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Zwerghamster der Phodopus - Arten:

Dshungare, Campbell, Roborowski

Haltung- Ernährung -Sozialverhalten

Alle drei Zwerghamsterarten sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktive Nager, die zwar tagsüber mal kurz wach sind, dies ist jedoch keinesfalls die dauerhafte Hauptaktivitätszeit! 

Haltung

Zwerghamster können in Käfigen, Aquarien oder Terrarien gehalten werden, hierbei sollte eine Grundfläche von 80 x 35 cm oder vergleichbar für einen Einzelhamster oder ein Paar auf keinen Fall unterschritten werden, besser ist 100x40 cm oder auch größer. Die Höhe sollte 50-70 cm, je nach Einrichtung und Grundfläche, nicht überschreiten, Hamster klettern nicht gut, es sind Bodenbewohner und dementsprechend benötigen sie viel Grundfläche, aber weniger Höhe! Ausgeprägtes Klettern, vor allem an Gitterstäben, ist oft nur ein Ersatz für andere Beschäftigungen, Einrichtung und Behausung sollten dann überprüft und umgestaltet werden.

Käfig: es ist schwer geeignete Käfige im Handel zu finden. Wichtig ist eine hohe Bodenwanne um wenigstens 15 cm Einstreudicke zu ermöglichen, der Gitterabstand sollte 5-7,5 mm betragen, nicht mehr, sonst entkommen die Zwerghamster, vor allem Roborowskis, aber auch Campbells oder Dsungaren können sich "sehr flach" machen! Der Käfig sollte nicht höher sein als eine Seitenlänge, Höhe ist kein Ersatz für Grundfläche, auch nicht wenn Etagen verwendet werden. "Turmkäfige" sollten Baum und Busch bewohnenden Tieren vorbehalten bleiben.

Aquarium: sehr praktisch, weil Einstreu auch bei mehr als 15 cm Bodenschicht nicht "herausfällt" und der/die Hamster sich umfangreiche Gänge und Höhlen anlegen können.

Terrarium: ist geeignet, wenn 15 cm Bodenschicht möglich sind, also das untere Lüftungsblech in entsprechender Höhe angebracht ist, möglichst ein Kantenschutz (Glasstreifen z.B.) vor den Führungsschienen der Schiebescheiben angebracht ist und das obere Lüftungsblech breit und mit größerer Lochung, als für Reptilien üblich, ausgestattet ist. Wer sich ein Terrarium anfertigen läßt, sollte all diese Faktoren berücksichtigen, Reptilienterrarien lassen sich nicht immer mit ein paar Tricks tauglich umrüsten (z.B. Austausch des oberen Lüftungsbleches gegen Volierendraht, Ergänzung einer zusätzlichen Frontscheibe mit etwa 25 cm Höhe im Abstand vor der eigentlichen Front usw.).

Einrichtung:

Als Einstreu eignet sich handelsübliche, möglichst staubarme, Kleintierstreu am besten. Die Streudicke sollte wenigstens 15 cm, gern mehr, betragen, damit die Hamster Gangsysteme anlegen können. Auf die Streu sollte eine ordentliche Schicht Heu aufgebracht werden, die Tiere arbeiten sie in den Boden ein, nutzen sie als Deckung und Nistmaterial, ein geringer Teil wird gefressen. Sinnvoll ist eine Etage (z.B. Holzplatte mit Leisten drunter) auf die das Sandbad und der Trinknapf sowie Insektenfutter plaziert werden können. Als Treppe zur Etage eignet sich eine Korkplatte oder Korkröhre, auf diesem griffigen Material finden die Hamster guten Halt und nutzen es sehr gern. Weitere wichtige Einrichtungsbestandteile sind Korkhalbröhren, Tonhöhlen etc., die als Verstecke, Schlafplatz und oft Ausgangspunkt für Gänge in die Bodenschicht genutzt werden.

Ein Laufrad ist sinnvoll für jedes Hamsterbecken, zu empfehlen sind vor allem die Holzlaufräder von Rodipet, die Anschaffung ist zwar etwas kostspielig, aber ein solches Rad ist geräuschlos und leichtgängig, da kugelgelagert, es muß niemals geölt werden. Vor der ersten Nutzung sollte es mit für Kinderspielzeug geeignetem Lack (sogenannter Sabberlack) zweimal lasiert werden, dann läßt es sich später gut mit Spülmittel und Wasser abwaschen (nicht tauchen und auch nicht einweichen!). Ebenfalls gut sind die WodentWheels und RoboWheels von Rodipet, allerdings werden sie häufig als Toilette mißbraucht und sie müssen öfter mal geölt werden, ganz geräuschlos sind sie selten, es gibt sie in vielen Farben. Für Zwerghamster "reicht" ein Rad mit 20 cm Durchmesser, allerdings kommen sie auch mit größeren Rädern sehr gut zurecht. Meine Robos laufen hervorragend in Holzrädern mit 25 cm Durchmesser, die breitere Lauffläche erleichtert z.B. die gemeinsame Radnutzung bei Gruppen-/Paarhaltung. Die genannten Laufräder und z.B. gute Trinkflaschenhalter sowie weiteres Zubehör und Futter gibt es hier https://www.rodipet.de/

Sandbad: eine nicht zu hohe Schüssel von mind. 10 cm Durchmesser oder ein Bonbonglas (gibt es z.B. bei Ikea); geeigneter Sand ist Chinchillasand

Beispiele für jeweils einen Zwerghamster, Gruppen und Paarunterkünfte siehe jeweils Textende bei den einzelnen Arten:

Platzvergleich als Entscheidungshilfe, hier ein 80x40 cm Aqua (mit 20cm Holzlaufrad)

hier ein 80x50 cm Terra (mit 20cm Holzlaufrad)

und hier verschiedene 100x40 cm Aquas, (mit jeweils 25cm Holzlaufrad)

man sieht deutlich, daß im größeren Becken bessere Einrichtung möglich ist und der Hamster erheblich mehr Platz hat, von daher je größer (Grundfläche= Länge x Breite) desto besser, also 120x50, 150x60 usw. ....!

 

Ernährung

Die oben genannten Zwerghamsterarten leben in der Natur in kargen Gebieten wie Steppen und Halbwüsten, ihr Stoffwechsel- und Verdauungssytem hat sich darauf eingestellt. Ihre natürliche Nahrung besteht aus Saaten, Pflanzentrieben, Pflanzenwurzeln und Insekten, entsprechend muß auch die Ernährung in der Heimtierhaltung gestaltet werden. Die Verfütterung von Einfachzuckern (z.B. Obst, zuckerhaltiges Fertigfutter, handelsübliche Leckerlie) oder zu fetthaltigerm Futter zieht deshalb häufig gesundheitliche Probleme nach sich (z.B. Leberschäden, Diabetes, ...), die der Halter erst erkennt, wenn es bereits zu spät ist, Kleinnager zeigen ihr Unwohlsein erst, wenn es nicht mehr "zu überspielen" ist, schließlich sind sie Beutetiere und sichtbar kranke Tiere sind leichte Beute.

Als Grundfutter dient eine Mischung aus überwiegend Kleinsaaten, zu etwa 60% mehlhaltig (z.B. Kanariensaat/Glanz, Hirse, Buchweizen, Paddyreis, Weizen, Dinkel), zu 40% ölhaltig (z.B. Raps, Perilla, Negersaat, Leinsaat, Mariendistel, Kardi, Sonnenblumenkerne), sinnvoll ist es diesem Futter noch Knäulgrassamen und eine Wildsaatenmischung (sehr kleine Saaten, die man einzeln meist nicht gekauft bekommt) hinzuzufügen. Es sind vor allem die Wildsaaten, die der Nahrung in der Natur am nähesten kommen.

Es gibt nur wenige taugliche Fertigfutter für Zwerghamster im Handel, wer sich das Futter nicht aus Einzelsaaten selbst mischen möchte, kann auf ein Mix aus handelsüblichen Vogelfuttergrundmischungen zurückgreifen. Ausführliche Infos und gute Tipps hierzu hat Ralf Sistermann in seinem Futterkonzept auf Rodent-Info beschrieben, dessen Lektüre ich jedem Nagerhalter ans Herz legen möchte: Futterkonzept auf Rodent-Info . Körnerfutter muß kein tierisches Eiweiß enthalten, es ist besser Insekten zusätzlich zu verfüttern, siehe unten.

     

McMuffins Zwergenmenü (Eigenmix) - einfache Variante

McMuffins Zwergenmenü - Rezept: 200g Glanz/Kanariensaat, 50g Sechskornmix, 30g Buchweizen, 70g Hirse, 40g Sesam, 20g Mariendistelsaat, 40g Leinsaat, 20g Negersaat, 40g roter Raps/Rübsen, 200g Wildsaatenmix, 10g Löwenzahnkraut+Wurzel, 30g Kräuter- und Gemüsecocktail

 

Weil es für Halter weniger Zwerghamster kaum lohnt, viel zu mischen, ist das Zwergenmenü ein Kompromiß! Besser ist die Variante McMuffins Zwerg-Wildline, weil sie durch eine hohen Anteil von Kleinsaaten und Wildsaaten der natürlichen Nahrung näher kommt, allerdings sind einige Bestandteile nur in größeren Abpackungen erhältlich, weshalb ich selbst auf etwa 15 kg im Mischergebnis komme. Das Rezept ist auf 1,5 kg runtergerechnet. Das enthaltene Waldvogelfutter ist keine Standardvariante und auch nicht durch eine solche ersetzbar, will man andere Mixe verwenden, muß man die Mischung insgesamt anpassen! Mögliche Einkaufsquellen siehe Links.

McMuffins Zwerg-Wildline  

McMuffins Zwerg-Wildline - Rezept (ergibt 1,5 kg):

mehlhaltiger Anteil Einzelsaaten - 200g Glanz/Spitzsaat/Kanariensaat, 50g Hirse, 50g Sechskornmix (Bio-Laden)

fetthaltiger Anteil Einzelsaaten - 60g Sesam (Bio-Laden), 20g Mariendistelsaat, 20g Leinsaat

+ 100g Gemüse-Mix (getrocknet) + 500g  Wildsaat II + 500g Waldvogel III dünnschnäbelig

 

Ein in größeren Zoomärkten meist erhältliches, geeignetes Zwerghamsterfutter ist z.B. "Hoppel Mobbel Zwerghamster Menü" von Rosenlöcher:

hier eine Beispiel-Packungsansicht Stand Oktober 2010:

 

Ergänzungsfutter als kleines Extra ab und an, z.B. JR Farm Feldkräuter:

hier eine Beispiel-Packungsansicht Stand Oktober 2010:

Das Körnerfutter kann im Napf serviert werden, eine gute Beschäftigung für die Tiere ist aber auch es in der Einstreu zu verteilen, vor allem bei Hamstergruppen ist dies sinnvoll, damit alle Tiere ohne Konkurrenzdruck fressen können.

Als käufliches Frischfutter dient hauptsächlich Frischgrün wie Feldsalat, Rucola, Römersalatblätter oder Löwenzahn. Wild gewachsenes Wiesengrün, Löwenzahn, Vogelmiere, Wegerich, Haselnußblätter und Zweige usw. ist generell vorzuziehen, wenn man an unbelastete (Verunreinigungen durch Hunde, Straßenabgase etc.) Pflanzen herankommt. Durch regelmäßiges Verfüttern von gekeimtem Weizen und anderen Keimsaaten erhöht man auf sinnvolle Weise die Vitaminzufuhr. Wurzelgemüse wie Mohrrübe, Sellerie, rote Beete, Petersilienwurzel, Steckrübe, ergänzt durch Gurke und Zucchini kann ergänzend maßvoll verfüttert werden. Jegliches Obst ist aus den anfangs genannten Gründen tabu!

Für Zwerghamster sind Insekten ein wichtiger Futterbestandteil in der Natur und so ist es unerläßlich, ihnen dies auch in der Heimtierhaltung anzubieten. Mehlwürmer sind sehr fetthaltig und sollten deshalb nicht das einzige Insektenfutter sein, Heuschrecken z.B. werden sehr gern gefressen und haben mehr Eiweiß und weniger Fett. Wer diese Tiere nicht lebend anbieten mag, kann sie totfrosten und dann portionsweise auftauen und verfüttern.

Auf handelsübliche Leckerlie sollte verzichtet werden, stattdessen kann man z.B. maßvoll Kürbiskerne, selten Nußkerne anbieten. Eine gute Beschäftigung ist die Gabe ganzer Hirsekolben/Hirserispen. Man kann auch Papprollen mit solchen Leckerbissen und Heu füllen, die Enden jeweils gut "verstopfen", so müssen sich die Nager ihr Futter erarbeiten.

Heu ist Futterbestandteil und sollte immer zur Verfügung stehen, ergänzen kann man es mit Kräutern wie Löwenzahn, Luzerne, Wegerich usw.

Frisches Trinkwasser sollte immer zur Verfügung stehen, entweder in Trinknäpfen oder Trinkflaschen.

 

Sozialverhalten

Zwerghamster der Phodopus-Arten sind von Natur aus keine Einzelgänger! Durch falsche Zuchtauslese und immer wieder zu frühes Trennen der Babys von den Eltern, sind aber viele der heute erhältlichen Farbzwerge und auch Robos nicht mehr in Gruppen zu halten, sondern nur noch als Einzeltier. Häufig wird auch völlig falsch verstanden, was es heißt wenn ein Zwerg "sozial" ist, es bedeutet er lebt in der Natur mit Artgenossen, aber es bedeutet nicht, jeder versteht sich unter jeden Umständen mit jedem und man könne die Tiere vergesellschaften wie man wolle.

Dshungaren leben in der Natur vorübergehend oder dauerhaft als Paar (die Nachzuchten werden noch eine Zeit geduldet und ältere Würfe kümmern sich auch um jüngere Geschwister, dürfen jedoch nicht zu den noch unselbständigen Babys, sofern es welche gibt), Robos als lockere Familiengruppen oder Schlafgemeinschaften, Campbells in Familiengruppen, wobei die Reviere der Alpha-Männchen mehrere Weibchen-Reviere umfassen, anders ausgedrückt, es gibt ein klares Alphapaar, aber alle übrigen fortpflanzungsfähigen Weibchen außer dem Alpha-Mädel werden ebenfalls gedeckt, die Weibchen ziehen teils ihre Würfe gemeinsam in einem Nest groß. Sehr deutlich ist das Sozialverhalten von Wildfangnachzuchten dieser Hamster, niemals hätte ich einen unserer Campbells einzeln abgegeben, bei den wenigen Fällen wo ich eine Ausnahme gemacht habe, waren die Erfahrungen negativ, die Tiere waren in Folge verängstigt, schüchtern und sehr "durch den Wind".
Ich habe aber auch Robos wie Campbells aus Notfällen in Gruppen halten können (eingeschlechtlich), bei Dsungaren ging es als gleichgeschlechtliche Gruppe immer schief und sie mußten getrennt werden, als gemischtgeschlechtliches Paar kommt es auf den Partner an, nicht jeder versteht sich mit jedem, aber ein harmonisches Paar kann sich durchaus dauerhaft verstehen, was allerdings viel Nachwuchs zur Folge hat.

Die gleichgeschlechtliche Gruppenhaltung ist eine in der Natur nicht existente Variante, infolgedessen ist auch das Sozialverhalten darauf nicht ausgelegt. Es kann in gewisser Weise bei Robos und Campbells funktionieren, weil sie eben auch in der Natur in größeren Gruppen leben und diese Gruppen auch dauerhaft mehrere Tieren eines Geschlechts beinhalten. Gleichgeschlechtliche Gruppen von z.B. Campbells können einen Teil ihres natürlichen Sozialverhaltens nicht ausleben, allerdings finde ich diesen "Kompromiß" in dem Fall immer noch besser als Einzelhaltung. Das "Problem" von gemischtgeschlechtlicher Haltung, der Naturform und am besten funktionierenden Variante ist die Vermehrungsrate, angesichts der daraus häufig resultierenden Probleme (Halter mit den Jungtieren überfordert, mehr Hamster als Interessenten, kein Platz um Jungtiere, die nicht gleich Abnehmer finden, einige Zeit einzeln zu halten) sollte eigentlich die Entscheidung im Sinne der Tiere dann Verzicht bedeuten, da es in der menschlichen Natur liegt, diesen Verzicht nicht einzugehen, plädiere ich angesichts der jeweiligen Konsequenzen für die Tiere zu gleichgeschlechtlicher Haltung (Campbells und eventuell Robos) oder Einzelhaltung (Dshungaren). Wer also keine Zwerghamster züchten möchte (eine Zuchtentscheidung sollte schon aus naheliegenden Gründen wohl überlegt sein, siehe unten), kann Campbells und eventuell Robos als gleichgeschlechtliche Gruppe halten oder Dshungaren und Robos einzeln.

Wichtig ist bei Haltung mehrerer Zwerge in einem Becken in jedem Fall unübersichtliche Einrichtung und viele Versteckmöglichkeiten sowie immer zwei Wegen die zu einem Ziel, z.B. Etage, führen. Die Tiere müssen sich auch mal aus den Augen gehen können. Zudem muss man die Tiere gut beobachten, denn Konflikte haben soziale Zwerge zwar gelernt zu lösen, aber Gruppen (bei Campbells möglich) und Familien sind dynamisch, in der Natur kann ein Tier auch abwandern, die Zahl der Böcke pro Gruppe bleibt durch Abwanderung eh klein, die Gruppenstärke wird in der Natur niemals nur zunehmen, durch natürliche Ereignisse werden die Tiere ja auch dezimiert, all das ist im Becken nicht der Fall, daher muss der Halter eben auch Tiere aus der Gruppe nehmen, die Zahl der Böcke reduzieren, Jungtiere extra setzen etc. Konflikte die zwei Tiere offensichtlich auch mal nicht lösen können, die in der Natur zur Abwanderung/Vertreibung eines der Tiere führen würde, müssen erkannt werden und das Tier aus der Gruppe geholt werden. Man muss das Verhalten und die Sprache zwischen den Tieren richtig lesen können, um zwischen üblichen Meinungsverschiedenheiten und ernsthaftem Streit unterscheiden zu können. Es bedeutet sich in die Tiere hineinversetzen zu können, also dass was man sieht auch richtig zu interpretieren, nicht aus menschlicher Sicht, sondern mit den Augen der Hamster.

Übrigens lassen sich Campbells und andere Zwerge nicht einfach mit "fremden" Zwergen des gleichen Geschlechts vergesellschaften, mit einem anderen Geschlecht als Paar fast immer. Alphatiere von Familiengruppen werden nur einen neuen Partner leicht anerkennen, wenn der alte tot ist, sie werden sich auch nicht einfach in einer neuen Gruppe unterordnen, eher gar nicht.

Bestehende Gruppen von Campbells können schwer einfach anders vergesellschaftet werden oder andere Tiere hinzu, der Fall führt in der Natur zu ernsthaften Auseinandersetzungen und Tod einiger Tiere. Daher ist es auch nicht tiergerecht zu Zuchtzwecken die Tiere immer wieder zusammen und auseinander zu setzen, in der Natur besteht eine feste Familiengruppe und es bilden sich neue Gruppen aus jeweils einem Paar mit seinen späteren Nachzuchten.

Meine Zwerghamster leben/lebten alle in Familiengruppen (Campbells) bzw. paarweise (Roborowskis) oder dauerhaft/vorübergehend paarweise (Dshungaren), allerdings bringt solche Haltungsform, eben weil es die naturnahe ist, eine hohe Vermehrungsrate mit sich. Daheim reduzieren ja keine Fressfeinde die Gruppe, in der Natur müssen sich Hamster stark vermehren um als Art zu überleben.

Bei Dshungaren kommt es vor, daß ein eingedecktes Mädel ihren Bock vertreibt, in diesem Fall muß der Bock ausziehen, das Vertreiben verschärft sich mit der Zeit und er hat keine Chance zu entfliehen, steht also unter Dauerstress und wird ohne Eingreifen verletzt werden. Das gleiche Verhalten seitens des Mädels kann auch nach der Geburt des Wurfes vorkommen, sogar bei sonst sehr harmonischen Paaren, auch in diesem Fall muß der Bock umgehend ein eigenes Becken bekommen. Paare die sich sehr gut verstehen, ziehen ihre Würfe gemeinsam groß, allerdings bringt ein solches Paar auch relativ viele Würfe in Folge, man sollte also darauf vorbereitet sein, viele Nachzuchten vermitteln zu können oder selbst unterzubringen. Wer sich dem nicht gewachsen fühlt, sollte spätestens wenn ein zweiter Wurf dem ersten folgt und das Mädel wieder neu eingedeckt wird, das Paar trennen, sie können nach einer "Kunstpause" (die in der Natur bei Hamstern saisonal durch Witterung, Jahreszeit und Nahrungsangebot entsteht, bei der jedoch das Paar beisammen bleibt) wieder vergesellschaftet werden. Solche Paare, die sich sehr gut verstehen, leiden oftmals sichtlich unter der Trennung voneinander, sind weniger aktiv und eher desinteressiert am Geschehen oder gar hyperaktiv mit Gewichtsverlust, diese Probleme sind bei erneuter Zusammenführung meist sofort verschwunden. Es gibt allerdings auch Paare, die gar nicht nachziehen, aber in Harmonie miteinander leben, solche Tiere sollte man selbst bei Zuchtabsichten nicht trennen, auch für Hamster ist Partner nicht gleich Partner und ein harmonisches Paar wird sich gegenseitig vermissen.

Bei Roborowskis kann es in Abhängigkeit von der Beckengröße und je nach Hamster mit der anstehenden Geburt eines neuen Wurfes zur Vertreibung älterer Würfe kommen, in diesem Fall müssen die älteren Jungtiere unbedingt rausgenommen werden. Man kann die Jungtiere natürlich auch mit 6-8 Wochen generell extra setzen und nur das Elternpaar dauerhaft beisammen lassen.

ausführlicher Infotext zum Thema Gruppenhaltung von Zwerghamstern: Gruppenhaltung

 

Vor der Entscheidung zur Zucht sollte man an folgendes denken:

wieviele Becken kann ich aufstellen pro Tierart, immer damit rechnen, dass auch Nachzuchten erstmal eine Weile verbleiben bis sie abgegeben werden können. Das macht also mehr Arbeit und bedeutet mehr finanziellen Aufwand sowie Platz. Wer das nicht hat, steht unter dem ständigen Druck Jungtiere schnell "irgendwie" abgeben zu müssen, das kann auf keinen Fall im Sinne der Tiere sein und sorgt leider oft genug für Notfelle, mit denen sich dann Tierheime und private Vermittler befassen müssen!

Ein weiterer wichtiger Punkt sind Grundkenntnisse der Genetik und spezielle Kenntnise zu den Farbgenen der entsprechenden Zwerghamsterart.

Bei Dshungaren und Campbells ist die sichere optische Unterscheidung beider Arten unabdingbar, denn leider lassen sich beide Arten verpaaren, jedoch mit hohen gesundheitlichen Risiken für das Muttertier und die folgenden Generationen (die Chromosomensätze passen nicht genau zueinander). Solche Verpaarungen sollten jenen wenigen Züchtern mit tiefen Genetikwissen, sehr sehr viel Platz, vielen Zuchtpaaren, sicheren Zuchtlinien und viel Zeit vorbehalten bleiben!!! Es ist zwar möglich auf diese Weise neue Farben z.B. der Dshungaren zu erzielen, doch muß dies mit Bedacht erfolgen, die F1 und Folgegenerationen dürfen nicht abgegeben werden, die Tiere sind gesundheitlich genau zu beobachten und die Tiere zur weiteren Zucht mit hohem Verantwortungsbewußtsein zu selektieren, für viele weitere Generationen nur mit reinen Dshungaren zu verpaaren usw., damit nach vielen Generationen Dsungaren mit typischen Dshungarenmerkmalen, guter Gesundheit und neuer Farbe "herauskommen".

Campbells: Auch wenn das Aqua/Terra des Zuchtpaares groß ist und man erstmal die Jungtiere behalten möchte, irgendwann wird man Jungböcke rausnehmen müssen, weil sie sonst zu sehr unter Stress stehen. Wenn es zu viele Böcke werden, würden sie in der Natur abwandern, geht im Becken nicht, also muss der Mensch helfen. Sinnvoll ist damit schon mal ein Becken mit Jungs, die man vermitteln möchte oder behalten. Da alle Mädels im entsprechenden Alter vom Chefbock gedeckt werden, wird man auch bald eine Mädel-Gruppe gründen, weil man sich vor Hamsterbabys sonst nicht retten kann. Sind damit schon drei Becken, will man später weitere Jungtiere rausnehmen, können die nicht einfach in die Mädel oder Jungsgruppen, denn die Tiere kennen sich nicht, das gäbe ernsthafte Streitigkeiten mit Verletzungen oder schlimmer, also dann die nächste Gruppe= das nächste Becken. Wenn man die Tiere beim Rausholen nicht nach Geschlechtern trennt, hat man bald noch mehr Nachwuchs.

Wenn man ein Zuchtpaar trennt, dann mit den jeweiligen Jungtieren in Gruppe, man kann das Paar später wieder zusammenführen, aber nur 1:1, nicht als Gruppe, wenn sie stabil sein soll. Trennen und neu Vergesellschaften von Alphapaaren ist in der Natur nicht vorgesehen, dort sind stabile Strukturen, die nur durch Tod, Zuchtphasenende usw. eine Veränderung erfahren. Das sollte man niemals vergessen und entsprechend auch "feste" Gruppen oder Paare nachziehen lassen! Mehrere Würfe in Folge bzw. mit mehr oder weniger Pausen sind naturgemäß und der Stress neuer Vergesellchaftungen oder Gruppentrennungen ist für die Tiere folgenreicher.

Campbells sind hochsozial in Familiengruppen, doch muss man eben die Funktionsweise einer solchen beachten und darf nicht annehmen, die sind sozial = also verstehen sich alle in jeder Konstellation und unter jeden Umständen. Das Sozialverhalten wird zum Teil vererbt, aber auch erlernt, daher ist es wichtig Jungtiere mindestens 6 Wochen in der Gruppe zu lassen, wozu auch der Vater zählt.

Dshungaren: Jungtiere lassen sich noch in Gruppen halten, später paarweise gemischtgeschlechtlich oder einzeln, also pro verbliebenem Abgabehamster ein Becken.

Roborowski: Jungtiere können zunächst in der Gruppe bleiben (s.o.), man kann auch versuchen gleichgeschlechtliche Gruppen aus den Jungtieren einer Familie zu bilden, diese sind allerdings zu beobachten, ob die Harmonie von Dauer ist oder sich ernsthaftere Streitigkeiten abzeichnen und die Tiere fortan einzeln gehalten werden müssen.

 

Zwerghamsterpaare und -Gruppen sind immer gut zu beobachten (wie eigentlich jedes Heimtier) und bei sich abzeichnenden ernsthafteren Streitereien je nach Fall zu trennen bzw. Tiere einzeln zu setzen (also niemals mehr Gruppenmitglieder halten, als man auch notfalls einzeln unterbringen kann). Dies kommt nicht häufig vor, ist aber auch nicht auszuschließen! Mir ist bei dieser Vorgehensweise noch nie ein Hamster ernsthaft verletzt worden und auch ich sitze nicht 24 h vor den Becken, doch man kennt seine Tiere oder sollte es zumindest und bemerkt Verhaltensveränderungen bevor sie zu Eskalationen führen.