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Steppenlemming (Lagurus lagurus)

Steppenlemminge leben in den Steppengebieten  und Halbwüsten die sich von der West-Mongolei bis zur Ukraine erstrecken. Sie sind überwiegend tagaktiv und ernähren sich von Gräsern, Wurzeln, jungen Trieben und auch Moosen.  Sie legen unterirdische Höhlensysteme an, in denen sie leben und auch ihre Vorräte eintragen.

In der Heimtierhaltung sind sie interessante Beobachtungstiere, die sich tagsüber recht häufig blicken lassen, sie bewegen sich gern dicht unter der Oberfläche der Streu oder der Heuauflage fort. Steppenlemminge werden recht zahm, zumindest futterzahm, die meisten lassen sich anfassen - allerdings sind es keine echten Streicheltiere und für Kinder nur bedingt geeignet.

Steppenlemminge sind sozial, sie müssen mindestens zu zweien gehalten werden, dies kann ein echtes Paar sein, eine Familiengruppe oder notfalls (da nicht die natürliche Lebensform) auch gleichgeschlechtliche Tiere - allerdings sollten diese nie einen Geschlechtspartner gehabt haben und möglichst Wurfgeschwister oder Jungtiere aus einer Familie sein, eine Garantie, daß dies lebenslang gut geht ist es dennoch nicht, es kommt auf Haltung, Herkunft, Individuum an.

 

Haltung

Am besten eignen sich Aquarien oder auch Terrarien, wenn diese das untere Lüftungsblech in entsprechender Höhe haben, das unterste Mindestmaß ist ein 80er Becken für 2 Tiere, je größer das Becken, umso besser für die Tiere, und desto größer darf die Gruppe sein. Wer eine größere Familiengruppe pflegen möchte, sollte aber auch nicht sehr über ein 120er Becken hinausgehen, sonst besteht die Gefahr von Revierbildung und ernsthaften Auseinandersetzungen zwischen den Tieren, bei zwei Tieren besteht dieses Problem nicht.

Als Einstreu eignet sich übliche Kleintierstreu, wichtig ist eine Schicht von mindestens 15 cm Dicke, auf die noch eine ordentliche Schicht Heu aufgebracht wird. An Einrichtungsgegenständen eignen sich Höhlen aus Keramik und vor allem Korkröhren, Korkhalbröhren und dickere Äste (Lemminge klettern zwar ganz gern, aufgrund ihrer Anatomie und Lebensweise sind sie dafür nur bedingt ausgestattet). Sinnvoll ist auch eine Etage für den Trinknapf.

Aus dieser "Grundausstattung" gestalten sich die Tiere ihre Wohnlandschaft, die hauptsächlich in einem ausgedehnten Gangsystem mit mehreren Kammern und Höhlen besteht.

 

Ernährung

Die Steppenlemminge benötigen wie Wühlmäuse entsprechend ihrem natürlichen Nahrungsspektrum hauptsächlich Frischgrün (Wiesengrün, Löwenzahn, Feldsalat, Rucola, Chicoree, ...), dazu Wurzelgemüse  (Möhren, Pastinaken, Petersilienwurzeln, rote Beete, Sellerie....), Gurke und immer eine Mischung an Kleinsaaten. Die Kleinsaaten werden naturgemäß nur wenig gefressen, sie sind für die Tiere nicht die Hauptnahrung, wer selbst mischen möchte, kann z.B. meine Rezepte für Zwerghamsterfutter unter Zwerghamsterinfo verwenden. Insekten, z.B. Heuschrecken oder Mehlwürmer werden von vielen Steppenlemmingen abgelehnt, das ist normal, sie brauchen keine tierische Nahrung.

Moos wird angenommen, teils nur als Nistmaterial, ist aber nicht unbedingt notwendig. Obst in jeglicher Form und Menge ist absolut tabu. Der Anteil fetthaltiger Sämereien darf nicht zu hoch sein. Gutes Heu sollte mehrmals die Woche gegeben werden und ist Nahrungsbestandteil.

Von der Verfütterung handelsüblicher Nagerleckereien ist dringend abzuraten! Kürbiskerne oder Sonnenblumenkerne dürfen in geringer Menge verfüttert werden. Als "extra" kann man ab und zu z.B. das "Degu spezial", "Degu light" oder "Feldkräuter" von der Firma JR geben, es ist jedoch kein Grundfutter-Ersatz!

ausgewogener Kleinsaaten-Mix              

Beispielfoto aus einer Tüte Degu Spezial

 

Gesellschaft

Steppenlemminge müssen mindestens zu zweien gehalten werden, dies kann ein Paar sein oder auch gleichgeschlechtlich. Alle Tiere von uns sind in Familiengruppen aufgewachsen und wenigstens 6 Wochen oder noch mehr bei den Eltern und der Großfamilie gewesen, das ist wichtig, damit sie eine ausgeprägte Sozialkompetenz entwickeln können, dazu gehört auch Konflikte zu lösen, Rangordnungen auszufechten und zu akzeptieren. Allen sozialen Tieren die in der Natur in Gruppen leben ist gemein, dass ein Teil des Verhaltens angeboren ist, aber auch ein Teil erlernt wird von Eltern und Gruppenmitgliedern. Werden Tiere zu früh von der Gruppe getrennt oder wachsen nur mit der Mutter auf, dann ist ihre Möglichkeit zu lernen eben nur beschränkt und das kann später Folgen haben.

Die gleichgeschlechtliche Haltung ist möglich, wenn sich die Tiere von klein an kennen, also aus einer Familie stammen und niemals einen Geschlechtspartner hatten, allerdings ist es keinesfalls die naturnahe Haltungsform. Von der Vergesellschaftung adulter Steppenlemminge gleichen Geschlechts ist dringend abzuraten, die Tiere können sich töten, das ist ihr natürliches Verhalten, da sie keine fremden Tiere im Territorium dulden. Unter Umständen gelingt eine Vergesellschaftung adulter Einzeltiere mit Jungtieren gleichen Geschlechts, dies ist von den jeweiligen Tieren, deren Sozialpotential und dem Einfühlungsvermögen des Halters, sowie der Haltung selbst abhängig.

Wer züchten möchte, sollte mit einem Paar beginnen. Jede Familiengruppe besteht aus einem ein Alpha-Paar und ausschließlich seinen Jungtieren. Geschwister des Paares (wenn man mit einer Geschwistergruppe beginnt)wären insofern ein Konfliktpunkt, als sie im Rang nicht tief genug stehen, um Konflikte von vornherein auszuschließen, d.h. es wird zu ernsthaften Kämpfen kommen, Weibchen können sich gegenseitig die Jungtiere töten. Die verbreitete Angst der Halter vor Fortpflanzung innerhalb der Gruppe "wild und quer Beet" ist unnötig, in einer stabilen Gruppe die aus einem Paar und seinen Nachkommen entstanden ist, zieht nur das Alpha-Paar nach, kein anderes Tier, daher vertragen sich später auch Geschwister dieser Gruppe gleichgeschlechtlich als eigene Gruppe, denn sie hatten nie einen Geschlechtspartner, bei Tieren die schon mal verpaart waren geht das eben nicht mehr, Zuchtpaare lassen sich nicht mehr gleichgeschlechtlich vergesellschaften, aus gleichgeschlechtlichen Gruppen hingegen immer "Paare" zusammensetzen.

Trennen und neu Vergesellschaften von Alphapaaren ist in der Natur nicht vorgesehen, dort sind stabile Strukturen, die nur durch Tod, Zuchtphasenende usw. eine Veränderung erfahren. Das sollte man niemals vergessen und entsprechend auch "feste" Gruppen oder Paare nachziehen lassen! Mehrere Würfe in Folge bzw. mit mehr oder weniger Pausen sind naturgemäß und der Stress neuer Vergesellchaftungen oder Gruppentrennungen ist für die Tiere folgenreicher.

Zur Familie gehören alle geborenen Jungtiere, diese werden lange Zeit geduldet, doch wenn es zu viele Tiere werden, steigt der Stresspegel, und die Konflikte untereinander nehmen zu, es kann zu stressbedingter Schwächung rangniederer Tiere kommen, Würfe werden nicht mehr oder nur zu ein, zwei Jungtieren großgezogen. Das ist der Zeitpunkt, ab dem allerspätestens rangniedere Tiere in ein anderes Becken ziehen müssen. Auch wenn die Fortpflanzungsperiode eines Paares abgeschlossen ist, kann es dazu kommen, dass die eigenen Nachzuchten nicht mehr im Revier gewünscht werden bzw. die Konflikte zwischen den "Alttieren" und jüngeren, die sich nun statt der Eltern fortpflanzen möchten, zunehmen, in diesem Fall hilft nur Trennung. Die Alttiere müssen "allein als Paar" wohnen, und aus den Nachzuchten lassen sich weitere Paare oder gleichgeschlechtliche Gruppen zusammenstellen.

Einzelne adulte Tiere sollten mit einem Tier des anderen Geschlechts vergesellschaftet werden, was in der Regel problemlos in einer mit Streu und etwas Heu sowie Futter versehenen Transportbox in etwa Din A4 Maßen erfolgen kann.

    

 

 

Einrichtungsbeispiele Aquarien: