Pseudonym "Alexander Wolf")
  • Franz Seitz (unter dem Pseudonym "Georg Laforet")

Darsteller:

  • Hansi Kraus (Pepe Nietnagel)
  • Theo Lingen (Oberstudiendirektor Dr. Gottlieb Taft)
  • Gila von Weitershausen (Helena Taft, Tochter des Direktors)
  • Günther Schramm (Studienrat Dr. Kersten)
  • Georg Thomalla (Kurt Nietnagel, Pepe´s Vater)
  • Ilse Petri (Frau Nietnagel, Pepe´s Mutter)
  • Uschi Glas (Marion Nietnagel, Pepe´s Schwester)
  • Hannelore Elsner (Geneviève Ponelle, franz. Austauschschülerin)
  • Rudolf Schündler (Oberstudienrat Dr. Arthur Knörz)
  • Hans Terofal (Schulpedell Georg Bloch)
  • Balduin Baas (Oberstudienrat Dr. Blaumeier)
  • Oliver Hassencamp (Oberstudienrat Dr. Priehl)
  • Monika Dahlberg (Taft´s Sekretärin Fräulein Weidt)
  • Ruth Stephan (Studienrätin Dr. Pollhagen)
  • Jürgen Drews (Schüler Schlöz)

Inhalt:

Dr. Gottlieb Taft ist mit Leib und Seele Rektor des Mommsen-Gymnasiums in Baden-Baden. Nur mit den Schülern der Klasse 10a hat er so seine liebe Not. Speziell der von einem bayrischen Internat verwiesene Pepe Nietnagel bringt mit seinen derben Streichen das gesamte Lehrerkollegium zur Verzweiflung. Vor allem Studienrat Dr. Knörz ist er schon lange ein Dorn im Auge. Deshalb will Knörz ihn, zusammen mit einem Großteil der Klasse, in Latein durchfallen lassen.

         

Pepe inszeniert daraufhin mit Hilfe seiner Klassenkameraden einen Fenstersturz, der so raffiniert gemacht ist, dass Knörz an einen Selbstmord des Schülers glaubt. Eiligst rennt er ins Rektorat, und ruft einen Krankenwagen. Da Pepe aber bei Knörz´ Rückkehr zusammen mit Rektor Taft seelenruhig wieder auf seinem Platz sitzt, und auch dessen Attrappe im Hof verschwunden ist, tritt Knörz wegen angeblicher Halluzinationen einen Sanatoriumsaufenthalt an.

Die Vertretung übernimmt der junge, modern eingestellte Dr. Kersten. Vorgewarnt durch Rektor Taft, durchschaut er den für ihn bestimmten Streich in Form einer als Schülerin getarnten „Sex-Bombe“, die den Unterricht sabotieren soll. Diese blamiert und verplappert sich in den ersten fünf Minuten. Mit dem Hinweis, sich inzwischen ein paar bessere Scherze zu überlegen, verlässt er die Klasse, um die falsche Schülerin“ zum Ausgang zu geleiten. Dabei läuft er Rektor Taft über den Weg, der diese zweideutige Situation missbilligend begutachtet.

         

Ärgerlich akzeptiert Pepe diese Niederlage, weil der Rest der Klasse, vor allem die Mädchen, den neuen Lehrer gut findet. Auch Helena, die Tochter von Rektor Taft, verliebt sich in den smarten Pädagogen. Als der Tennispartner von Dr. Kersten wegen eines ärztlichen Notfalls absagt, ergreift sie ihre Chance. Nach der Tennisstunde wird sie von Dr. Kersten in ein Weinlokal eingeladen und nach Hause gebracht. Ausgerechnet beim Abschiedskuss vor der Haustür wird er vom heimkehrenden Rektor Taft erblickt und abgekanzelt.

In der Schule setzt sich die Auseinandersetzung für alle Schüler hörbar fort, da Taft irrtümlich die hauseigene Sprechanlage in Betrieb setzt. Die 10a gibt daraufhin eine Verlobungsanzeige auf, was den Direx aber noch mehr in Rage bringt, da er Dr. Kersten für den Urheber hält. Auch die in der Pension Nachtigall mithilfe der französischen Austauschschülerin Geneviéve Ponelle inszenierte Blamage erweist sich als Bumerang, da Rektor Taft unerwartet zurückkehrt und den Schwindel durchschaut.

         

Doch bei der Einweihung eines von Pepe präparierten Brunnens, stellt sich der Kultusminister als Dr. Kerstens Onkel vor, der Rektor Taft sogleich als zukünftigen Schwiegervater seines Neffen begrüßt. Da sich das Feuerwerk im Brunnen nicht mehr aufhalten lässt, endet alles in einem heillosen Durcheinander...

Hintergrund:

Nachdem Produzent Franz Seitz mit dem Film Ludwig auf Freiersfüßen, dem fünften Teil der „Lausbubengeschichten“ des bayerischen Heimatschriftstellers Ludwig Thoma, die Filmreihe langsam aber sicher als ausgereizt ansah, suchte er nach einem neuen Stoff, der vergleichbares Potenzial bot. Dabei fiel ihm das 1963 erschienene Buch „Zur Hölle mit den Paukern“ in die Hände, in dem der Pädagoge Herbert Rösler (unter dem Pseudonym „Alexander Wolf“) die Zustände des Schulsystems anprangert. Jedoch ist die Kritik am Schulsystem in diesem Film nur noch in sehr abgeschwächter Form enthalten, etwa in der Einleitung durch Hansi Kraus.

         

Regisseur Werner Jacobs, der zuvor schon bei drei „Lausbubengeschichten“ mit Produzent Franz Seitz und Hauptdarsteller Hansi Kraus zusammen gearbeitet hatte, inszeniert das Ganze zwar handwerklich sauber, allerdings gleichzeitig auch ziemlich lieblos und ohne Inspiration. Gerade das Intro hätte wesentlich ausdrucksvoller und überzeugender gestaltet werden müssen.

Vielmehr schienen die Filmemacher Rösler´s Roman in erster Linie als Ausgangspunkt für weitgehend belanglosen Klamauk und stellenweise recht alberne Situationskomik nutzen zu wollen. Zwar weiß der eine oder andere Gag durchaus zu gefallen - allen voran die Schülerstreiche - aber insgesamt ist dies leider zu wenig, um einen Platz unter den Top-Komödien zu erlangen.

Dazu wirkt der Film mit Nebenhandlungen überfrachtet, wie z.B. mit der Liebesgeschichte zwischen Dr. Kersten und Taft´s Tochter, sodass alles irgendwie zu kurz kommt und dadurch zu belanglos wirkt, um wirklich überzeugen zu können. Während die Handlung nur schwach und nicht fokussiert ist, wirkt besonders das Ende dieses Films etwas sonderbar. Für die in den Nebenhandlungen aufgeworfenen Probleme wartet der Schluss mit einer unglaubwürdig-gekünstelten Lösung auf, und endet so abrupt, dass man sich fragt, ob die Leute am Set noch dringende Termine hatten, weshalb der Film zügig zu Ende gebracht werden musste.

         

Gerettet wird der Film jedoch durch seine gekonnt aufspielende Darstellerriege um den einzigartigen Theo Lingen, die ihre Rollen sympathisch spielen und mit viel Charme ausfüllen. Als Glücksgriff erweist sich insbesondere Hauptdarsteller Hansi Kraus. Kraus wollte man anfänglich aufgrund seines bayerischen Dialektes und der Bekanntheit durch die „Lausbubengeschichten“ für die Lümmel-Reihe nicht verpflichten. Kurzfristig wurde er aber doch noch als Ersatz für den ursprünglich vorgesehenen Florian Lindinger genommen. Kraus erweist sich als der optimale Sympathieträger und spielt seine Rolle nahezu perfekt. Einzig Uschi Glas fällt ein wenig negativ auf. Dies liegt aber nicht nur an ihr, sondern weil ihre Rolle schlicht und ergreifend nicht viel zum eigentlichen Handlungsfaden beiträgt.         

In den meisten Folgen bot die Lümmel-Reihe markante Nebenrollen für namhafte Schauspieler des deutschen Films, sowie für Nachwuchstalente, die damals am Anfang ihrer Karriere standen. In dieser Folge ist der spätere Schlagersänger Jürgen Drews als Schüler Schlöz zu sehen. Er spielt den Burschen, der die Puppenattrappe von Pepe im Schulhof platziert, und sie nach erfolgreich ausgeführter Tat wieder verschwinden lässt. Außerdem sieht man ihn bei der Party im Hause Nietnagel als Bandmitglied.

         

Alles in allem ist der 1. Teil der Reihe ein sympathischer, stellenweise auch recht lustiger, aber nicht wirklich vollends überzeugender Film geworden. Letztlich ist es einzig und allein den überzeugenden Darstellern und ein paar gelungenen Gags zu verdanken, dass der Film noch ins Mittelmaß gelangt.




2. Teil: Zum Teufel mit der Penne

Komödie / 95 min. / Erstveröffentlichung: 12. Dezember 1968

Regie: Werner Jacobs

Buch: Franz Seitz (unter dem Pseudonym "Georg Laforet")

Darsteller:

  • Hansi Kraus (Pepe Notnagel)
  • Theo Lingen (Oberstudiendirektor Dr. Gottlieb Taft)
  • Peter Alexander (Reporter Dr. Peter Roland)
  • Willi Millowitsch (Kurt Notnagel, Pepe´s Vater)
  • Hannelore Elsner (Marion Notnagel, Pepe´s Schwester)
  • Rudolf Schündler (Oberstudienrat Dr. Arthur Knörz)
  • Balduin Baas (Oberstudienrat Dr. Blaumeier)
  • Inge Wolffberg (Studienrätin Dr. Pollhagen)
  • Hans Terofal (Schulpedell Georg Bloch)
  • Heintje (Jan)
  • Edith Schollwer (Oberin der Klosterschule)
  • Johanna König (Fräulein Wendt, Taft´s Sekretärin)


Inhalt:

Oberstudienrat Dr. Knörz möchte der Klasse 10a zur Erbauung altes Liedgut auf seiner Geige vorspielen, einem kostbaren Erbstück. Pepe nutzt eine kurze Abwesenheit des Lehrers, um die Geige gegen eine Immitation auszutauschen. Bei einer inszenierten Keilerei geht diese zu Bruch, als Knörz zurückkommt. Als er Rektor Dr. Taft verzweifelt den Verlust seiner Geige berichtet, taucht diese auf wundersame Weise wieder auf. Taft glaubt wieder an eine Halluzination seines nervlich arg gebeulteten Kollegen.

      

Nächstes Opfer ist Studienrätin Dr. Pollhagen, die mit dem Aufklärungsunterricht in der Klasse beginnen will. Wegen einer unbedachten Äußerung zieht sich die Klasse bis auf die Unterwäsche aus.

Am Mommsen-Gymnasium wird derweil der Schweizer Austauschlehrer Dr. Wilhelm Maria Tell erwartet. Dessen Schwager, der Fernsehreporter Dr. Roland arbeitet an einer Reportage zum Thema Bildungsnotstand und besucht zu diesem Zweck eine Klosterschule. Da sein Chefredakteur mit dem Resultat vollkommen unzufrieden ist, schmuggelt sich Dr. Roland mit einem Trick anstelle seines Schwagers an das ehrwürdige Gymnasium ein, um für seine Reportage sozusagen an die Quelle vorzudringen.

      

Recht schnell freundet sich der falsche Lehrer mit den Schülern der 10a an und verliebt sich dabei in Marion, die Schwester von Streichkönig Pepe. Deren Vater ist damit absolut nicht einverstanden, weil er von Paukern aber auch schon gar nichts hält. Hatten sie ihn doch selbst seinerzeit dreimal durchfallen lassen.

Als Dr. Roland den Schülern beim Schummeln für eine schwere Mathematik-Klassenarbeit hilft, droht der ganze Schwindel allerdings aufzufliegen. Dr. Roland hat die Rechenaufgabe unter einem Vorwand von Rektor Taft höchstpersönlich ausrechnen lassen, und dessen Ergebnis der Klasse per Walki-Talki übermittelt. Das Spielchen endet für die ganze Klasse mit der Note 6. Mathelehrer Dr. Blaumeier beantragt daher, die Klasse um ein Jahr zurückversetzen zu lassen, was von der Mehrheit des Kollegiums unterstützt wird. Ein Ministerialrat soll den Bildungsstand der Klasse prüfen. Also Rektor Taft auch noch von Roland´s Liasson mit der Schülerin Marion Notnagel erfährt, wird die Luft immer dünner.

      

Dank Pepe und seiner Mitschüler, und Dr. Roland, der ein Meister der Maske und ein perfekter Stimmenimmitator ist, wird am Ende doch wieder alles ins Lot gebracht…

Hintergrund:

Der zweite Teil der Lümmel-Reihe, für den erneut Regisseur Werner Jacobs verantwortlich zeichnet, ist nur bedingt als solcher zu bezeichnen - abgesehen davon, dass ein Großteil der Geschichte am Mommsen-Gymnasium spielt. Der Film atmet in keiner Sekunde den zumindest latent vorhandenen kritischen Geist des Originals und entpuppt sich im Grunde eher als Schlagerkomödie um Kassenmagnet und Hauptdarsteller Peter Alexander.

      

Wenn dazu noch Kinderstar Heintje auftritt, um zwei seiner Hits zum Besten zu geben, ohne das er irgendwas mit der eigentlichen Handlung zu tun hat, bestätigt sich dieser Eindruck.

Dass ein Filmerfolg des Öfteren eine oder mehrere Fortsetzungen nach sich zieht, wird dem einen oder anderen Filmfreund sicherlich schon aufgefallen sein. In dieser Hinsicht stellte auch der enorme Publikumserfolg des 1. Teils der Lümmel-Reihe Zur Hölle mit den Paukern keine Ausnahme dar.

Bereits 1961 hatte die Rialto-Film-Gesellschaft eine Neuverfilmung des Heinz-Rühmann-Klassikers So ein Flegel mit Peter Alexander und Johanna von Koczian angekündigt, aber immer wieder verschieben müssen. 1968 stand das Vorhaben mit Peter Alexander, Conny Froboess, Anita Kupsch und Heinz Erhardt dann kurz vor der Realisierung.

Nach dem überragenden Publikumserfolg des 1. Teils der Lümmel-Reihe im April 1968, beschloss der nunmehr verantwortliche Constantin-Filmverleih kurzerhand, statt der geplanten Neuverfilmung des Rühmann-Klasikers den 2. Teil der Lümmel-Reihe unter dem Titel Zum Teufel mit der Penne als Peter-Alexander-Film in die Kinos zu bringen.

      

Im Gegensatz zum ersten Teil stand dafür allerdings nicht mehr das Buch von Herbert Rösler Pate, sondern man orientierte sich an der 1934 erschienenen Heinz-Rühmann-Komödie So ein Flegel. Das Drehbuch wurde dazu insofern umgeschrieben, damit man zum einen die im ersten Teil etablierten Charaktere des Mommsen-Gymnasiums als Nebenfiguren verwenden konnte. Und zum anderen - was den Machern offensichtlich noch wichtiger war - wurde das Ganze voll und ganz auf Schlagerstar Peter Alexander zugeschnitten, mit dem der routinierte Regisseur Werner Jacobs bereits zuvor schon ein paar erfolgreiche Komödien gedreht hatte. Wenig später wurden auch zwei Heintje-Filme unter Jacob´s Regie produziert.

Die Handlung selbst baut eigentlich gar nicht auf dem ersten Teil auf. Der erneut von Hansi Kraus verkörperte Pepe tritt streckenweise nur am Rande auf, denn der Star ist ganz klar Peter Alexander, der hier einen Fernsehreporter mimt, der sich dann als falscher Lehrer profiliert.

Wie wichtig den Machern die Verpflichtung Alexanders war, merkt man unter anderem daran, dass man auf seinen Wunsch hin den von Hansi Kraus gespielten Pepe nebst seiner Filmfamilie in diesem 2. Teil von „Nietnagel“ in „Notnagel“ umtaufte, weil er diesen Namen für witziger hielt.

      

Und auch ansonsten hat man sich hier nur bedingt für eine nachvollziehbare Personalpolitik entschieden. So ersetzte man Georg Thomalla in der Rolle als Pepes Vater durch Willy Millowitsch. Sicherlich sind beide ohne Zweifel erstklassige Darsteller. Dennoch verkörpern sie zwei grundverschiedene Charaktere. Noch sonderbarer ist die Personalpolitik bei der Besetzung von Pepes Schwester Marion. Während im 1. Teil noch Uschi Glas diese Rolle spielte, übernahm diese nun Hannelore Elsner, die im ersten Teil als französische Austauschschülerin Geneviève zu sehen war. Taft´s Sekretärin wird in diesem Teil von Johanna König gespielt, die als Werbetante „Klementine“ damals große Popularität erlangte. Die optischen und dramaturgischen Unterschiede sah das Publikum dem Film wohl mit ironischer Distanz nach.

Der restliche Cast um Hansi Kraus macht seine Sache genau wie im 1. Teil wirklich hervorragend, haben aber durch die Omnipräsenz des Stars bedeutend weniger Screentime. Somit haben sie auch entsprechend weniger Möglichkeiten wirklich zu glänzen. Auch Theo Lingen, dessen Auftritte im 1. Teil kleine Highlights waren, hat weniger Möglichkeiten, sein Können unter Beweis zu stellen. Peter Alexander wurde die Rolle natürlich auf den Leib geschrieben. Sein Auftritt unterscheidet sich nur durch wenige Nuancen von seinen sonstigen Rollen.

Ansonsten gibt es zur Geschichte nicht viel zu sagen. Die Handlung ist stellenweise ziemlich albern und vorhersehbar. Der Humor basiert weitgehend auf Klamauk. So ist dieser 2. Teil letztlich eine recht schwache Fortsetzung, die nur durch die Qualität der Darsteller halbwegs herausgerissen wird. Nostalgie-Fans, Freunde leichter Unterhaltung und Liebhaber deutscher Schlager werden bei dem Film jedoch ganz sicher auf ihre Kosten kommen.

      

P.S.: Diese Filmbesprechung soll ganz sicher keine Wertung der musikalischen Qualitäten des 2011 verstorbenen Peter Alexander sein. Tatsache ist, dass er Jahrzehntelang zu den absoluten Top-Stars im deutschsprachigen Raum gehörte, und Millionen von Menschen haben seine Musik und seine charmante und humorvolle Art geliebt. Davon möchte ich mich selbst auch nicht ganz ausschließen. Was vielmehr stört ist die Tatsache, dass alles, was den Reiz der Lümmel-Filme eigentlich ausmacht, etwas in den Hintergrund gedrängt wird.



3. Teil: Pepe der Paukerschreck

Komödie / 95 min. / Erstveröffentlichung: 27. Juni 1969

Regie: Harald Reinl

Buch: Franz Seitz (unter dem Pseudonym "Georg Laforet")

Darsteller:

  • Hansi Kraus (Pepe Nietnagel)
  • Theo Lingen (Oberstudiendirektor Dr. Gottlieb Taft)
  • Gustav Knuth (Kurt Nietnagel, Pepe´s Vater)
  • Uschi Glas (Marion Nietnagel, Pepe´s Schwester)
  • Carola Höhn (Frau Nietnagel, Pepe´s Mutter)
  • Hannelore Elsner (Geneviève Ponelle, franz. Austauschschülerin)
  • Gerhart Lippert (Heinz Thomas)
  • Rudolf Schündler (Oberstudienrat Dr. Arthur Knörz)
  • Hans Clarin (Studienrat Dr. Glücklich)
  • Harald Juhnke (Oberstudienrat Dr. Blaumeier)
  • Ruth Stephan (Studienrätin Dr. Pollhagen)
  • Hans Terofal (Schulpedell Georg Bloch)
  • Jutta Speidel, Michaela May (Schülerinnen)
  • Pierre Franckh (Schüler Körner)


Inhalt:

Die Klasse 11a ist das größte Problem im Leben von Oberstudiendirektor Dr. Taft. Sie bringt mit ihren Streichen das gesamte Lehrerkollegium, insbesondere Oberstudienrat Dr. Knörz, zur Verzweiflung. So haben sie beispielsweise den nagelneuen VW-Käfer von Dr. Knörz mit Wasserfarbe knallgelb „umlackiert“, sodass dieser sein Auto nicht mehr erkennt und den vermeintlichen Diebstahl seines Wagens beklagt.

      

Aufgrund dieser und anderer Vorgänge hat sich Rektor Taft zum Ziel gesetzt, diese aufsässige Klasse in ihre Schranken zu weisen. Um Informationen über zukünftige Streiche und deren Urheber zu erhalten schleust Taft seinen streberhaften Neffen Ewald aus Karlsruhe als seinen Informanten in die Klasse ein.

Dennoch schlagen Pepe Nietnagel und seinen Klassenkameraden weiterhin unbarmherzig zu. Zunächst werden die völlig unsportlichen Lehrer mit Hilfe einer fingierten Anordnung des Kultusministeriums zur körperlichen Ertüchtigung lächerlich gemacht. Der Große Festakt zur Feier des hundertjährigen Jubiläums des Mommsen-Gymnasiums wird mit Hilfe von Lachgas sabotiert und mit Rauchpulver ein Feuerwehreinsatz  ausgelöst. Wegen des dabei entstandenen Wasserschadens muss sogar die ganze Schule für eine Woche geschlossen werden.

Deshalb fordert Oberstudiendirektor Taft in einem Brief an den Ministerialdirektor einen besonders strengen Lehrer zur Disziplinierung der 11a an. Der Brief kommt allerdings nicht im Ministerium an, da Pepe ihn dem einfältigen Hausmeister Bloch abluchst und telefonisch mit der Stimme von Direktor Taft einen feinfühligen und sensiblen Lehrer anfordert. Da der ankommende Dr. Glücklich und Rektor Taft aneinander vorbei reden, wird die Manipulation vorerst nicht bemerkt. Dazu trägt auch die durch Zwiebeln weinende Klasse und ein zerschlagenes Lehrerpult bei, was Rektor Taft als Disziplinierungsmaßnahme deutet.

      

Ein Fund aus der Römerzeit, eine antike Vase, die Pepe seinem Vater abgeschwatzt hat, und diese als Ausgrabung auf dem Schulgelände tarnt, veranlasst den Direktor, nach weiteren Schätzen zu suchen und die Klasse in der Zwischenzeit auf Studienreise nach Bad Homburg vor der Höhe zu schicken. Hier geben sich die Lehrer etwas lockerer und Dr. Knörz, durch ein Wetttrinken völlig betrunken, erzählt von einer Geliebten, die er im 2. Weltkrieg als Soldat in Avignon hatte. Dr. Glücklich hingegen erweist sich als Retter des feuchtfröhlichen Abends, als er vier üble Typen, die eine Schülerin belästigen und die zu Hilfe herbeieilenden Klassenkameraden niederschlagen, mit seinen Karatefähigkeiten bezwingt.

Das beeindruckt Pepe so sehr, dass er Dr. Glücklich den wahren Grund seiner Berufung ans Mommsen-Gymnasium gesteht. Unglücklicherweise hat Spion Ewald gelauscht und verpetzt ihn bei Dr. Knörz. Da Pepe ihn bemerkt, kann er Gegenmaßnahmen einleiten. Er setzt die unerwartet angereiste französische Austauschschülerin Geneviéve Ponelle auf Knörz an, die sich als Frucht seines Liebesabenteuers in Avignon ausgibt und ihn zur Krankmeldung nötigt. Bei einem Krankenbesuch treffen Pepe und seine Kameraden auf Geneviéve und verlangen im Gegenzug für ihre Diskretion Stillschweigen über Dr. Glücklich.

      

Trotzdem kommt der Schwindel bei einem Besuch des Ministerialdirektors ans Licht. Dr. Glücklich wird von Rektor Taft fristlos entlassen, doch die Schüler fahren eigens zum Ministerialdirektor und erreichen, dass er bleiben darf. Auch Dr. Taft ist von Pepes Fürsprache für Dr. Glücklich beeindruckt, sodass er Pepe den Streich mit der alten Römervase verzeiht und ihm das gute Stück zurückgibt.


Hintergrund:

Der Wechsel auf dem Regiestuhl von Werner Jacobs zum vor allem wegen seiner Karl-May-Verfilmungen bekannten Harald Reinl tut der Reihe um Streichkönig Pepe Nietnagel sichtbar gut. Auch dreht sich der Film wieder hauptsächlich um Hauptfigur Pepe, anstatt sich wie im zweiten Teil auf einen Star zu fixieren. Zwar wird stellenweise auch wieder Altbekanntes abgespult, aber unter´m Strich kann man diesen 3. Teil als einen der Besten der Lümmel-Reihe bezeichnen.

      

Da Werner Jacobs, Regisseur der ersten beiden Lümmel-Filme, unter anderem wegen seiner Regieverpflichtung für den Film Heintje - Ein Herz geht auf Reisen nicht für den weiteren Teil der Lümmel-Reihe zur Verfügung stand, nahm beim dritten Abenteuer um die Schüler und Lehrer des Mommsen-Gymnasiums nun Harald Reinl auf dem Regiestuhl Platz. Dies erweist sich als Schritt in die richtige Richtung.

Denn im Gegensatz zu der recht gemächlichen Gangart von Werner Jacobs' Inszenierungen setzt Reinl in erster Linie auf Action und Tempo. Dies tut dem Film wirklich gut und lässt das ganze Treiben gleich viel kurzweiliger wirken. Doch auch in Bezug auf die Handlung hat sich Produzent Franz Seitz, der alle Drehbücher der Lümmel-Filme unter dem Pseudonym „Georg Laforet“ selbst schrieb, deutlich verbessert und nimmt hier anstatt einer seichten Schlagerkomödie um Peter Alexander, wie im 2. und 4. Teil, wieder deutlicher die Streiche um den von Hansi Kraus gespielten Pepe ins Visier.

      

Das Pseudonym „Laforet“ von Produzent Franz Seitz kommt übrigens ganz einfach zustande. Dreht man den Namen um, kommt man auf „Terofal“. Er und Hans Terofal, der in allen 7 Teilen den trotteligen Schulpedell Bloch spielt, waren Brüder. Es liegt auf der Hand, dass Hans Terofal sein Engagement ihm zu verdanken hat, der wenige Jahre nach Abschluss der Lümmel-Reihe an seiner schweren Alkoholkrankheit verstarb.

Aber auch bei den Charakteren wurde wieder einiges gerade gerückt. Nicht nur, dass Familie Nietnagel wieder Nietnagel und nicht mehr wie im vorigen 2. Teil Notnagel heißt. Auch spielt nun Uschi Glas wieder Pepes Schwester Marion und Hannelore Elsner rückt wieder in ihre ursprüngliche Rolle der Geneviève Ponelle. Sogar bei der Personalersetzung wurde dieses Mal deutlich besser gearbeitet als im vorherigen Teil. War der Wechsel von Georg Thomalla zu Willy Millowitsch als Pepes Vater noch mit einem horrenden optischen Unterschied verbunden, fällt der Unterschied von Millowitsch zu Gustav Knuth weit weniger auf. Auch der Wechsel von Balduin Baas zu Harald Juhnke als Chemielehrer Dr. Blaumeier fällt - in diesem Fall allerdings wegen der geringen Screentime - kaum auf.

      

Dennoch bleibt das Drehbuch grundsätzlich doch wieder an Altbewährtem hängen. Kommt doch auch hier mit Dr. Glücklich nach dem von Günther Schramm gespielten Dr. Kersten im ersten Teil, und dem von Peter Alexander verkörperten Dr. Roland im zweiten Teil, erneut ein netter junger Lehrer an das Mommsen-Gymnasium, der sich mit der aufmüpfigen Klasse gut versteht. Auch wurde als Nebenhandlung wieder eine Liebesaffäre eingebaut, diesmal zwischen Uschi Glas und Gerhard Lippert. Von der Grundidee her hat die Story also nicht viel Neues zu bieten. Da hilft auch die Idee mit dem Spion, der recht bald gegen die Wand läuft, nicht viel. Gleiches gilt für den Humor, der zwar recht kurzweilig ist, aber nichts wirklich Neues mehr bieten hat.

Die Darsteller um Hansi Kraus und Theo Lingen, der auch hier wieder der heimliche Star ist, machen ihre Sache jedoch erneut wirklich ausgezeichnet und überzeugen mit Natürlichkeit und mit viel Charme und Sympathie. Hervorzuheben ist hierbei jedoch Rudolf Schündler als Oberstudienrat Dr. Knörz, der in dieser Folge eine weitaus größere Rolle erhält, als in den vorherigen Teilen. Schündler spielt den strengen, jedoch nervlich völlig fertigen „Knörzerich“ wirklich wunderbar und staubt in so mancher Szene einen Lacher ab. Am Ende dieses Teils heiratet er Studienrätin Dr. Pollhagen, die sich auf der gemeinsamen Studienreise näher gekommen sind.

      

So ist dieser 3. Teil in jedem Fall eine deutliche Verbesserung zum Vorgänger, und erreicht durchaus die Qualität des 1. Teils. Doch wirklich überzeugend ist auch er am Ende nicht. Man merkt Drehbuchautor und Produzent Franz Seitz an, dass ihm hier beim dritten Lümmel-Film innerhalb von nur einem Jahr wohl langsam die Ideen ausgingen und er sich deshalb in Wiederholungen verstrickt. So wäre vielleicht nicht nur ein Regiewechsel (der sich definitiv positiv auswirkte), sondern sehr wahrscheinlich auch ein Wechsel des Drehbuchautors der Filmreihe zuträglicher gewesen.



4. Teil: Hurra, die Schule brennt

Komödie / 97 min. / Erstveröffentlichung: 18. Dezember 1969

Regie: Werner Jacobs

Buch:

  • Franz Seitz (unter dem Pseudonym "Georg Laforet")
  • Werner Jacobs

Darsteller:

  • Hansi Kraus (Pepe Nietnagel)
  • Theo Lingen (Oberstudiendirektor Dr. Gottlieb Taft)
  • Peter Alexander (Dr. Peter Bach)
  • Heintje (Jan)
  • Wolfgang Gruner (Kurt Nietnagel, Pepe´s Vater)
  • Carola Höhn (Frau Nietnagel, Pepe´s Mutter)
  • Werner Finck (Ministerialrat von Schnorr)
  • Rudolf Schündler (Oberstudienrat Dr. Arthur Knörz)
  • Alexander Golling (Oberstudienrat Dr. Blaumeier)
  • Ruth Stephan (Studienrätin Dr. Knörz, geb. Pollhagen)
  • Gerlinde Locker (Musiklehrerin Julia Schumann)
  • Hans Terofal (Schulpedell Georg Bloch)
  • Harald Juhnke (Referendar)
  • Pierre Franckh (Schüler Körner)

Inhalt:

Der exzellente Pädagoge Dr. Peter Bach unterrichtet - obwohl er in Deutsch und Naturwissenschaften je einen Doktortitel summa cum laude besitzt - lediglich die Grundschüler einer Zwergschule in Tuttelbach. Als dies im Ministerium bemerkt wird, entschließt man sich, ihn ans Mommsen-Gymnasium zu versetzen. Als Ministerialdirektor von Schnorr persönlich vorbeikommt, um Dr. Bach zu informieren, erzeugt er mit seiner achtlos in einen Papierkorb geworfenen Zigarre einen Brand, der die komplette Schule in Schutt und Asche versinken lässt.

       

Bach zieht mit seinem Neffen Jan nach Baden-Baden, um am Mommsen-Gymnasium die berüchtigte 12a zu unterrichten. Kaum angekommen, wird er Zeuge eines Streiches dieser Klasse an Frau Dr. Knörz, geb. Pollhagen: Ihr Häkelkleid wird mithilfe eines Ventilators und einer Angelschnur auf wesentlich weniger als Minirockgröße abgewickelt.

Während sich das gesamte Lehrerkollegium furchtbar über diesen Vorfall aufregt, ihr Gatte sogar Anzeige erstatten will, gewinnt Dr. Bach dem ganzen noch modische Aspekte ab und tituliert die Schule als „finsteren Laden“. Mit Oberstudienrat Blaumeier schafft er sich seinen ersten Feind, da er eine angeblich verloren gegangene und viel zu gut ausgefallene Lateinarbeit aus dem Papierkorb fischt und damit ein Nachschreiben unter verschärften Bedingungen verhindert. Bei den Schülern hingegen macht er sich beliebt, nachdem er mit ihnen seinen Einstand in einem Weinlokal feiert und sie zur Selbstbenotung ihrer Klassenarbeit auffordert.

       

Doch der zufällig vorbeikommende Studienrat Blaumeier beobachtet empört das Treiben im Weinlokal und meldet dies Direktor Taft. Mit Dr. Bachs Erklärung des Vorfalles als pädagogische Maßnahme gibt sich Taft zähneknirschend zufrieden. Doch als Dr. Bach der Klasse wegen Unlust einen kompletten Tag freigibt, um die Schüleraufführung des Wilhelm Tell zu proben, reicht es Rektor Taft endgültig. Er beruft eine Sonderkonferenz ein, um Dr. Bach zu suspendieren.

Doch er hat nicht mit der Pfiffigkeit der 12a gerechnet. Diese hat mithilfe eines Mikrophons das Lehrerzimmer ausspioniert und informiert Dr. Bach. Der rächt sich durch einen Auftritt als falscher Amtsarzt mit integrierter Hans-Moser-Parodie, wobei das ganze Lehrerkollegium infolge ihrer Obrigkeitshörigkeit lächerlich gemacht wird. Die drohende Suspendierung löst sich in Wohlgefallen auf, da Pepes Vater, der Briefmarkenhändler Nietnagel, bei der persönlichen Abgabe einer Spende Rektor Taft einen Bären aufbindet: Er erwähnt ein Gespräch mit dem Kultusminister über den angeblichen Sonderbeauftragten Dr. Bach, der von höchster Stelle die Anweisung habe, zur Verbesserung der Bildung an den Schulen mit unfähigen Lehrern kurzen Prozess zu machen.

       

Das Opfer des nächsten Streichs ist wieder einmal Dr. Knörz, der dabei zusehen muss, wie im Physikunterricht sein vermeintlicher VW Käfer als Studienobjekt zerlegt wird. Dr. Bach erntet von Rektor Taft, nach dessen Gespräch mit Pepe´s Vater, hingegen nur noch Lob und Anerkennung - sogar für die zu einer Mischung aus Musical und Western umfunktionierten Schulaufführung des Klassikers Wilhelm Tell - was für das konservative Lehrerkollegium ein ungeheurer Frevel ist. Perfekt wird das Glück schließlich, als es Dr. Bach´s Neffen Jan gelingt, ihn mit der jungen Musiklehrerin Julia Schumann zu verkuppeln.

Hintergrund:

War der vorherige Teil durch seine Rückbesinnung auf die Stärken des ersten Teils, und vor allem durch den Regiewechsel zu Harald Reinl ein Schritt in die richtige Richtung, ist der nunmehr 4. Teil der Filmreihe ein Rückschritt auf das Niveau des 2. Teils zu bezeichnen. Nicht nur die recht einfallslose und gemächliche Inszenierung des auf den Regiestuhl zurückgekehrten Werner Jacobs macht dem Film zu schaffen. Auch Peter Alexander, der hier wieder mit im Boot ist, und den Film über weite Strecken zu einer Mischung aus Heimatfilm und Schlagerrevue umfunktioniert.

       

Es ist natürlich nicht so, dass man die vorherigen Lümmel-Filme ernsthaft als Meilensteine der Filmgeschichte bezeichnen könnte. Doch in diesem Film hat man viel wertvolles Potential verschenkt. Bekäme man in den ersten vier Minuten nicht ein paar wenige Streiche von Oberlümmel Hansi Kraus zu sehen - man würde in den darauf folgenden 18 Minuten kaum auf die Idee kommen, dass man sich hier einen Lümmel-Film ansieht - bekommt man hier doch einen Heimatfilm um den singenden Grundschullehrer Dr. Peter Bach und seinen Neffen Jan (Heintje) geboten.

Doch auch nachdem der von Peter Alexander dargestellte Dr. Bach - der im Übrigen nichts mit dem von Alexander im 2. Teil gespielten Dr. Roland zu tun hat - an das Mommsen-Gymnasium kommt, gibt es eigentlich nichts Neues. Der moderne neue Lehrer kommt den Schülern wie gewohnt freundschaftlich und ist schon bald dem altmodischen Lehrerkollegium ein Dorn im Auge. Also nichts, was man nicht schon bereits mit Dr. Kersten (Günther Schramm) im 1. Teil, Dr. Roland (Peter Alexander) in Teil 2, oder mit Dr. Glücklich (Hans Clarin) im 3. Teil schon so oder so ähnlich gesehen hätte. Auch Alexander´s parodistischen Rachefeldzug gegen das Lehrerkollegium, hier in Gestalt des falschen Amtsarztes Moser, hat man im 2. Teil in ähnlicher Art und Weise schon gesehen.

       

Was diesen 4. Teil dann allerdings doch von seinen Vorgängern unterscheidet, ist die noch extremere Fixierung auf Peter Alexander als bei seinem Auftritt im 2. Teil der Reihe. Denn auch wenn das Mommsen-Gymnasium als Schauplatz dient, ändert das nichts an der Tatsache, dass es im Prinzip nur um ihn geht. Im größten Teil der Handlung gibt er den sympathischen Sunnyboy, der nebenbei von seinem Neffen mit der jungen Musiklehrerin Julia Schumann verkuppelt werden soll, da sich dieser eine Familie wünscht. Dazwischen werden massenhaft Liedchen geträllert, von Peter Alexander und von Heintje - wahlweise allein oder im Duett.

Dass dieser Gesang zu jener Zeit beim Publikum sehr gut ankam, steht sicherlich außer Frage. Es ist aber auch eine Tatsache, dass sich Musikgeschmäcker mit der Zeit verändern, weshalb hier nicht die Qualität der Gesangseinlagen bewertet werden soll. Was viel mehr stört, ist die Tatsache, dass sie einen Großteil des Films ausmachen, weshalb zum einen der Erzählfluss jedes Mal unterbrochen wird, und zum anderen daneben zu wenig Platz für die humoristische Komponente um die Schülerstreiche bleibt. Denn der Film behandelt alles, was den Reiz der Lümmel-Filme eigentlich ausmacht, recht stiefmütterlich.

Sicherlich hat der Film seine Momente, bedient aber vor allem eingefleischte Fans des deutschen Schlagers, gepaart mit Alexander´s typischem Schmäh, und Heintje´s Herz-Schmerz-Feeling - mal komisch, mal rührselig. Dem entsprechend ist auch die Handlung episodenhaft ausgestaltet. Das letzte Drittel dieses Streifens wirkt mit der Schulaufführung des Wilhelm Tell fast wie ein ganz anderer Film. Die Fliegerszene zum Schluss ist reiner Klaumauk, und wurde schon 1939 in The Flying Deuces von Laurel & Hardy besser umgesetzt.

       

Die spürbare Spielfreude der Darsteller um Hansi Kraus und Theo Lingen rettet auch diesen Film vor dem Untergang. Wobei man einschränkend sagen muss, dass sie aufgrund der Dominanz des Stars kaum eine wirklich bemerkenswerte Szene haben.



5. Teil: Wir hau´n die Pauker in die Pfanne

Komödie / 85 min. / Erstveröffentlichung: 08. Juli 1970

Regie: Harald Reinl

Buch: Franz Seitz (unter dem Pseudonym "Georg Laforet")

Darsteller:

  • Hansi Kraus (Pepe Nietnagel)
  • Theo Lingen (Oberstudiendirektor Dr. Gottlieb Taft / Gotthold Emanuel Taft)
  • Uschi Glas (Marion Nietnagel, Pepe´s Schwester)
  • Rudolf Schündler (Oberstudienrat Dr. Arthur Knörz)
  • Ruth Stephan (Studienrätin Dr. Knörz, geb. Pollhagen)
  • Balduin Baas (Oberstudienrat Dr. Blaumeier)
  • Hans Terofal (Schulpedell Georg Bloch)
  • Fritz Wepper (Hubert Böhm)
  • Karl Schönböck (Notar Munk)
  • Doris Kiesow (Frau Taft)
  • Monika Dahlberg (Fräulein Schmitz, Taft´s Sekretärin)

Inhalt:

Streichkönig Pepe Nietnagel lernt Gotthold Emanuel Taft kennen, den Zwillingsbruder von Oberstudiendirektor Dr. Taft, der vor Jahren nach Afrika ausgewandert und dort ein reicher Mann geworden ist. Gotthold möchte seinen spießigen Bruder gerne einmal aufs Korn nehmen. Gemeinsam hecken sie einen Plan aus: In einem gefälschten Schreiben wird Rektor Taft von einem Notar mitgeteilt, dass sein Bruder gestorben sei, und der Oberstudiendirektor, sowie seine Schule, das Mommsen-Gymnasium, eine große Geldsumme erhalten. Jedoch ist die Erbschaft an verschiedene Bedingungen geknüpft.

       

Rektor Taft muss ein afrikanisches Pflegekind aufnehmen, das sich als ein Schimpanse entpuppt. Außerdem muss er eine Straftat begehen, was dem gesetzestreuen Schulleiter mehr als schwer fällt. Eine weitere Bedingung ist, dass kein Schüler am Mommsen-Gymnasium sitzen bleiben darf. Bei dem Versuch, die Klauseln zu erfüllen, kommt es zu allerhand Schwierigkeiten und Verwicklungen, an denen natürlich auch Pepe und seine Klassenkameraden nicht unbeteiligt sind. Dr. Taft versucht sich als Kaufhausdieb, Schwarzfischer und betrunkener Autofahrer, muss allerdings zu seinem Leidwesen feststellen, dass die Polizei beim Direktor des örtlichen Gymnasiums gerne mal beide Augen zudrückt.

       

Mit Pepes Hilfe kommt er als vermeintlicher Duellant doch noch ins Gefängnis, während sein Zwillingsbruder sich in der Zwischenzeit als falscher Direktor der Lehranstalt amüsiert. Erst nach der Haftentlassung kommt es zum Zusammentreffen, bei dem der echte Dr. Taft von seinem Bruder mit einer großzügigen Spende für das Mommsen-Gymnasium und eine neue Schwimmhalle für die erlittenen Aufregungen entschädigt wird.

Hintergrund:

Beim nunmehr fünften Teil hat es die Reihe geschafft, sich auf das Niveau des albernen Slapsticks einzupendeln. Allerdings kann die gute Darstellung von Theo Lingen, dem hier wieder deutlich mehr Leinwandzeit als im vorigen Teil gewährt wird, das Werk dann doch noch aus dem Gröbsten herausreißen.

       

Im Grundsatz ist es ja schon einmal positiv, dass man sich für den fünften Teil der Filmreihe nun endlich eine neue Grundgeschichte überlegt hat. Es kommt diesmal also kein neuer Lehrer an das Mommsen-Gymnasium. Stattdessen widmet sich der Film des nach der Inszenierung von Teil 3 hier wieder auf den Regiestuhl zurückgekehrten Harald Reinl einem anderen Lieblingsthema des deutschen Kinos der 1970er Jahre: dem Zwillingspaar - Stoff für etliche Verwechslungskomödien. Jedoch wird das Thema hier nur als Ausgangspunkt für die Handlung verwendet.

Doch wie dem auch sei - den Fokus des Films auf den einmaligen Theo Lingen in seiner Paraderolle als Oberstudiendirektor Dr. Gottlieb Taft zu legen, der im vorherigen 4. Teil kaum die Möglichkeit hatte, sein Talent unter Beweis zu stellen, ist der große Pluspunkt des Films. Der Mann mit der unvergleichlich näselnden Stimme zieht hier wieder einmal alle Register seines Könnens. Doch so sehr Lingen hier wieder einmal überzeugt, so sehr versagt leider der Rest des Films.

       

So beinhaltet der Film wieder einmal eine belanglose Liebesgeschichte um Pepes Schwester Marion, die hier erneut von Uschi Glas verkörpert wird. Was mit ihrem Verlobten Heinz Thomas (Gerhart Lippert) aus dem 3. Teil passiert ist, der damals Anlass für die Nebenhandlung um Pepe´s Schwester war, wird konsequent verschwiegen. Ebenso konsequent bekommt auch diese Liebesgeschichte mit Derrick-Assistent Fritz Wepper als Journalist Hubert Böhm kaum genügend Raum, und nur losen Bezug zur restlichen Handlung eingeräumt, weshalb auch diese für den eigentlichen Handlungsfaden ein erheblicher Störfaktor ist.

Dazu kommen noch furchtbar dümmliche Albernheiten wie die Story mit dem Schimpansen - welche nun wirklich nichts mehr mit einem halbwegs vernünftigen Plot zu tun hat - und huldigt damit dem ziemlich platten deutschen Filmhumor der frühen 1970er Jahre, der den Film allerdings auf das Niveau einer billigen Klamotte herunter zieht - das ganze gewürzt mit den völlig überdrehten Aktionen des Hausmeisters. Bei alledem ist es natürlich kein Wunder, dass auch hier relativ wenig Platz für das eigentliche Kernelement der Reihe war - nämlich die Schülerstreiche um den erneut von Hansi Kraus gespielten Pepe. Ansonsten weiß die Inszenierung von Harald Reinl jedoch auch in seinem zweiten Lümmel-Film zu gefallen und überzeugt mit viel Tempo und wenigen Längen.

       

Letztlich ist der 5. Teil in jedem Fall wieder eine deutliche Verbesserung zu seinem Vorgänger. Dennoch ist das Werk von Harald Reinl weit davon entfernt, ein guter Film zu sein. Denn einzig die temporeiche Inszenierung und allem voran der einmal mehr erstklassige Theo Lingen retten das Werk vor dem Untergang.



6. Teil: Morgen fällt die Schule aus

Komödie / 85 min. / Erstveröffentlichung: 27. Mai 1971

Regie: Werner Jacobs

Buch: Franz Seitz (unter dem Pseudonym "Georg Laforet")

Darsteller:

  • Hansi Kraus (Pepe Nietnagel)
  • Theo Lingen (Oberstudiendirektor Dr. Gottlieb Taft)
  • Fritz Tillmann (Kurt Nietnagel, Pepe´s Vater)
  • Carola Höhn (Frau Nietnagel, Pepe´s Mutter)
  • Heintje (Pit van Dongen)
  • Charlotte Witthauer (Agathe Taft)
  • Rudolf Schündler (Oberstudienrat Dr. Arthur Knörz)
  • Eva-Maria Meineke (Studienrätin Dr. Knörz, geb. Pollhagen)
  • Balduin Baas (Oberstudienrat. Dr. Blaumeier)
  • Ralf Wolter (Studienrat Dr. Geis)
  • Hans Terofal (Schulpedell Georg Bloch)
  • Heinz Reinke (Herr van Dongen)
  • Franz Muxeneder (Wachtmeister Wacker)
  • Evelyn Opela (Fräulein Dr. Lang)
  • Monika Dahlberg (Fräulein Schmitz, Taft´s Sekretärin)

Inhalt:

Pepe hat sich gegenüber seiner Klasse verpflichtet, jede Woche einen neuen „Scherz der Woche“ abzuliefern. Dies bedeutet natürlich jede Menge Vorbereitungsarbeit für ihn. Pepes Vater wird in Amsterdam zwischenzeitlich eine wertvolle Briefmarkensammlung aus dem Auto gestohlen. Doch der junge Straßenmusikant Pit van Dongen stellt den Dieb und bringt Kurt Nietnagel die Sammlung zurück. Zum Dank lädt dieser den jungen Niederländer zu sich nach Baden-Baden ein, wo Pit während seines Aufenthaltes die Klasse 8b des Mommsen-Gymnasiums besucht. Nicht zuletzt auch mit dem Hintergedanken, dass sich Pepe an der Aufrichtigkeit des Jungen ein Beispiel nehmen soll.

       

Da hat sich Papa Nietnagel aber gründlich getäuscht. Genau wie Pepe trachtet auch Pit danach, den Lehrkörper zu ärgern, und ist Pepe bei der Vorbereitung und Ausübung seiner Streiche eine große Hilfe. Doch einer der Streiche, den die beiden zur Vermeidung eines Rektoratsarrests der 13a ausgeheckt haben, funktioniert etwas zu gut: Die Wohnung von Studiendirektor Dr. Taft wird dabei völlig unter Wasser gesetzt, und ein teurer Wasserschaden entsteht.

Ein präparierter Fernseher, den die Klasse Studienrat Knörz zum 60. Geburtstag schenkt, explodiert in dessen Wohnung. Um den ganzen Schaden zu bezahlen, sammeln sie bei ihren Mitschülern Geld ein. Als Gegenleistung für diese „Spende“ soll nun allerdings für einen Tag die Schule ausfallen.

       

Dazu nutzt Pepe einen Sonntagsausflug des Lehrerkollegiums. Da der Busfahrer wegen der schlechten Behandlung seiner kleinen Tochter durch Dr. Blaumeier sowieso nicht gut auf die Lehrerschaft zu sprechen ist, fällt es Pepe leicht, ihn für seinen Plan zu gewinnen. Pepe verkleidet sich als Frau des Busfahrers und sorgt dafür, dass die Lehrer ziemlich angetrunken die Heimfahrt antreten, indem er ihnen Schnaps in ihre Getränke panscht.

Mit einer vorgetäuschten Panne setzt der Busfahrer die Pauker in dunkler Nacht mitten im Wald ab, und fährt davon, um einen Ersatzbus zu holen. Seine Rückkehr bleibt jedoch aus. So suchen die verzweifelten Lehrer eine Übernachtungsmöglichkeit und landen - wie geplant - in der Jagdhütte von Pepe´s Vater. Mit dem Hinweis auf einen Einbruch schickt Pepe die Polizei zur Jagdhütte.

       

Letztlich wird das gesamte Kollegium, bei dem auch ein Flohzirkus zum Einsatz kommt, wegen Einbruch und Diebstahl in Haft genommen, und muss eine Nacht in Polizeigewahrsam verbringen. In der „grünen Minna“ werden die Pauker am nächsten Morgen in der Schule unter dem Gelächter der Schüler, und zur Schande von Direktor Taft, vorgefahren. Gleichzeitig bringen die Väter von Pepe und Pit - letzterer ein Landbeurlaubter Seefahrer, der sich als Mitarbeiter der UNESCO ausgibt - den Direktor zusätzlich in arge Verlegenheit…

Hintergrund:

Regisseur Werner Jacobs und der damals gut vermarktete Kinderstar Heintje verband offenbar sehr viel. In fünf der sechs Filmauftritte des Schlagerkindes zeichnete Jacobs für die Inszenierung verantwortlich. Von daher ist es nur wenig überraschend, dass Jacobs Heintje hier zum dritten Mal für einen Lümmel-Film unter seiner Leitung mit ins Boot nahm - jedes Mal selbstredend in einer anderen Rolle.

       

Nachdem Heintje bereits unter der Spielleitung von Werner Jacobs in den beiden unterdurchschnittlichen Lümmel-Filmen neben Peter Alexander (Teil 2 und 4) zu sehen war, stand die Befürchtung im Raum, dass sich die dritte Zusammenarbeit der beiden negativ auf die Qualität des Film auswirken könnte. Doch in diesem Film wirkt der mittlerweile deutlich gewachsene Heintje nicht wie ein Fremdkörper, sondern fügt sich sehr gut in die Handlung ein - selbst die obligatorischen Lieder wirken diesmal nicht völlig sinnlos aufgesetzt.

Nicht nur in Bezug auf Heintje wurde das Drehbuch von Produzent Franz Seitz im Vergleich zu den anderen Teilen verbessert - auch insgesamt wirkt die Geschichte weitaus runder als in den vorherigen fünf Filmen. So liegt die Konzentration des Drehbuchs hier wieder auf dem von Hansi Kraus gespielten Pepe Nietnagel und seinen Streichen gegen die ungerechte Obrigkeit. Dazu gibt es nur recht wenig an belanglosem Subplot, und es tut dem Film wirklich gut, dass auf überflüssige Nebenhandlungen verzichtet wird.

       

Dennoch, ein Gagfeuerwerk bleibt aus. Die Streiche sind nur selten noch kreativ und lustig - und wirken zum Teil einfach nur strohdoof. Die Idee des Hauptstreichs, um einen Tag schulfrei, ist eigentlich ganz gut, wird jedoch extrem lang und einfältig vorbereitet und ausgeführt, was das Ganze dann doch eher etwas albern erscheinen lässt.

Die Darsteller um Theo Lingen und Hansi Kraus machen ihre Sache gewohnt gut. Einzig Eva Maria Meineke - die direkt zuvor mit Regisseur Werner Jacobs den gleich gearteten Pauker-Film Zwanzig Mädchen und die Pauker drehte - fällt ein wenig negativ auf. Meineke erreicht in ihrer Rolle der Lehrerin Dr. Knörz (geborene Pollhagen) bei weitem nicht das Niveau von Ruth Stephan, welche diese Rolle, mit Ausnahme von Teil 2 bisher verkörperte.

       

Die Inszenierung von Regisseur Werner Jacobs fällt zu Beginn durch eine für ihn überraschend rasante Gangart auf, die an die Herangehensweise von Harald Reinl, der den 3. und 5. Teil in Szene setzte, erinnert. Davon abgesehen, dass man sich diese bereits in seinen vorherigen Werken gewünscht hätte, ist es leider doch so, dass er diese Linie nicht konsequent bis zum Ende durchhält. Denn ab der Mitte fällt Jacobs dann leider doch wieder auf seine gemächliche Erzählweise zurück.

Dennoch gehört dieser 6. Teil in jedem Fall mit zu den besten Filmen der Lümmel-Reihe. Der Film von Werner Jacobs hat durchaus seine Momente, und es ist allerhand „los“. Allerdings gingen dem Drehbuch von Franz Seitz offenbar ebenso die guten Einfälle aus, wie Regisseur Jacobs seine Inszenierung in der zweiten Hälfte einschlafen ließ.


7. Teil: Betragen ungenügend

Komödie / 95 min. / Erstveröffentlichung: 06. Juli 1972

Regie: Franz Josef Gottlieb

Buch:

  • Franz Seitz (unter dem Pseudonym "Georg Laforet")
  • Franz Josef Gottlieb

Darsteller:

  • Hansi Kraus (Pepe Nietnagel)
  • Theo Lingen (Oberstudiendirektor Dr. Gottlieb Taft)
  • Charlotte Witthauer (Agathe Taft)
  • Rudolf Schündler (Oberstudienrat Dr. Arthur Knörz)
  • Balduin Baas (Oberstudienrat. Dr. Blaumeier)
  • Ernst H. Hilbich (Oberstudienrat Dr. Heidemann)
  • Ilja Richter (Taft als Schüler)
  • Hans Korte (Prof. Heinzerling)
  • Ernst Stankovski (Dr. Kersten, Taft´s Schwiegersohn)
  • Evelyn Opela (Taft´s Tochter Helena)
  • Brigitte Künneth (Taft´s Enkeltochter Lydia)
  • Hans Terofal (Schulpedell Georg Bloch)
  • Renate Roland (Denise Moreaux)
  • Monika Dahlberg (Fräulein Weidt, Taft´s Sekretärin)

Inhalt:

Oberstudiendirektor Dr. Gottlieb Taft drückt neuerdings bei Schülerstreichen, deren Opfer meist die Lehrer Dr. Knörz und Dr. Blaumeier sind, immer wieder ein Auge zu. Eine Rückblende zeigt die Erinnerungen des Schulleiters an die Flegeleien seiner eigenen Schulzeit. Taft beginnt aufgrund seiner eigenen Vergangenheit die Streiche seiner Schüler, namentlich der 13a um Pepe Nietnagel, zu relativieren, und sieht über vieles hinweg.

       

Das passt natürlich den beiden Doktoren Knörz und Blaumeier überhaupt nicht. Die beiden haben sich in den Kopf gesetzt, die Schüler der 13a reihenweise durchs Abitur rasseln zu lassen. Deshalb schmieden sie eine Intrige auch gegen Rektor Taft, der wegen der üblen Schülerstreiche nichts unternehmen will.

Sie deuten seine Milde gegenüber den Schülern als Alterstorheit und informieren das Kultusministerium. Beide spekulieren nämlich obendrein auf seinen Direktorenstuhl. Daraufhin wird Dr. Taft vom Kultusministerium durch einen blauen Brief mit Ablauf des Schuljahres in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. Pepe Nietnagel deckt die Intrige seitens Knörz und Blaumeier auf und unterbreitet sie Dr. Taft. Dieser meldet sich daraufhin krank und unterstützt die 13a sogar bei ihren Aktionen, um es den beiden Denunzianten heimzuzahlen.

       

Nachdem der nunmehr stellvertretende Schulleiter Dr. Knörz die Schüler als „Tiere“ und „Schweine“ bezeichnet, kommt es zum Höhepunkt der Missetaten, um dieser Beleidigung Beweis zu führen. Über Nacht wird eine ganze Menagerie landwirtschaftlicher Nutztiere in die Klassenräume des Mommsen-Gymnasiums eingeschleust. Ausgerechnet am folgenden Morgen inspizieren zwei Herren vom Kultusministerium die Schule, die statt Schülern nur Schweine, Rinder, Schafe, Esel, Gänse etc. in den Klassenzimmern vorfinden.

       

Dies lässt die beiden erbosten Amtsherren erkennen, dass Dr. Knörz als Nachfolger des alten Direktors seiner Aufgabe in keiner Weise gewachsen ist. Sie bitten Dr. Taft, seinen Posten wieder anzutreten. Dieser aber genießt nunmehr sein Leben mit seiner Enkeltochter als Großvater und weigert sich, seinen Dienst nochmals aufzunehmen. Erst bei seiner Verabschiedung anlässlich eines Brahms-Konzerts, das die Schüler durch Skandieren der Worte „Wir wollen unsern alten, netten Direx wieder haben“ sabotieren, entschließt sich Taft zu bleiben.

       

Hintergrund:

Im Gegensatz zu einigen Vorgängern kann sich der siebte und letzte Teil um die Streiche des abermals von Hansi Kraus verkörperten Pepe Nietnagel durchaus zugute halten, dass er mit zu den besten der Lümmel-Reihe gehört. Doch zu mehr als bloßem Mittelmaß reicht es für den Film von Franz-Josef Gottlieb am Ende dann leider doch nicht.

       

Komödien, die im Schulmilieu spielen, gab und gibt es immer wieder, besonders in der deutschen Filmlandschaft. Zu den bekanntesten zählen hierbei ganz sicher die Heinz-Rühmann-Komödien So ein Flegel (1934) und Die Feuerzangenbowle (1944). Erfunden hat der Münchner Produzent Franz Seitz das Genre der so genannten Pauker-Filme also nicht. Dennoch hat er mit dem unglaublichen Erfolg des 1. Teils eine bis dato nie da gewesene Welle ausgelöst, in der innerhalb von nur acht Jahren über 20 gleichartige Filme in die Lichtspielhäuser der Bundesrepublik gebracht wurden.     

Doch wie es bei Trends nun einmal ist, zerschlagen sie sich auch recht schnell wieder. Der 1971 erschienene 6. Teil der Reihe fand - wie viele andere Pauker-Filme auch - längst nicht mehr den Anklang beim Publikum wie die vorherigen Produktionen. Doch im Gegensatz zu den meisten anderen Studios, die sich auf andere Genres verlagerten, wollte es Seitz noch einmal wissen und brachte mit diesem 7. Teil erneut einen Lümmel-Film in die Kinos.

       

Und wie bereits in den vorherigen sechs Filmen ließ es sich Seitz nicht nehmen, das Drehbuch unter seinem Pseudonym Georg Laforet selbst zu verfassen. Und auch hier legte er, wie man es kennt, auf Kontinuität innerhalb der Reihe nicht sonderlich viel Wert. So ist Oberstudiendirektor Dr. Taft plötzlich kein pedantischer Spießbürger mehr, sondern ein ausgesprochen gütiger Schulleiter, der in seiner eigenen Schulzeit ebenfalls ein Lümmel war. Aber auch die Studienräte Blaumeier und Knörz haben eine enorme Charakterwandlung mit revolutionären Ambitionen erfahren, die insbesondere Dr. Knörz sehr schlecht zu Gesicht steht.       

Doch wenn man die Kontinuität einmal beiseite lässt, was man als Kenner der Lümmel-Filme ohnehin gewohnt ist, kann man das Drehbuch im Rahmen des Genres durchaus als gelungen bezeichnen. Natürlich ist die Handlung auch hier nicht weltbewegend, sondern lediglich Vorwand für ein paar Streiche - doch in diesem Fall funktioniert dies sogar erstaunlich gut. Denn zum einen wirkt das Ganze halbwegs plausibel und vor allen Dingen flüssig. Denn wie auch im vorherigen Teil, verzichtete man auch hier glücklicherweise weitgehend darauf, den Film mit unnötigen Nebenhandlungen zu überfrachten.

       

Hier ist alles ganz simpel gehalten. Doch diese Simplizität ist dann leider auch einer der Kritikpunkte des Films. War im 1. Teil noch (berechtigte) Kritik am Schulsystem zu erkennen - ist dieser 7. Teil schlicht und ergreifend auf die schnellen Lacher aus. Dies hätte zwar auch noch einen guten Film abgegeben, doch leider wollen die Gags, die Seitz dazu ins Drehbuch schrieb, zu einem großen Teil nicht wirklich zünden, wodurch das Ganze zwar recht kurzweilig, allerdings nie wirklich lustig wirkt. Dazu kommt eine nicht wirklich gelungene Regie.       

Für diesen letzten Streich waren sowohl Werner Jacobs, der vier Teile der Reihe in Szene setzte, als auch Harald Reinl, der sich für die Inszenierung der anderen beiden Teile verantwortlich zeigte, nicht verfügbar. So nahm nun der Österreicher Franz-Josef Gottlieb auf dem Regiestuhl Platz, der zuvor schon in zahlreichen anderen Pauker-Filmen wie Klassenkeile oder Das haut den stärksten Zwilling um Erfahrung in dem Genre sammeln konnte. Doch Gottlieb ist nun einmal kein Filmemacher, der für seine Kreativität bekannt ist - viel mehr dafür, dass er ein Drehbuch schnell und ohne Experimente umsetzt. Und genauso sieht dieser Film auch aus. Nichts wirkt in irgendeiner Weise originell. Alles wurde ziemlich einfallslos in weitgehend den immer gleichen Perspektiven abgefilmt.

       

Doch glücklicherweise ist da noch die wieder einmal erstklassig aufspielende Darstellerriege um Hansi Kraus, die mit viel Spielfreude den Film am Laufen hält. Kraus spielt seine, auch in diesem Film wieder größer ausgefallene Rolle des Pepe Nietnagel, einmal mehr perfekt. Auch der einzigartige Theo Lingen macht seine Sache als Direktor Taft wieder einmal hervorragend.

Ein besonderes Lob gebührt allerdings Ilja Richter, der in der recht lang ausfallenden Rückblende Theo Lingen´s jüngere Version spielt. Richter parodiert dabei wirklich erstklassig Lingens Gehabe und dessen Art zu sprechen. Diese Rückblende ist angelehnt an die Humoreske Besuch im Karzer von Ernst Eckstein, und erinnert durch Hans Korte´s gleichzeitige Immitation der sprachlichen Eigentümlichkeiten des damals von Erich Ponto dargestellten Prof. Crey an den Rühmann-Film Die Feuerzangenbowle.

       

Letztlich ist dieser 7. Teil in jedem Fall einer der besseren Filme der Reihe. Dies bedeutet natürlich nicht, dass das Werk von Franz-Josef Gottlieb objektiv betrachtet ein wirklich guter Film ist - denn dies ist er mit Sicherheit nicht. Denn wirklich spannend oder wenigstens furchtbar witzig ist das klamaukige Werk in keinem Moment. Dennoch ist der Film kurzweilig und sympathisch, was ihn zumindest ins Mittelmaß hebt.


Bildnachweis:

  • Britisch Film Institute
  • Kirch Media Group
  • Centre for Contemporary Arts
  • Rialto Film
  • nobis Film
  • Allianz Filmproduktion GmbH
  • Constantin Film
  • Terra Filmkunst GmbH
  • Planet Film GmbH







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