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Farbmäuse - Zuchtform/Farbvarietät der Hausmaus (Mus musculus)

Haltung - Ernährung - Gesellschaft

   

Die Wildform der Farbmaus ist die Hausmaus, ursprünglich aus Indien stammend, heute auf der ganzen Welt beheimatet. Die Haltung und Zucht von Hausmäusen blickt zwar auf eine teils 3000 Jahre alte Tradition zurück, die heute als Heimtier verbreiteten Farb- und Fellvarianten = Farbmäuse sind allerdings auch eine Folge der "Hausmaus-Karriere" als wichtigstes Versuchstier für medizinische und naturwissenschaftliche Zwecke. Einige Varietäten sind Spontanmutationen die bei Hobbyzüchtern zuerst dokumentiert wurden, z.B. dominant yellow (bei uns bekannt als dominant rot), tan, non agouti/self (Einfarbigkeit des einzelnen Haares ohne das "Ticking" der Wildform), dilution (Farbverdünnung, z.B. black dilution=blue), pink eyed dilution, choco; albino-Mäuse sind bereits in der Antike bekannt gewesen. In Laborzuchtstämmen sind Varietäten wie z.B. himalaya (betrifft alle siam-Varietäten), recessive yellow (bei uns bekannt als rezessiv rot), sombre/umbrous entstanden.

Zu den Begriffen Farbmaus, Showmaus, Rassemaus siehe Ausführungen am Seitenende (runterscrollen).

 

Haltung

Mäuseunterkunft

Farbmäuse sind die Zuchtform/Farbvarietät der Hausmaus, daher können sie genauso gut klettern, sind aber eigentlich Bodenbewohner. Mäuse leben normalerweise im Boden und auch die Nester/Wohnhöhlen und Gangsysteme werden im Boden angelegt, zur Nahrungssuche klettern Mäuse soweit notwendig. In der Heimtierhaltung sollte man ihnen also eine dicke Streuschicht zur Verfügung stellen und ausreichend Bodenfläche, alles was "nach oben" geht ist eine Ergänzung und wird gern zur Beschäftigung genutzt. Grundvoraussetzung ist also Fläche und nicht Höhe, Mäuse leben in der Natur schließlich weder auf Bäumen noch auf Büschen. Der Käfig/Nagerterra/Eigenbau für die dauerhafte Unterbringung sollte wenigstens 70x40 cm an Grundfläche für eine kleine Mäusegruppe haben, besser 80x50/100x40/120x60 oder vergleichbar, je größer desto besser! Der Gitterabstand darf nicht größer als 8 mm sein.

Leider bietet der Handel überwiegend zu kleine Behausungen an, große Käfige mit Gitterabstand unter 8mm sind eher selten, Käfige mit größerem Gitterabstand müßten mit z.B. Volierengitterdraht mäuseausbruchsicher nachgerüstet werden. Man kann natürlich auch selbst bauen, sollte dabei aber an pflegeleichte und naß abwaschbare Oberflächen sowie gute Belüftung denken.

Farbmäuse haben einen hohen Stoffwechsel, vertragen aber Feuchtigkeit nur schlecht, die Behausung muß also zwingend über eine gute Durchlüftung verfügen! Aquarien oder Reptilienterrarien sind daher ungeeignet. Ausnahme: sehr große Aquarien, die im Verhältnis zur Fläche eher flach sind und Terrarien deren unteres Lüftungsblech so hoch angebracht ist, daß es auch bei dicker Streuschicht nicht zugebuddelt wird, sowie deren oberes Lüftungsblech eine große Lochung hat und breiter ist als üblich. Man kann manche Terrarien auch durch Austausch der Lüftungsbleche gegen Volierendraht umrüsten. Makrolonkäfige sind zwar aus der Laborhaltung für Farbmäuse erdacht und haben eine sehr gute Belüftung, sind aber auch im größten erhältlichen Exemplar recht klein und lassen keine dicke Streuschicht und auch sonst nur wenig Einrichtung zu. Als Übergangslösung oder Transportbehälter (ausbruchsicher!) sind sie ideal. Die handelsüblichen "Duna" - Plastikkäfige sind in der kleinen Variante vom Platz und von der Belüftung her nur eine Übergangslösung, nicht für die langfristige Haltung. Der "maxi-Duna" und vergleichbare Modelle gehen von den Maßen her grad, beim Gitterteil oben muß man den Gitterabstand beachten. Es gibt sicher bessere Unterbringungsmöglichkeiten.

Nagerterra:

Käfig 100x50x45cm

großer Duna (im Vordergrund wie im Foto oben ein Zwerghamster als Größenvergleich)

 

Einrichtung

Bei der Einrichtung kann man seiner Fantasie freien Lauf lassen, alles was aus freßbarem Naturmaterial (Weiden-/Hasel-/Buchen-/Birkenzweige, Kork) besteht, aus unbedruckter Pappe (Küchenpapier- und Klorollen, Teppichrollen, Kartonagen) oder Ton (wenn glasiert unbedingt mit mind. zwei Durchlüftungsöffnungen) besteht, kann genutzt werden. Schwere Gefäße müssen ununterbuddelbar auf Etagen oder dem Boden stehen. Dickere Sisalseile, Taue aus dem Vogelbedarf werden gern zum Klettern genutzt, Korkröhren und Korkäste sind auch sehr beliebt. In Dekoabteilungen lassen sich häufig Artikel wie Duftlampen und Teelichthalter günstig erwerben und für die Mäuse zweckentfremden:

  

bei Ikea gibt es diesen Teelichthalter (ca. 3,90 Euro), auf die Seite gekippt und in tiefer Streu stabilisiert erhalten die Mäuse eine Höhle mit zwei Öffnungen

   

Je mehr Platz die Farbmäuse haben und desto abwechslungsreicher die Einrichtung, umso mehr Freude wird man auch selbst beim Beobachten seiner Tiere haben!

 

Ernährung

Die Mäuseernährung in der Natur besteht aus Saaten, Getreide, Pflanzenteilen, Gemüse, Wildobst sowie Insekten. Daraus folgt für eine ausgewogenen Ernährung als Heimtier ein Grundfutter aus Saaten und Getreide ergänzt mit Kräutern, Katzentrockenfutter/Insekten und Frischfutter in Form von Grünfutter und Gemüse.

Es gibt einige gute Futtermischungen im Handel, z.B. "Hoppel Mobbel Mäuse Menü" von Rosenlöcher, es muß kein tierisches Eiweiß in der Futtermischung enthalten sein, dieses sollte besser in Form von Insekten und hochwertigem Katzentrockenfutter (hoher Fleischanteil) gereicht werden. Mit Kräutern wie z.B. "JR Farm Feldkräuter" kann der Trockenfutteranteil sinnvoll ergänzt werden.

 

man kann auch eigene Mischungen (Eigenmix) herstellen, hier z.B. meine Rezepte:

Mayas FunMice Number One:  

Mayas FunMice Number One - Rezept:  200g 4-Kornflocken, 100g Sechskornmix, 100g Weizen, 100g Buchweizen, 200g Sonnenblumenkerne (ohne Schale, mit Schale entsprechend mehr g), 100g Erdnüsse (Lebensmittelqualität) oder Kürbiskerne oder Kardi, 100g Sperlingspapagei spezial*, 200g Großpapagei spezial**, 100g Wildsamen classic***, 30g gepoppter Mais, 30g Kräuter- und Gemüsecocktail, 30g Erbsenflocken;

*= Hanf, Kardi, Weizen, Negersaat, Hafer, Kanariensaat, Mohn, Raps, Buchweizen, Grassamen einfach, Welsches Weidelgras, Rote Hirse, Japanhirse, Mannahirse, Senegalhirse, Gelbe Hirse

**= 4 Hirsesorten, Buchweizen, Dari, Eberesche, Gerste, Hafer, Hagebutten, Hanf, Johannisbrot, Kanariensaat, Kardi, Kürbiskerne, Spinat, Mais, Milokorn, Paddyreis, Soja, Weizen, Zucchinikerne

***= Kanariensaat, Klee, Zichorie, Perilla, Negersaat, Hirse, Leinsaat, Unkrautsaat, Hanf, Salat, Blaumohn, Rübsen, Gras, Mariendistel

die Zutaten sind aus dem Bio-Laden und von Futterkonzepte.de

 

Mayas FunMice MäuseMenü:   

Mayas FunMice MäuseMenü - Rezept:  150g Sechskornmix, 150g Buchweizen, 100g Basismüsli, 100g Haferflocken (kernig), 100g Sonnenblumenkerne, 100g Sperlingspapagei spezial, 60g gepoppter Mais, 50g Wildsaatenmix, 30g Kräuter- und Gemüsecocktail, 30g Erbsenflocken; die ersten fünf Zutaten gibt es in Bio-Läden, die letzten fünf z.B. bei Futterkonzepte.de .

 

Gesellschaft

Eine Farbmaus ist keine Maus, es sind Gruppentiere, die Gesellschaft von Artgenossen zum Wohlbefinden benötigen! Je nach Herkunft (Nottier, Handel, Zuchtlinie) ist das Sozialverhalten unterschiedlich ausgeprägt und kann unvollständig sein.

Normalerweise wird eine klare Rangfolge ausgemacht, in gleichgeschlechtlichen Gruppen gibt es nur eine Alpha-Maus, in gemischtgeschlechtlichen Gruppen das Alpha-Paar und nur der Alpha-Bock deckt geschlechtsreife Weibchen ein, obwohl die Alpha-Dame im Rang über allen anderen Weibchen steht, werden auch die übrigen Weibchen eingedeckt, normalerweise abwechselnd. Alle Gruppenmitglieder putzen sich gegenseitig, nutzen gemeinsamen Schlafnester und kümmern sich um alle Würfe ebenfalls gemeinsam, gibt es mehrere Würfe gleichzeitig und stirbt eine Mäusemutter, übernehmen die übrigen Mütter die Aufzucht der Halbwaisen.

Mäuse verständigen sich auch über Duftstoffe im Urin, er hat wichtige Funktionen und in Heimtierhaltung sollte man deshalb nicht übermäßig oft die Käfige reinigen, nur wenn es nötig ist und nicht "nur weil es nach Maus riecht". Man bringt sonst unnötig Unruhe in die Gruppe und nimmt den Tieren eine Verständigungsmöglichkeit bzw. stört diese andauernd. Einerseits erkennen sich die Gruppenmitglieder am Geruch und den Urinmarkierungen, andererseits können sie so z.B. erkennen, ob Weibchen trächtig sind und dies nimmt in Abhängigkeit von Gruppengröße und Lebensraumverhältnissen Einfluß auch auf die Fruchtbarkeit/Aufnahmebereitschaft der übrigen Weibchen. Ist z.B. die Gruppe bereits groß und der Lebensraum begrenzt bzw. die Futterverfügbarkeit, so verhindert die Trächtigkeit eines Weibchens bei den anderen Weibchen die Aufnahmebereitschaft, so können die Tiere Überbevölkerung und damit hohe Jungtiersterblichkeit verhindern. Ist der Lebensraum hingegen noch nicht "ausgelastet", kann z.B. die Trächtigkeit der adulten Weibchen zu einer verfrühten Fruchtbarkeit bei den jungen Nachwuchsweibchen führen, d.h. die Gruppe wächst in kurzer Zeit stark an. Mäuse erkennen auch am Geruch ob sie mit der anderen Maus verwandt sind, so bevorzugen Mäuseweibchen unverwandte Männchen zur Paarung. In einem Revier muß nicht zwangsläufig das Alphamännchen der Vater aller Jungtiere sein, die Weibchen können sich auch außerhalb des Revieres haben decken lassen, ziehen die Jungtiere aber im Gruppennest auf. Auf diese Weise kann in der Natur in Familiengruppen der Inzuchtkoeffizient gering gehalten werden.

Auch wenn die gemischtgeschlechtliche Gruppe die einzige Haltungsform ist, bei der die Farbmäuse ihr komplettes Verhaltenspotential ausleben können, so ist sie für die normale Heimtierhaltung nicht zu empfehlen. Einerseits ist die Vermehrungsrate hoch (in der Natur sind sie einem hohen Druck durch Freßfeinde ausgesetzt und überleben als Gruppe nur durch starke Vermehrung), so daß der Halter schnell mit der steigenden Mäusezahl überfordert ist (Platz, Zeit und Kosten), es sei denn er hält selbst Freßfeinde und zieht die Farbmäuse sozusagen als Futtermäuse, andererseits sollte man sich vor solch Haltungsform mit allen Themen die Zucht, Aufzucht und vor allem Genetik betreffen, gründlich auseinandergesetzt haben. Nicht zuletzt führt auch unter hygienisch einwandfreien Bedingungen ein großer Farbmausbestand beiderlei Geschlechts zu einer deutlichen Geruchsentwicklung. Farbmäuse haben einen typischen Eigengeruch und ihre Urinspuren haben neben den üblichen Funktionen auch eine Verständigungsfunktion für die Gruppe. Es ist also nicht ratsam zu oft sauber zu machen, etwa alle 1-2 Wochen je nach Mausbesatz ist aber nötig und führt nebenbei zu einer erhöhten Müllmenge. All das kann im Mietrecht zu Problemen mit der Nachbarschaft führen und sollte bedacht werden, selbst wenn die Mäuse "lediglich" als Futtertiere gezogen werden sollten, denn auch Futtertiere haben das Recht auf ein artgerechtes Leben, also Platz zum Leben und Pflege. Zu oft werden solche Gedanken vernachlässigt, denn alltäglich landen viele Farbmäuse in Tierheimen und bei privaten Notfallvermittlern. Es wird zwar immer in Not geratene Tiere geben, doch viele Notfälle sind menschengemacht und absolut vermeidbar.

Eingeschlechtliche Gruppen sind für normale Heimtierhaltung zwar ein Kompromiß, aber unter den Umständen die beste Variante. Reine Bockgruppen können zwar funktionieren, vor allem wenn es sich um Wurfgeschwister oder Geschwister aus Würfen einer Familiengruppe handelt, jedoch kommt es hier sehr auf die Herkunft/Zuchtlinie an, ob solch Zusammenleben nach ausgemachter Rangfolge dauerhaft harmonisch funktioniert. Bockgruppen entwickeln in jedem Fall einen stärkeren Mausgeruch als Weibchengruppen. Aus beiden Gründen empfehle ich Weibchengruppen zumindest für Farbmausanfänger. Man kann zwar bei entsprechend erfahrenen Tierärzten Böcke kastrieren lassen, jedoch bleibt dabei immer ein OP-Risiko und ich bin kein Freund von gesundheitlich unnötigen "Verstümmelungen", zumal die Böcke hinterher vom Verhalten her weder Bock noch Weib sind und auch dies Probleme geben kann. Den einzigen Vorteil von Kastrationen sehe ich bei Notfalltieren, da solche Böcke unkastriert geringe Vermittlungschancen haben.

Da der Begriff Inzucht und Blutsfremdheit häufig fehlverstanden wird, möchte ich auf folgendes hinweisen: einerseits ist der Homogenitätsgrad im Genpool der Farbmauspopulation allgemein schon hoch und andererseits weisen ganz gezielt gezüchtete Labor-Inzuchtstämme der Farbmaus keinerlei gesundheitliche Nachteile auf. Man sollte sich daher immer selbst fragen, wieviel der Versuch möglich nicht verwandte Tiere aus verschiedenen Regionen (die häufig doch die selben Ahnen weiter zurück in den Generationen haben...), von verschiedenen Züchtern tatsächlich bringen kann, zumal nur ein sehr aufwendiger Gentest tatsächlich Klarheit brächte, ob wirklich Blutsfremdheit besteht. Selbst Stammbäume sind nicht immer der zuverlässige Nachweis, für den sie gehalten werden, schließlich tragen Farbmäuse keinen Chip wie Hunde oder Katzen, so daß eine eindeutige Zuordnung Vertrauensangelegenheit ist und man auch dann nicht weiß, in wie weit die Tiere in den Generationen weiter zurück, die kein Stammbaum erschöpfend auflisten kann, unverwandt sind. Gezielte Rückkreuzung/Inzuchtverpaarung kann auch Positives bewirken, sie bringt z.B. Klarheit über rezessiv getragene, gesundheitlich problematische Gene, die sonst unbemerkt weite Verbreitung finden, bevor sie zufällig entdeckt werden. Natürlich ist eine hohe Gendivergenz/ein möglichst großer Genpool immer sinnvoll, doch löst bereits jede Farbzucht eine steigende Genhomogenität aus.

Wichtiger ist es meiner Überzeugung nach bei der Zucht auf Gesundheit, Sozialverhalten und dann erst optische Merkmale zu achten. Das kann zwar in Konsequenz zum Zuchtende für Linien wunderschöner Tiere führen, ist aber im Sinne der Tiere. "Schönheit" in Farbe und Körperform allein ist keine gute Zuchtwahl, für die Mäuse selbst sind die anderen Faktoren viel wichtiger.

Zum Thema Inzucht hat Stefan Schumacher einen bemerkenswerten Text auf Rodent-Info veröffentlicht, dessen Lektüre ich jedem interessierten Halter ans Herz legen möchte: Anmerkungen zur Inzucht

 

Showmaus - Rassemaus - Farbmaus

Im Inland wird willkürlich der Begriff Rassemaus für bestimmte Farb-/Fellvarianten verwendet, die Züchter eines bestimmten Vereins züchten, wobei die Farb-/Fellvarianten davon unabhängig bereits zuvor weit verbreitet waren. Diese Festlegung hat der Verein selbst getroffen, die Auslegung des Begriffs Rasse für eine bestimmte Farb/-Fellgenkombination, geboren in Vereinszucht, widerspricht allerdings dem allgemeinen Rassebegriff, siehe weiter unten.

Jede Farbmaus mit bestimmten Farbgenen läßt sich der international gebräuchlichen englischen Farbbezeichnung zuordnen, egal welchen Ursprung das Tier hat. Diese Farbbezeichnungen und Farbgenzuordnung gab es schon lange bevor sich hierzulande ein gewisser Verein gründete. Unser heutiges Wissen über Farbgene, jeweilige Vererbung, Auswirkung, Genlocus usw. stammt fast ausschließlich aus Laboren und von Wissenschaftlern, ebenso viele heute sehr beliebte Farbvarianten, insbesondere recessive yellow, hierzulande oft rezessiv rot genannt. Daraus läßt sich keine Rassezugehörigkeit oder Exclusivität herleiten. Man braucht sich nur mal den Katalog oder die Farbbezeichnungen in Verbindung mit den Farbgenen einer Laborzucht zur Hand nehmen, auch die Firma Charles River ist hierfür eine gute Adresse, um das nachzuvollziehen. So haben die Züchter im Ausland auch folgerichtig ihre Zuchtmäuse als Showmice = Showmäuse betitelt, weil diese Tiere nach bestimmten, im jeweiligen Verein/Club/Vereinigung festgelegten Ausprägungen eines Merkmals, anläßlich einer Show "gerichtet", also beurteilt werden. Theoretisch könnte jede Maus an solchem Wettbewerb teilnehmen und möglich ist rein theoretisch auch, daß ein Tier eines Liebhaberzüchters, der nirgends organisiert ist und seine eigenen Zuchtregeln hat, die besten, erwünschten Ausprägungen aufweist. Die Show-Qualitäten ihrer Optik machen also eine Farbmaus erst zur Showmaus, weil sie den dort als Minimum festgelegten Showklassemerkmalen mindestens entspricht.

Grundsätzlich sind alle Farbvarianten und Zuchtformen der Hausmaus "nur" Varietäten der Hausmaus. Man sagt zwecks Abgrenzung zur Wildform allgemein zu den Farbzuchtvarianten Farbmaus. Die Hausmaus ist eine Wildart, also kein Haustier wie z.B. Hauskatze oder Haushund, die Artbezeichnung ist insofern etwas irreführend. Abzugrenzen von den eigentlichen Haustieren sind Heimtiere, die zwar im Haus gehalten werden, aber keiner gezielten Nutztierwerdung über Generationen unterlagen. Heimtiere sind z.B. Hamster, Farbmaus, Degu, Chinchilla.

Bei Haustieren ist der Begriff Rasse für bestimmte Zuchtformen (z.B. Haushund: Pekinese, Schäferhund, Pudel, Dackel...; Hauskatze: Perser, Türkisch Angora, Birma, Siam....) üblich, Rassen unterscheiden sich optisch eindeutig im körperlichen Erscheinungsbild voneinander, egal ob mit oder ohne Papiere eines Vereins. Innerhalb der Rassen kann es wiederum verschiedene Farb- und Fellvarianten, sowie Körpergrößen geben (z.B. Langhaardackel, Rauhhaardackel, Zwergdackel in jeweils verschiedenen Farbschlägen...).

Rassemerkmale sind also immer bestimmte optische Merkmale in Union, die dann widerum in unterschiedlichen Farben, Fellzeichnungen, Fellarten und Körpergrößen (roß, mittel, zwerg, toy,...) auftreten können. Bei Siamkatzen hat zwar die Zeichnung, die Points, den Namen gegeben, dies ist aber nicht das Alleinrassemerkmal, sonst wären zwangsläufig z.B. Birmakatzen und Balinesen auch Siamkatzen, sie werden jedoch abgegrenzt als jeweils eigene Rassen geführt, die deutliche, körperliche Unterschiede voneinander aufweisen. Würde man dies parallel auf Farbmäuse tatsächlich anwenden wollen, dann wäre die Farbe zweitrangig und die Mäuserassen müßten sich eindeutig in nachvollziehbar nachzüchtbaren, körperlichen Merkmalen unterscheiden von anderen Rassen oder der Urform. Z.B. wären Mäuse mit Schlappohren und Ringelschwanz möglicherweise als Rasse mit eigener Rassebezeichnung (z.B. Fold Ferkel) betrachtbar, diese Rasse gäbe es wiederum in allen üblichen Fell- und Farbvarianten. Die hierzulande von betreffendem Verein definierte Rasse allein über die Farbe ist also einerseits schlicht falsch und andererseits würde dann, folgte man den Vereinsargumenten, zwingend logisch jeweils die Farbrasse alle Mäuse mit dem betreffenden Farbgen beinhalten, egal ob aus Laborzucht, Zooladen oder Vereinszucht, denn genetisch sind sie bezüglich des Merkmals Farbe gleich. Die sogenannte Rasse black würde alle Mäuse mit Farbgenen "aa" umfassen. Völlig unabhängig davon, ob die Maus große Ohren, große Statur oder eben nicht hat. Körpergröße oder Ohrenformat widerum wären auch keine hinreichenden Rassemerkmale, die Unterschiede müßten weit eindeutiger und augenfälliger sein, siehe die diversen Haustierrassen.

Es gibt dementsprechend Hunderassen, Katzenrassen, Pferderassen, Rinderrassen usw. - aber noch keine Farbmausrassen und somit derzeit keine Rassemäuse.