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Die Erfindung
„Verflixt noch
mal!“ rief Magnus und rieb sich die schmerzende Hand. “Jetzt ist mir
der Schraubenzieher abgebrochen!“ Ärgerlich warf er den
Schraubenzieher-Griff auf den Boden. “Aber Papa“ versuchte ihn Sabina,
seine Tochter, zu beruhigen. “Immer mit der Ruhe - du bist zu
ungeduldig!“ Magnus seuzte. “Das hat deine Mutter auch immer gesagt“ er
lächelte gequält. “Seit geschlagenen 5 Monaten baue ich nun schon an
dieser Maschine - ich werde sie nie fertig stellen!“ Er stand auf und
ließ sich erschöpft in den Korbsessel, der in der Werkstatt stand,
fallen. Sabina ging zu ihm und nahm seine Hand. “Vielleicht sollst du
sie einfach nicht fertigstellen, Vater. Es soll vielleicht einfach
nicht sein.“ sagte sie sanft. Magnus schaute sie an. Sie sah genauso
aus wie ihre Mutter in ihrem Alter, 20 süße Jahre. Auch Alinas Haare
waren kastanienbraun gewesen, ebenso wie ihre Augen. Keine wirkliche
Schönheit, aber für ihn die schönste Frau der Welt. Auch dann, als ihr
Gesicht wächsern und ausgemergelt war, als das tödliche Fieber sie
niedergeworfen und schließlich besiegt hatte. Mühsam verscheuchte er
diese Gedanken. “Liebling, es MUSS sein. So geht das nicht weiter in
unserem Land.“ Die Zauberer des Landes hatten sich einfach zuviel
herausgenommen - Von bescheidenen, zauberbegabten Bürgern hatten sie
sich zu eine Art Grafen aufgespielt, zu Mächtigen, die auf den Rest der
Bevölkerung verächtlich heruntersahen und alle Nicht-Zauberer
unterdrückten. Die Zauberbücher, mit denen man auch als normaler Mensch
ohne angeborene zauberischen Fähigkeiten sich etwas Zauberwissen
aneignen konnte, wurden konfisziert und nur noch geborenen Zauberern
ausgehändigt. Hier in der Hauptstadt war die Zauberer-Diktatur
besonders schlimm. Daher hatte sich Magnus Paril - Erfinder und
Diplom-Techniker der hiesigen Universität - vorgenommen, eine Maschine
zu bauen, die alle Menschen zu Zauberern machen würde. Es würde die
absolute Gleichheit herrschen, da alle die gleichen Fähigkeiten haben
würden - so dachte Magnus es sich jedenfalls. Er hatte aus früheren
Zeiten noch Zauberbücher-gut versteckt natürlich- und hoffte, dass sie
ihm bei seinem Vorhaben nützlich sein könnten. Sabina war von Anfang an
skeptisch gewesen. Doch ihr Vater war so voller Energie und Tatendrang
- sie ließ sich einfach mitreißen und assistierte ihm wie stets. “Ich
hole dir einen neuen Schraubenzieher“ sagte sie und stand auf. “Mußt du
nicht zur Arbeit, mein Schatz?“ fragte Magnus. “Ja, aber erst in 2
Stunden – Mina ist wieder da.“ Mina war neben Sabina die 3. Schankmagd
des Wirtshauses „Drei Gipfel“ ,in dem Sabina seit letzten Sommer
arbeitete. Mina hatte ein Kind bekommen, und nun war ihre Babypause
vorbei. “Das ist ja schön“ sagte Magnus. “Bestell ihr meine
herzlichsten Glückwünsche und Grüße.“
„Mann, was für ein
Betrieb heute!“ stöhnte Sabina und wischte sich den Schweiß von der
Stirn. Sie beschloss, eine Pause einzulegen und erstmal ein
erfrischendes Bier zu trinken. “Ja“ sagte Fareny, ihre Chefin. “Das
Zauber-Turnier zieht Zaubererpack aus dem ganzen Land hierher.“
„Fareny!“ zischte Mina vorwurfsvoll und sah sich ängstlich im
Schankraum um. “Rede doch nicht so aufmüpfig. Und vor allem nicht so
laut!“ Fareny zuckte mit den Schultern. „Ich habe keine Angst vor
denen. Ich kenne noch ganz andere Zeiten, weißt du?“ Sie deutete mit
dem Kinn in die Richtung eines rothaarigen Zauberers, der alleine an
einem Ecktisch saß. “Siehst du den da? Das ist Kristo. Vor 20 Jahren
war er Schankgehilfe hier.“ „Tatsächlich?“ fragte Sabina erstaunt.
“Allerdings. Ein schlaksiger, ungeschickter und schüchterner Milchbubi,
der kein Glück bei den Mädchen hatte. Gut, er hatte von Geburt an
Zauberkräfte, aber bildete sich nichts darauf ein und missbrauchte
seine Fähigkeiten auch nicht. Er versuchte immer, seine
Ungeschicklichkeit durch harte Arbeit wett zu machen. Ich mochte ihn
eigentlich ganz gern. Und nun? Nun ist er ein Magister Magicus oder wie
das heißt und behandelt Nicht-Zauberer wie Dreck. Eine Frau, die ihn
abgelehnt hatte, hatte er einen Demutszauber auferlegt und einfach
geheiratet – seitdem dient sie ihm unterwürfig und toleriert seine
Schläge und Weibergeschichten.“ „Oh ihr Götter“ erschrak Sabina. “Wie
furchtbar.“
Nach Feierabend
traf Sabina sich mit ihrem Verlobten Finn. “Du siehst so erschöpft aus,
Bina!“ begrüßte er sie und gab ihr einen Kuss. “Ja, viel los heute“
sagte Sabina und kuschelte sich in seine Arme. “Komm, wir gehen ins
„Paradiesapfel“ und essen was. Du sollst dich auch mal bedienen lassen.
“Der „Paradiesapfel“ -ein kleines, aber feines Esslokal in der Nähe der
Bibliothek- war angenehm leer. Das Essen war köstlich, doch Sabina
konnte den Abend nicht wirklich genießen, da ihr die furchtbare
Geschichte des Zauberers Kristo immer noch im Kopf herumspukte. Und wer
wusste schon, wie viele ähnliche Geschichten sich Tag für Tag im Land
abspielten? Würde die Gleichheit aller was das Zaubern betrifft,
wirklich helfen oder alles noch viel schlimmer machen? „Was ist los mit
dir, Bina?“ fragte Finn besorgt, als sie sich nach dem Essen noch einen
Tannenschnaps gönnten. “Du wirkst so abwesend.“ Sabina seufzte. Finn
wusste nichts von der Erfindung ihres Vaters, und sie wollte ihm
eigentlich auch nichts erzählen, solange die Maschine nicht vollendet
war. Aber alles lastete im Moment so schwer und erdrückend auf ihr,
dass sie beschloss, heute Finn alles zu erzählen. “Das darf ja nicht
wahr sein!“ rief Finn aus, als sie ihm das von Kristo erzählte. “Das
dachte ich auch. Es ist so grausam. Und ich denke, vielleicht hat mein
Vater recht und es muss etwas passieren. Er ist seit einiger Zeit an
einer Erfindung dran…“sie trank ihren Schnaps aus und bestellte sich
und Finn einen neuen. “Was für eine Erfindung?“ fragte Finn neugierig.
Sabina schaute ihm direkt in die Augen. “Was würdest du davon halten,
wenn alle Menschen die gleichen Fähigkeiten hätten?“ “Du meinst,
Talente wie malen oder komponieren?“ fragte Finn, leicht verwirrt.
“Nein,“ antwortete Sabina “ich meine zaubern.“
Als Sabina weit
nach Mitternacht nach Hause zu ihrem Vater kam, fand sie diesen
eingeschlummert auf dem Wohnzimmersofa. Als sie eintrat, schreckte er
auf. “Liebling, da bist du ja! Wie geht es Finn? Hat er schon ein Haus
für euch gefunden?“ murmelte er schlaftrunken. Sabina lächelte und
setzte sich zu ihm aufs Sofa. “Finn geht es gut. Und er hat noch nichts
geeignetes für uns gefunden. Aber es eilt auch nicht, ich bin gerne bei
dir.“ sagte sie zärtlich. Magnus lächelte zerstreut und griff nach
seiner Brille. “Möchtest du einen Tee, mein Schatz?“ “Ja, gerne. Und
dann möchte ich mit dir über deine Erfindung reden.“
Die Maschine wurde
genau 3 Wochen später im Morgengrauen fertig. Magnus drehte die letzte
Schraube fest und justierte die Strahlungsröhre. Stolz blickten er und
Sabina auf sein Werk. „Fantastisch“, sagte Sabina „du hast es
geschafft“ sie umarmte ihren Vater und strahlte ihn an. „Nunja, sagte
Magnus glücklich, [i]wir[/i] haben es geschafft. Wo bleibt Finn? Er
wollte doch dabei sein, wenn ich die Maschine starte.“ In diesem Moment
klopfte es an der Tür. Magnus und Sabina lachten. „Wie aufs Stichwort,
wunderbar! „ rief Magnus, als Finn die Werkstatt betrat. „Das wollte
ich doch um nichts auf der Welt verpassen!“ lachte Finn und nahm Sabina
in die Arme. „Nun gut,“ sagte Magnus. „Die Strahlungskraft und -weite
ist so groß, dass die Maschine von hier aus funktioniert. Ich habe das
Strahlungsrohr Richtung Fenster gedreht, man müsste es nur öffnen.“
Finn verstand und öffnete das Fenster. „So mussten wir die Maschine
nicht auf einen Berg oder so was schaffen“ fuhr Magnus mit seinen
Ausführungen fort „wo uns die Zauberpolizei bestimmt aufgeschnappt und
verhaftet hätte! Aber hier, im unauffälligen Haus eines alten
Professors, vermutet wohl niemand so was“ Er lächelte den beiden jungen
Leuten aufmunternd zu und bedeutete ihnen, einen Schritt nach hinten zu
treten. Es war ein feierlicher Moment, alles war still. Selbst die
Vögel draußen schienen den Atem anzuhalten. Magnus trat an die Maschine
und legte einen Hebel um, dann noch einen und drückte konzentriert ein
paar Knöpfe. Zum Schluss drehte er an einem Messingrad und trat
ebenfalls einen Schritt zurück. Die Maschine begann etwas zu rattern
und pfeifende Geräusche zu machen. Aus Orgelpfeifenartigen kurzen
Röhren an den Seiten stieg leichter grüner Rauch auf und eine seltsame
Wärme breitete sich im Raum aus. Dann auf einmal schoss ein
orangefarbener Strahl aus dem Rohr, das auf das offene Fenster
gerichtet war und es wurde so hell, dass die drei kaum noch etwas sehen
konnten. Nach einiger Zeit, die nicht messbar zu sein schien, ebbte das
Leuchten und Pfeifen ab. Magnus trat vorsichtig an die Maschine heran,
um sie ganz abzustellen. „So“ sagte er „Ich denke, das wars.“ „Und
woran erkennen wir, dass es funktioniert hat?“ fragte Finn. „Indem wir
hinausgehen und uns unter die Leute mischen, Schatz“ lächelte Sabina
und hakte sich bei ihm und ihrem Vater unter.
Was sie sahen und
erlebten stimmte sie überglücklich, denn die Maschine hatte nicht nur
ihren Dienst getan, sie hatte auch sämtliche Erinnerungen an die
schlimmen Zeiten in den Köpfen der Menschen gelöscht. So wusste niemand
mehr, dass es jemals Zauber oder Zauberer gegeben hatte und jeder
Mensch besann sich seiner normalen Fähigkeiten und Talente. Es wurde
niemand mehr unterdrückt, weil alle einander achteten und brauchten. Magnus
vernichtete frohen Herzens seine Zauberbücher und die Maschine - und
er, seine Tochter und sein baldiger Schwiegersohn behielten ihr
Geheimnis,solange sie lebten.
(c)Darkness
Nebellied
Monique
schaute nervös in den Spiegel und zupfte an ihrem Haar herum. Dana, die
Heilkundige der Serener, trat hinter sie und umfasste ihre Schultern.
“Sei doch nicht so aufgeregt, Liebes! Es wird schon alles gutgehen! Ein
bisschen üben solltest du aber schon noch.“ Bei den anderen
Delegationen herrschte auch nervöse Umtriebigkeit. Die Abordnung der
Galanier bewohnte für die Zeit des Bardenwettstreits die nördliche Ecke
des Wettkampfdorfes. Vor drei Monaten hatte hier in Plünburg, Kronlands
Hauptstadt , die Magier-Meisterschaft stattgefunden. Jetzt wurde der
beste Barde der 5 Stämme gesucht, und aus allen Ecken des
Wettkampfdorfes waren Gesangsproben zu hören. Ginster Molon, der
Barde der Galanier stand in seinem Zelt und sang die Tonleiter rauf und
runter. „Nun, wie bin ich bei Stimme?“ fragte er Leon, seinen Vater –
den Oberpriester der Galanier. „Nicht schlecht, aber besser geht’s
immer!“ knurrte dieser und setzte sich schwerfällig auf einen
Eichenstuhl, der in der Nähe des Zelteingangs stand. „Monique Kengal
von den Serenern soll in Topform sein.“. „Ja, diesen Dorfklatsch habe
ich vorhin auch vernommen, als ich mich am Mittagsbuffet fast mit
Lathan um die Kaviareier geprügelt habe.“ Er lachte kurz auf.„Du
hättest ihn sehen sollen, Vater: Bestimmt schon an die 60 aber
streitlustig wie ein junger Spund!“ „Und sehr gut bei Stimme, wie man
so hört“ ergänzte Leon und nahm sich einen Becher Wein vom Tisch. „Alt
bedeutet nicht gleich schlecht, das weißt du.Erfahrung und Weisheit –
das ist es, worauf es oft ankommt.“ Ginster schnaubte. “Na , solange
seine Augen noch gut genug sind, um die richtigen Töne auf seiner Laute
zu finden…“ Er fuhr mit der rechten Hand durch seine blonden Haare und
schaute selbstgefällig in den Spiegel. Lathan Gruf hatte sich
etwas hingelegt, der Trubel im Wettkampfdorf und die Aufregung wegen
dem Wettstreit selbst nahmen ihn doch mehr mit, als er vor seinen
Leuten jemals zugegeben hätte. Helene, seine Frau, betrat das Zelt.
„Lathan,ist alles in Ordnung mit dir?“ fragte sie besorgt,als sie ihren
Mann auf dem Feldbett liegen sah. „Ja, mein Liebling“ sagte Lathan müde
und richtete sich halb auf. Obwohl Helene genauso alt war wie er und
ihre Haare sich wie ein grauer Wasserfall über ihre Schultern ergossen,
fand er sie genauso schön wie in ihrer Jugend. „Was starrst du
mich so an?“ fragte sie belustigt und stellte einen Wasserkrug auf den
Tisch. „Ach nichts, “beeilte sich Lathan zu sagen und lenkte sogleich
ab. „Hast du etwas aufschnappen können?“ „Aber sicher!“ sagte Helene
eifrig und setzte sich an den Bettrand. “Monique von den Serenern gilt
als Favoritin und auch Rina aus dem Feuertal wird heiß gehandelt. Sie
wird wohl eine Ballade singen – wenn man der dicken Hanna glauben
darf.“ Lathan nickte. Hanna, die Frau des besten Plünburger Bäckers,
wusste stets alles – dafür war sie bekannt. „Und was ist mit
Gregor Falken von den Furtbergern?“ Helene schüttelte den Kopf. „Über
den habe ich nichts gehört. Nur, dass er und seine Leute bei Nacht und
Nebel ins Wettkampfdorf gezogen sind und dass man kaum einen von ihnen
sieht. Über Ginster Molon allerdings…“ „Ach, hör mir nur mit dem auf!“
unterbrach Lathan sie ärgerlich. „Den habe ich vorhin am Buffett
getroffen – überhaupt keine Manieren, dieser Bengel!“„Aber er soll
ebenfalls in sehr guter Form sein“ beharrte Helene. „Hmpf, irgendwas
muss er ja können“ brummte Lathan und goss sich einen Becher Wasser
ein. Rina aus dem Feuertal saß am Ufer des Plünburger Flusses
Landau und zupfte gedankenverloren ihre Laute. Die Sonne brach sich in
ihrem leuchtend rotem Haar und ließ es wie einen Feuersee glänzen.
Plötzlich schaute sie auf und griff zu Papier und Feder,die neben ihr
im Gras gelegen hatten. „und alles ist still, viel zu still…“murmelte
sie,während sie schrieb. Plötzlich erschien ein großer Schatten neben
ihr. „Ginster Molon!Hast du mich erschreckt!“ rief sie vorwurfsvoll und
bedeckte das Papier mit den Händen. Ginster lachte. „Ich guck schon
nicht ab – mein Lied ist schon lange fertig. “Er setzte sich neben
sie.Hochmütig schaute sie ihn an „Ach, wirklich? Dann überkommt dich
wohl nie die Inspiration, einfach so – aus heiterem Himmel?“ Ginster
schnalzte mit der Zunge. „Ich traue nichts und niemanden, dass aus
heiterem Himmel kommt. Alles will sorgfältig geplant sein im Leben.“
Rina stand auf „Dann plane mal, in Zukunft nicht mehr so eingebildet zu
sein!“ schnaubte sie und ging davon. „Sehr gerne!“ rief Ginster ihr
nach „Wenn du damit anfängst!“
Gregor
Falken kniete im Halbdunkel seines Zeltes. Trotz des fehlenden Lichtes
war seine grade, hochgewachsene Gestalt vom Zelteingang aus gut
auszumachen. Barbara, die Heilkundige der Furtberger, trat ins Zelt und
setzte sich auf einen Schemel in seiner Nähe. Sie hatte geglaubt,sehr
leise gewesen zu sein - doch Gregor hatte sie gehört. „Hast du einen
Schluck Wein für mich?“ fragte er und drehte sich um.Barbara nickte.
„Sicher“ und goss ihm einen Becher voll.Gregor trank ihn in einem Zug
leer. „Bist du auf morgen gut vorbereitet?“ fragte sie. „Ja, das bin
ich“ antwortete Gregor und griff nach seiner Laute.
Am
nächsten Tag war der Marktplatz der Hauptstadt prächtig geschmückt, die
Bühne aufgebaut und die Bänke aufgestellt worden.Geschäftige Diener,
Mägde, und Knechte liefen eilig hin und her – schließlich sollte der
Wettstreit der Barden in einer Stunde beginnen. In den Zelten der
Barden herrschte angespannte Nervosität; Monique ließ sich von Dana
zwei Johanniskrauttabletten geben, Rina lief in ihrem Zelt hin und her,
Lathan trank sich mit zwei Bechern Wein Mut an–und selbst Ginster Molon
war aufgeregt und betete mit seinem Vater um Beistand und Sieg. Nur
Gregor Falken war ruhig–er stand inmitten eines Kreises, den seine
Leute um ihn gebildet hatten. „Meine sehr verehrten Damen und Herren,Bürger von Plünburg und ganz Kronland!“ Die
Menge applaudierte.Was der Ansager noch sagte hörten die Barden, die
hinter der Bühne auf ihren Auftritt warteten, nicht wirklich.Jeder war
zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Rina neigte sich zu Monique. „Du
bist als erste dran.“ „Ja, ich weiß.“ Sie nestelte an den Rüschenärmeln
ihres grünen Leinenkleides. Dann ertönte von der Bühne laut und
deutlich: „Vom Stamme der Serener – die Bardin Monique Kengal!“ Tosender
Applaus ertönte und Monique stand auf. „Nun denn“ sie straffte sich.
„Viel Glück“ wünschten die anderen vier, Ginster mit einem spöttischen
Lächeln in den Mundwinkeln und Gregor aus den Tiefen einer schwarzen
Kutte, die er über sein Gesicht gezogen hatte.
„Und er lief davon im strömenden Regen. Lief hinaus, hinaus aus ihrem Leben“ Moniques
hohe, glasklare Stimme erfüllte den ganzen Platz,von den Musikern und
ihrer Laute rythmisch begleitet. Es war ein trauriges Lied, jedoch
keine Ballade,sondern mit kraftvollem Refrain. „So schwer, ja so schwer, so schwer – und auch die Vögel sangen nicht mehr.La la la la – la la“
Als
sie geendet hatte, erhob sich donnernder Applaus und Monique verbeugte
sich erleichtert. Lachend ging sie wieder nach hinten, wo ihr ebenfalls
alle applaudierten. „Das war wundervoll!“ sagte Rina und umarmte sie. „Der Barde des Stammes der Teuten – Lathan Gruf!“
„Es
begab sich zur Zeit der großen Krieges,da verliebten sich zweie vom
Feind. Und sie kämpften die schlimmste Schlacht auf Erden - die
Schlacht von Liebe und Leid“ Lathan trug seine dramatische Ballade
ohne Begleitung der Musiker vor, nur seine Laute klagte mit ihm über
den Wahnsinn des Krieges und der Macht der Liebe.Seine tiefe, angenehme
Stimme nahm die Menge vom ersten Ton an gefangen. Auch er wurde von
tosenden Beifall nach hinten begleitet, wo ihn alle zu seinem
gelungenen Auftritt gratulierten. „Das war so ergreifend!“ sagte
Monique und umarmte ihn. Nur Ginster grinste. „Reichlich
altmodisch,dein Poem. Hat es dein Großvater geschrieben?“ „Ach, sei
doch ruhig, du Lackaffe!“ sagte Rina und streckte ihm die Zunge raus.
„Du bist jetzt dran, meine schöne Feuerfrau“ spöttelte Ginster
„vielleicht nehme ich dich nachher ihn den Arm.“ „Die Bardin des Feuertal-Stammes – Rina!“
„Warum
kannst du die Bäume nicht hören?Warum kannst du den Windhauch nicht
sehn? Warum, warum nur bist du so blind? Soviel tauber als selbst die
tauben Menschen es sind. Und alles ist still, viel zu still – wegen dir, der einfach nicht sehen will.“ Auch
Rina hatte auf die Musiker verzichtet - allein ihre Laute untermalte
ihre eindringliche Ballade vom eigennützigen und verbohrten Menschen,
der nichts um sich wahrnimmt und auf nichts hört - die sie mit ihrer
dunklen, leicht rauen Stimme vortrug. „Wirklich schön. Hast du
mich damit gemeint?“ begrüßte Ginster sie hinter der Bühne, als sie
zurückkam. Er bemühte sich um einen spöttischen Tonfall, der ihm
allerdings nicht ganz gelang. Rina lächelte. „Es dreht sich wohl immer
alles nur um dich, stimmts?“ „Das war so schön“ sagte Monique zu ihr.
Sie hatte Tränen in den Augen. „Also“ sagte Ginster und richtete sich
auf. „Im Moment dreht sich bestimmt alles um mich – ich bin nämlich
dran“ „Der Barde vom Stamme der Galanier – Ginster Molon!“
„Er
lachte und drehte sie schneller im Kreis ‚Mir egal wer du bist oder wie
du auch heißt’ und er küsste sie wild und sie wehrte sich nicht.So ist
es nun mal, wenn der Hafer ein’ sticht. Ja so ist es nun mal wenn der
Hafer ein’ sticht“ Das Publikum lachte und klatschte im
beschwingten Rythmus, den die Musiker angestimmt hatten. Ginster
spielte ein neckisches Solo auf seiner Laute und tanzte über die Bühne,
mit einer imaginären Partnerin tändelnd. Als er endete, klatschten alle
begeistert und „Zugabe“-Rufe ertönten. Er verbeugte sich übertrieben
und tat so, als würde er seine imaginäre Tanzpartnerin von der Bühne
schubsen, was beim Publikum erneutes Lachen auslöste. Gut gelaunt kam
er hinter die Bühne.Dort wurde auch gelacht. „So ungern ich das auch
zugebe,mein Junge–das war nicht schlecht!“ sagte Lathan fröhlich und
schüttelte Ginsters Hand.Dieser grinste breit „Danke, alter Knabe!“ „Vom Stamme der Furtberger – Gregor Falken!“ Gespannt schauten die vier ihren Kollegen an,der langsam aufstand,seine Laute nahm und nach vorne ging.
„Von
den Geistern des Nebels empfange ich Macht. Im Morgengrauen und in
finsterer Nacht. Kommt herbei und stärket mich! Kommt herbei und wirkt
für mich!“ Auf einmal zog dichter Nebel auf, der in kürzester Zeit
die Bühne und den gesamten Platz eingehüllt hatte. Gregors monotoner
Gesang, und der eintönige eine Akkord, den er mit seiner Laute machte,
waren bald nur noch als seltsames Pochen zu hören. Dann plötzlich
lichtete sich der Nebel-so schnell wie er gekommen war, und Gregor
verbeugte sich vor dem Publikum, das wie wild applaudierte. Als er
hinter die Bühne kam, saßen die anderen recht verwirrt da. Sie
schwiegen bis der Ansager sie allesamt auf die Bühne bat. Das Komitee
der Ältesten jeden teilnehmenden Stammes war zu einem Urteil gekommen. „Der
dritte Platz geht an – Ginster Molon, dem Galanier!“ Ginster trat vor,
um die Miniatur-Laute in Bronze, dem Ehrenpreis des Wettkampfes, und
2000 Luten als Preisgeld entgegenzunehmen. Die Menge jubelte und
Ginster strahlte, er verbarg seine Enttäuschung ,nicht gewonnen zu
haben, meisterhaft. „Der zweite Platz geht an – Rina aus dem
Feuertal!“ Rina knickste freudestrahlend und nahm die silberne Laute,
sowie das Preisgeld von 5000 Luten entgegen. „Und der erste Platz
geht an – Gregor Falken vom Stamme der Furtberger!“ Gregor trat nach
vorne und nahm zum ersten Mal die seine Kutte ab. Sein langes,
blauschwarzes Haar war im Nacken zu einem Zopf zusammengebunden und
glänzte in der Abendsonne. Gleichmütig, ohne ein Zeichen von Freude auf
seinem braungebrannten, glatten Gesicht, nahm er die goldene Laute und
das Preisgeld von 10.000 Luten entegegen. Nach dem Wettstreit wurde ein
großes Fest auf dem Marktplatz gefeiert, es wurde gegessen, getrunken
und getanzt. Auch die Barden nahmen teil, bis auf Lathan, der sich im
Wettkampfdorf in seinem Zelt hinlegen wollte, und Monique, die sich mit
einem Krug Wein auf ihr Feldbett setzte und grübelte. Ginster kam
herein. “Mädchen-was machst du hier? Du solltest feiern, wie alle
anderen!“ Sie schaute ihn finster an. “Und was machst du hier?“ Er
grinste. “Ich wollte etwas Kautabak aus meinem Zelt holen, da sah ich
in deinem hier Licht.“ “Irgendetwas stimmt nicht“ murmelte Monique und
nahm einen Schluck Wein. “Was meinst du?“ fragte Ginster erstaunt. “Daß
Gregor Falken gewonnen hat. Irgendwas ist da faul.“ Ginster lachte “Das
sagst du doch nur, weil du auf dem 4.Platz gelandet bist,gibs zu!“
„Ganz und gar nicht“ entgegnete Monique ärgerlich. “Hast du nicht den
Nebel bemerkt, als Gregor zu singen anfing?“ “Wie?“ fragte Ginster noch
erstaunter. “Nebel? Von was sprichst du nur?“ Monique sah ihn direkt
an. “Was hast du von Gregors Vortrag mitbekommen?“ Ginster überlegte
„Naja,irgendwas von Geistern und eine schöne Melodie“ Monique lachte
trocken auf „Schöne Melodie,dass ich nicht lache“ “Also“ Ginster stand
auf “Ich geh jetzt wieder auf den Marktplatz, es sind einfach zu viele
hübsche Mädchen da!“ Er grinste wieder und ging hinaus. „Ich bin
sicher, dass es sich um einen Zauber handelt“ sagte Monique aufgeregt.
Lathan lag schwer auf seinem Bett, aber geistig war er hellwach. “Wie
kommst du denn darauf? Und selbst wenn-wieso? Wegen dem Preisgeld?“
“Ich weiß nicht“ murmelte Monique. Es war schon Nacht, als Monique
sich in Gregors Zelt schlich. Sie war nicht mehr ganz nüchtern und
hatte einfach keine Ruhe finden können. Sie war erst zwei Schritte
hinein gegangen, als sie eine weibliche Stimme hörte. “Wohin des Wegs,
Bardin der Serener?“ Eine Kerze wurde entzündet und Monique sah Barbara
vor sich, die Heilkundige der Furtberger. “Ich…ähm“ Sie schwankte und
ließ sich auf den Schemel nieder. Dann rief sie geradeheraus: “Ihr habt
betrogen! Ihr habt irgendeinen Zauber benutzt! Wieso?“ Barbara seufzte
und zog sich einen zweiten Schemel heran. “Wieso hat der Nebel bei dir
nicht gewirkt?“ dann schüttelte sie den Kopf „Egal“ Sie seufzte wieder.
“Gregor musste gewinnen, weil sein Vater, der Hauptobmann unseres
Stammes, ihn verstoßen hätte. Er hält ihn für einen Versager. Wir-seine
Vertrauten-mussten verhindern, dass er seine Heimat verliert.“ Monique
blinzelte. “Das ist alles? Deswegen das alles?“ “Ja“ antwortete Barbara
schlicht. “Eure Absichten in Ehren aber es ist nicht fair!“ „Das
stimmt“ Barbara schaute Monique in die Augen. “Wir sind auch gerne
bereit, das Preisgeld unter den Armen unseres Stammes zu verteilen. Es
geht uns nur um den Sieg. Und nun geh schlafen“ fügte sie hinzu, bevor
Monique etwas entgegnen konnte-und schob sie sanft zum Zelt-Eingang. “Im nächsten Jahr brauchen wir nicht zu gewinnen, vielleicht gewinnst ja dann du?“ Als
am nächsten Nachmittag alle Delegationen der Stämme sich zur Abreise
fertig machten, besuchte Monique Lathan nochmal in seinem Zelt. Den
anderen Barden hatte sie schon Lebwohl gesagt, aber Lathan wollte sie
noch mal unter vier Augen sprechen. Monique erzählte ihm, was Barbara
ihr gesagt hatte. “Irgendwie glaube ich ihr nicht. Da steckt noch was
anderes dahinter.“ Lathan neigte den Kopf „Mag sein, mag nicht sein.
Manche Dinge sollte man einfach auf sich beruhen lassen. Das hat mich
das Alter gelehrt. Und vielleicht hat sie recht und im nächsten Jahr
gewinnst du“ Er lächelte und umarmte sie. “Gute Heimreise, Kind. Bis
nächstes Jahr vielleicht.“ Monique gab den Widerstand auf. “Komm auch
gut heim,Lathan“ „So,haben wir alles?“ Dana schaute sich prüfend
um. “Denke schon“ Monique knöpfte ihren Mantel zu und schaute sich
ebenfalls um. Irgendwie werde ich das alles vermissen hier.“ Dana
lachte „Ich auch.Aber im nächsten Jahr sind wir ja wieder hier“.Monique
sann kurz nach“ Ob Gregor Falken dann auch wieder hier sein wird?“ “Wer
weiß?Niemand kann in die Zukunft sehen.““Nein“ sagte Monique “das kann
niemand.“
(c)Darkness
Die Herrin vom See
Bei der folgenden Kurzgeschichte gab es eine Vorgabe (sie war für einen Kurzgeschichten-Wettbewerb im Hexenkessel-Forum)
Vorgeschichte:
Du bekommst die Einladung zu einem Spieleabend! Du freust dich und gehst hin.
Die anderen sind dir völlig unbekannt,vieleicht hast du sie schon einmal gesehen?
Es wird ein Brettspiel gespielt, ein Rollenspiel. "Das Tor der Welten".
Jeder zieht eine Karte, wo die Figur die er spielt abgebildet ist.
Als ihr alle die Karten umdreht...passiert es. Es blitzt, ein Knall...
Du bist in einer anderen Welt gelandet.In der Welt des Brettspiels.
Es ist real, du bist verwirrt und hast nur deine Karte in der Hand....
Du bist.....
Du bist die Herrin des Sees.
Deine Aufgabe ist es Excalibur zu beschützen,es darf nie in die Hände von Menschen fallen.Dein Leben hängt davon ab.Also wie hat es Merlin
oder Arthur (such einen aus) es geschafft,trotzdem Excalibur zu erhalten?
...und hier beginnt meine Geschichte.
Keuchend rannte ich durch den dichten Wald, das Schwert Excalibur dicht an mich gedrückt. Ich fiel hin und schrammte mir die Knie auf. Ich fluchte. Welch unwürdige Art zu flüchten – und das als Herrin vom See! Aber leider hatte ich, Marianna, mich des Diebstahls schuldig gemacht. Ich hatte Borudin, dem 18.Merlin (Großhexer des Landes) Excalibur entwendet. Dabei war es ursprünglich meins. Also, Avalons. Denn seit zig Generationen befand sich Excalibur in den Händen der Herrin vom See, immer an deren Nachfolgerin weitergegeben. Doch Borudin hatte es mit einer List geschafft, mir das Schwert zu entwenden: Er erzählte mir, dass der Auserwählte gekommen sei, jener König, den das Land brauchte um wieder stark und mächtig wie einst zu werden. Und ich dumme Zippe hatte ihm geglaubt! Ich hatte mir nicht mal die Mühe gemacht, meine Runen zu befragen – schließlich war er der Merlin… Wie dumm ich doch gewesen war! Ich gab Excalibur weg. Und als ich in einer hochoffiziellen Zeremonie auf der Dracheninsel an dem sogenannten Auserwählten -Gwydion Arthur- den offiziellen Königs-Schlag mit Excalibur vollziehen wollte – weigerte er sich, es mir zu geben! Er beschimpfte mich,wie ich –„eine wässrige Schlampe aus irgendwelchen Tümpeln“- sich erdreisten könnte, ihm -den großen Gwydion Arthur– den Königschlag geben zu wollen! Er bedachte mich mit noch mehr unflätigen Gedöns und befahl dann seinen Wachen, mich fortzuschaffen. Wie demütigend das war! Abgeführt wie eine Verbrecherin, unter dem Johlen und Lachen des Pöbels, das als Zuschauer der Zeremonie beiwohnte. Ich wehrte mich natürlich und sah kurz Borudin, wie er -mit einem zynischen Lächeln- in Gwydions Nähe stand. Ich hätte ihn in die selbstgerechte Fratze schlagen können! Er hatte es von Anfang an gewusst, dieser Mistkerl. Die Wachen brachten mich gnädigerweise zu meiner Barke, so dass ich gleich zurück nach Avalon konnte. Ich verfluchte Gwydion und Borudin, während ich die Nebel rief. Excalibur war in die Hände eines Unwürdigen gefallen und ich hatte Schuld! Die nächsten Tage zerbrach ich mir den Kopf darüber, wie ich das Schwert zurückerlangen könnte. In meiner Verzweiflung wandte ich mich an den alten, weisen Einsiedler Marok, der vor Urzeiten mal der Geliebte meiner Vorgängerin, der Ur-Herrin Sywiana, gewesen war.
„Du kannst doch zaubern, oder nicht?“ maulte er mich an, als ich ihm in seiner kleinen, düsteren Hütte gegenüber saß. Der Schweiß lief mir in Strömen den Rücken herunter, der Aufstieg über den Klymor-Berg war mir eindeutig zu anstrengend gewesen. Ein Königreich für einen Skilift!
„Ja“ sagte ich mühsam beherrscht „aber der Merlin auch – das ist ja das Problem.“ Marok schaute mich eindringlich aus seinen fast schwarzen Augen an. “Also gibst du zu,dass er es besser kann als du.“ Das war keine Frage, sondern eine Feststellung. Ich atmete schwer aus. “Nun, das nicht gerade“ Wie sollte ich ihm nur klarmachen, daß ich eigentlich aus einer anderen Welt stammte, und nur durch ein saublödes Spiel in den Körper der Herrin vom See geraten war? Daß ich wenig Ahnung von der uralten Magie der Avalon- Priesterinnen hatte? Gut, ich hatte natürlich Marion Zimmer-Bradley gelesen – aber so etwas live zu erleben war natürlich etwas ganz anderes. Ich hatte mich aber doch recht schnell mit allem arrangiert, hatte mich mit Avalon und dessen Gebräuchen vertraut gemacht und mich tatsächlich angefangen,in dieser Welt-die so ganz anders war als die unsere-wohlzufühlen. Doch dann wurde ich leider übermütig,traute mir zuviel zu – und nun saß ich hier in Maroks Hütte. “Aber der alte Strolch ist hinterhältig,Marok! Bevor ich irgendwas gegen ihn ausrichten kann,hat er mich schon. Es ist,als ob er Gedanken lesen könnte.“ schnaufte ich ärgerlich. Das stimmte – Borudin war ein durchtriebener, ausgefuchster Zauberer und hatte nichts mit dem weisen, etwas betuhlichen Merlin der Artus-Literatur zu tun. “Ich glaube, das kann er tatsächlich“ sagte Marok und stand auf, um uns Met einzuschenken. “Er war auf einer Art Magierschule, in dem man das Lesen –oder vielmehr, das Erfassen- von Gedanken erlernen kann.“ Er reichte mir einen Becher Met. “Und so schwer ist das tatsächlich gar nicht. An der Körpersprache und der Mimik lässt sich zb. oft schon ablesen, was im Kopf vor sich geht“ Wie bei einem Lügendetektor, dachte ich. Ich schüttelte den Kopf „Ich habe aber keine Zeit, auf eine Magierschule oder so was zu gehen – ich muß das Schwert so schnell wie möglich zurückerlangen, sonst…" Ich verstummte und schaute auf den Becher in meinen Händen. "...stirbst du“ sagte Marok leise, stand auf und kam auf mich zu. Er fasste mich am Kinn und hob mein Gesicht, so daß ich ihm in die Augen sehen musste. “Das weiß ich. Ich weiß mehr als du denkst“ Mit dieser kryptischen Aussage ließ er abrupt mein Kinn los und ging zu einem wackligen Bücherregal aus geschwärztem Holz, daß in der Nähe der Tür stand. Halblaut vor sich hin murmelnd nahm er mal dies, mal jenes Buch heraus, blätterte und besah sich die Buchrücken. Ich wusste nun gar nicht mehr, was ich von all dem halten sollte. Was für eine grausige Vorstellung, in dieser Welt sterben zu müssen! Meine Freunde,meine Familie – niemand würde wissen wo ich war oder dass ich gar nicht mehr am Leben war. Meine Akte würde zu den unzähligen anderen vermisst-und nie-wieder-gesehen-Fällen gelegt werden – und das wars dann. Wer weiß, schoß es mir durch den Kopf, wie viele Vermisste wirklich so etwas Ähnliches erlebt haben oder immer noch erleben? Ich bekam auf einmal schreckliche Kopfschmerzen und schüttete meinem Met auf Ex runter.
“AHA!“ hörte ich Marok unvermittelt rufen – ich wär vor Schreck fast vom Stuhl gefallen. Er kam wieder auf mich zu,triumphierend einen dicken, in dunkelbraunen Schweinsleder gebundenen Wälzer schwingend. “Das ist es: ‚Die Willensbeherrschung’ von Leonun Zirdak“ Er reichte es mir. “Ein wunderbares Buch. Nützlich, aber sehr gefährlich“ „Wie kommt es dann in deinen Besitz?“ fragte ich ungläubig und strich über den alten, aber dennoch geschmeidigen Einband. “Das tut nichts zur Sache“ sagte Marok barsch und tippte mit einem seiner langen Fingernägel auf das Buch. “Seite 380 – les!“ Damit drehte er sich um und ging zum Regal zurück. Gehorsam klappte ich das Buch auf, den etwas muffigen Geruch nach besten Kräften ignorierend, und blätterte in den schweren Seiten bis zur 380. Das Kapitel hieß: “Wieh man dehm Mächtigen gegenübher tritth“ Seltsamer Dialekt, dachte ich. Naja,wer weiß – vielleicht hat man damals in dieser Welt eben so geschrieben. Sekunden später war ich schon dermaßen in meiner Lektüre versunken, daß ich Maroks Räuspern neben mir überhörte. “Hey!“ sagte er nun und stupste mich. Überrascht sah ich auf. „Ja?“ „Hier – les danach das 6.Kapitel davon“ er gab mir ein kleines, dickes Buch mit grünem Einband. Seltsame Schriftzeichen prangten auf dem Buchdeckel und das Grün wirkte changierend – wie bei einer Wasseroberfläche. “Gut“ sagte ich und widmete mich wieder Zirdaks Werk.
Ich hatte die Zeit völlig vergessen, Zirdak hatte mich total gefangengenommen. So nahm ich Maroks Schnarchen erst wahr, als ich das Kapitel beendet hatte. Auch gut, dachte ich, kann ich in Ruhe weiterlesen.
Ich legte „Die Willensbeherrschung“ zur Seite und nahm das kleine, grüne Buch,dass Marok noch rausgesucht hatte, in die Hände. Endlich konnte ich den Titel lesen: “Das Buch Avalon“. HAH dachte ich. Das hätte ich in Avalon haben müssen – dann wäre mir die Eingewöhnung weit leichter gefallen! Aber in Avalon hielt man nicht viel von Schriften, fast alles wurde mündlich überliefert.
Gespannt klappte ich das Buch auf. “Avalon ist die heiligste aller Stätten,d ie Wiege der Götter und des Lebens. Alles beginnt hier und kommt auch hierher zurück“ war dort am Anfang des Vorwortes zu lesen. Verdammt, ich darf nicht rumtrödeln! rief ich mich zur Ordnung. Ich muß Kapitel 6 lesen – kann ja nicht ewig hierbleiben. Aber ich wollte unbedingt alles lesen…
Verstohlen schaute ich zu Marok herüber. Er saß in einem bequemen, ledernen Ohrensessel und schnarchte immer noch friedlich vor sich hin. Mh…
Leise stand ich auf, das Buch Avalon an mich gedrückt. Er würde es bestimmt nicht vermissen, redete ich mir ein, jedenfalls nicht sofort. Außerdem würde ich es ihm ja bald zurückgeben. Vorsichtig schlich ich mich zur Tür, darauf bedacht, kein Geräusch zu machen. Ich wollte gerade die Tür öffnen, als auf einmal Marok schnell wie ein Pfeil auf mich zugeschossen kam. “Dreckige Diebin!“ schrie er haßerfüllt, seine Augen schienen Funken zu sprühen. “Wie kannst du es wagen, von mir stehlen zu wollen?“ Und mit den letzten Worten schlug er mir so hart ins Gesicht, daß ich taumelte und hinfiel. Das war zu viel für mich. Ich brach dermaßen in Tränen aus, daß selbst Marok einen Moment lang irritiert wirkte. Aber eben nur einen Moment lang. “Tränen werden dir nichts nützen, du dreckiges Stück. So etwas Schäbiges, das Vertrauen eines alten Mannes zu erschleichen und ihn dann bestehlen zu wollen!“ Ich schluchzte, schluckte, wollte etwas sagen, doch ich bekam kein Wort heraus. Auch machte ich keine Anstalten mich hochzurappeln, ich blieb einfach auf dem Boden liegen, wollte dort für immer liegen bleiben. “Nun steh schon auf“ bellte Marok, aber ich rührte mich nicht. “Ich komme aus einer anderen Welt“ hörte ich mich auf einmal sagen. “Ich kam durch einen bösen Zauber hierher und kann nicht mehr weg. Aber ich gehöre hier nicht hin!“ Den letzten Satz hatte ich geschrien und brach nun wieder in Tränen aus. Marok war ganz still. Dann packte er mich am Arm, nicht brutal - aber bestimmt, und zog mich auf die Beine. Dann fasste er mich wieder am Kinn und hob es hoch. Und wieder musste ich in seine fast schwarzen Augen blicken.
“Setz dich und erzähl“
Mein Herz klopfte bis zum Hals,als ich die Stufen zu Borudins Gemach erklomm. Ich betete zu allen Mächten des Univerums, dass unser Plan gelingen möge…
„Das ist seltsam,dass ausgerechnet du mich besuchst“ sagte Borudin und reichte mir einen Becher Wein. “Doch man soll mir keine mangelnde Gastfreundschaft nachsagen können“. Süß lächelnd nahm ich den Becher entgegen. “Nun, Borudin-immer in der Vergangenheit zu leben ist ungesund, nicht wahr?“ Er lächelte auch – raubtierartig. “So ist es“. Wir prosteten uns zu und tranken. Ich nahm natürlich nur einen kleinen Schluck, mein Geist musste so klar wie möglich bleiben. “Nun“ sagte Borudin und setzte sich in den Sessel mir gegenüber. “Was willst du wirklich?“ Ich sammelte all meine Gedankenkraft. “Ich will…Excalibur“ Borudin lachte auf – es war ein grässlicher Laut. “Ja, das dachte ich mir. Schließlich willst du noch etwas leben,nicht wahr?“ Ich atmete tief durch, als er wie beiläufig fortfuhr: “Und du willst natürlich in deine Welt zurückkehren…“ Ich hatte das Gefühl,mein Herz würde von einer großen, eisigen Faust zusammengedrückt werden. Das konnte er doch nicht… “Was?“ fragte ich,vergeblich das Zittern in meiner Stimme unterdrückend. Und wieder dieses Raubtierlächeln. “Ich lese in deinen Gedanken wie in einem Buch. Das ist erstaunlich einfach. Viel einfacher,als bei Leuten aus dieser Welt hier. Ist eure Welt möglicherweise von Oberflächlichkeit und Unwissenheit geprägt? Muß wohl so sein.“ Er lehnte sich zurück und nahm einen tiefen Schluck aus seinem Weinbecher. “Deswegen fiel mir das mit Excalibur auch so leicht. Bei der einer echten Herrin vom See wäre ich wohl gescheitert.“ Er nahm wieder einen Schluck. Ich rief mich zur Ordnung. Egal,egal,egal. Ich musste jetzt agieren. Wenn alles nach Plan lief, würde ich ihn sowieso nie wieder sehen. “Du wirst mir Excalibur geben“ sagte ich mit fester Stimme „du wirst es mir geben.“ Diesmal lachte Borudin nicht. Schneller als ich gucken konnte war er aufgestanden und bei mir. “Hör mir genau zu“ Ich konnte seinen fauligen, weingeschwängerten Atem riechen. “Ich könnte dich schneller zerquetschen als die Fliege dort drüben an der Wand. Aber ich werde es nicht. Denn du kannst mir noch sehr nützlich sein. Offiziell bist du die Herrin vom See“ Wieder dieses hässliche Lachen. “Und ich habe dich in der Hand. Wirklich sehr nützlich für mich.“ Ich stand ruckartig auf „Es wird dir nicht gelingen, mich zu unterwerfen, Borudin, du machst dir falsche Hoffnungen“ Ich bemühte mich um ein möglich zynisches Lächeln. “Verstehst du? Selbst deine Magie hat Grenzen.“ „Ach?“ er wirkte amüsiert. “Und wie willst du das verhindern?“ Und dann setzte ich meine ganze Willenskraft, meinen ganzen Geist ein, um in Borudins Kopf vorzudringen. Es war ein jämmerlicher, erster Versuch – doch er blieb nicht ohne Wirkung. “Verdammt, was…?!“ Er sprang zurück. Sein Gesichstausdruck wurde jetzt schlangenartig. “Du…“ Er machte einen Satz auf mich zu – und ich wiederholte meinen geistigen Angriff, mit mehr Kraft als vorher. Borudin taumelte und griff sich an den Kopf. “Aarrgghh…du verfluchte…“ Sich verzweifelt windend, verschwand er im angrenzenden Raum. Mein Herz pochte wieder wie verrückt,aber ich fühlte mich stark,unheimlich stark. Das Training mit Marok war anstrengend und zermürbend gewesen – aber lohnend. Ich fühlte mich fast unbesiegbar. Vor allem, weil Borudin mit Excalibur bewaffnet aus dem Nebenraum zurückkam – der Plan schien wirklich aufzugehen. “Nun gut“ keuchte er. “Ich weiß nicht, wie du das erlernen und mich bezwingen konntest – aber Excalibur wird DICH bezwingen. Das ist dein Ende!“ Schreiend und mit erhobenem Schwert stürzte er auf mich zu. Ich reckte den Hals,streckte meine Arme aus und rief:
“Matrigaram Avalon! Arme kio sento kon violanz io Fila uiram! Morte kiad do enemas!“
Und augenblicklich flog Excalibur wie von Geisterhand geführt aus Borudins Händen, von einem seltsamen, grünen Licht umgeben. Es drehte sich spiralförmig, schnell und schneller. Borudin starrte fassungslos auf das Schwert, er rührte sich nicht vom Fleck. Und als Excalibur seinen Veitstanz beendet hatte, flog es auf den Merlin zu – direkt in Borudins Brust. Und völlig uberrumpelt starrte er mich an – bevor er zu Boden fiel. Ich wartete einen Moment und ging auf Borudins Körper zu. Ich brauchte mich nicht mehr zu vergewissern, ich wusste, daß er tot war. Seltsam gefühllos nahm ich Excalibur vom Boden, wischte es an meinem Kleid ab - und ging.
Und nun hetzte ich durch den Wald, bei Weitem nicht mehr so selbstsicher und stark wie in Borudins Kammer. Ich wollte nur schnell nach Avalon. Und endlich erreichte ich die Barke. Ich sprang mehr an Bord als ich kletterte, stieß mich ab, legte das Schwert ins Boot und rief die Nebel. Ich war nie glücklicher in meinem Leben als jetzt, als ich Avalon in den Nebeln auftauchen sah. Gerettet! Geschafft! Kaum am Ufer angelangt,hastete ich zu Sywiana, meiner Vorgängerin, der Ur-Herrin vom See. Die beiden Priesterinnen die ihr Haus bewachten ignorierend, stürzte ich hinein und warf ihr Excalibur zu Füßen. “Oh große Ur-Herrin des Sees. Ich bin unwürdig, doch ich habe Excalibur wiedererlangt. Es tut mir leid, euch alle belogen zu haben, ich bin nicht würdig, hier unter euch in Avalon zu weilen und hoffe auf deine Gnade“ Weiter kam ich nicht, da ich weinend zusammenbrach. Die Anstrengungen und die nackte Angst um mein Leben forderten ihren Tribut.
Wieder wurde ich vom Boden gezogen. Aber nicht von einem starken, bestimmenden Männerarm, sondern von einer mütterlichen Umarmung. “Kind“ hörte ich die Ur-Herrin sagen. “du musst dich nicht quälen. Du bist durch unglückliche Umstände bei uns gelandet und dich als absolut würdig erwiesen“ Ich schaute zu ihr auf. Woher wusste sie…?! “Ich habe in dein Herz gesehen, gleich den ersten Tag, an dem du bei uns warst. Der falsche Körper spielt da keine Rolle. Und ich sah,dass du ein guter Mensch bist. Und du hast Excalibur zurückgeholt.“ „Aber auch um mein Leben zu retten“ schluchzte ich. So richtig uneigennützig war ich eigentlich nie gewesen. Ich schämte mich in diesem Moment mehr, als jemals zuvor in meinem Leben. Die Ur-Herrin lächelte – und hob mein Kinn hoch wie Marok. Ich blickte in die blauesten Augen, die ich je gesehen hatte. “Kind, das mag sein. Aber dein Herz hängt an Avalon. Und was das Wichtigste ist: Avalon hat dich als eine Tochter akzeptiert. Sonst hätte der Spruch, den du über Excalibur gegen Borudin gesprochen hast, nicht gewirkt. Nur Töchter von Avalon werden von Excalibur beschützt, wenn sie bedroht werden“ Ich vergrub mein Gesicht in ihrem Kleid und begann wieder zu weinen.
„Bist du dir wirklich sicher, Marianna?“ fragte mich die die Ur-Herrin Sywiana, als ich in den Feuerkreis trat. “Ja“ antwortete ich freudig und mit fester Stimme „ich möchte wieder nach Hause“. “Zu schade“ sagte Marok, der neben Sywiana stand und wie selbstverständlich seinen Arm um sie gelegt hatte. “Du hast Talent. Du bist ohne Zweifel verkümmert und brauchst Unterweisung – aber du hast Talent.“ Alle lachten und ich schenkte den beiden und den Priesterinnen von Avalon, die um den Kreis herum standen, ein strahlendes Lächeln. “Ich danke euch. Für alles. „Wir danken dir auch“ sagte Sywiana. Sie umarmte mich ein letztes Mal. “Gib auf dich Acht“ sagte sie sanft. “Das werde ich“ Ich war schon wieder den Tränen nahe. Dann trat Sywiana an den Rand des Kreises und hob die Arme. “Gebt auch auf euch acht. Ihr seid so wunderbar – verliert nie Avalon!“ rief ich schluchzend. Im nächsten Moment sah ich dichte Nebelschwaden um mich herum aufsteigen, hörte Sywianas Stimme murmeln – und schlief ein.
(c)Darkness
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