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Abschied

Angelika Haymann

Hab deine Stimme noch im Ohr

Stell mir dein Gesicht jetzt vor

Wie deine warmen Augen schauen

Fragend hebst du nun die Brauen

 

Ferne bin ich bald von hier

Die Gedanken weil´n bei dir

Meine Seele zu dir spricht

Freundin - ich vergess dich nicht

 

Namenloser Schrecken (Tsunami 2004)

Angelika Haymann

Donnernde Fluten

Menschen schreien

Dunkle Kinderaugen klagen an

Gottes Zeigefinger hebt sich

 

 

Fluss des Lebens

 

 Angelika Haymann

Magisch sein Ursprung unerkärlich sein Sinn

Unendlich die Tiefen mystisch sein Beginn

Unbeirrt strömt er fort oft schlägt er uns wund

Wir sind ein Teil doch wer kennt den Grund

 

 

Bisweilen wiegt sanfte Dünung uns durchs Leben

zufrieden wunschlos genügsam ohne Streben,

gleichmäßig ruhig oh könnt es für immer sein

geborgen in Gottes Armen so trügt der Schein

 

 

Und donnernd erhebt sich des Sturmes Wut

wirbelnde Wasser wild schäumdende Flut

vom Soge erfasst reißt´s uns in die Tiefen

kopfüber hinunter während wir schliefen

 

 

Ermattet erschöpft wer kann sich wehren

verlockend die Ruhe zu stark das Begehren

sich fallen zu lassen dem Sog sich ergeben

und spüren ihn doch den Pulsschlag das Leben

 

 

 

Kinderland

©Angelika Haymann

 

Niemals führt ein Weg zurück

in ein längst verlornes Glück

kein Pfad heim ins Kinderland

das im Dunst der Zeit verschwand

 

 

Einst ließen Liebe und Vertrauen

uns ungestört ein Traumschiff bauen

sind sorglos durch den Tag getrieben

davon nur die Erinnerung blieben

 

 

Passivität vertrieb die Lust

sind fast erstickt am Alltagsfrust

begraben unter Traumruinen

Wünsche, die einst wichtig schienen

 

 

Heimweh nach der Kinderzeit

lebt in der Seele allezeit

und ein unheilbarer Schmerz

nagt und frißt an unserm Herz

 

 

Regenlied

Angelika Haymann

Von der Scheibe rinnen Tropfen

Stetig sie ans Fenster klopfen

In den Bäumen hört man´s rauschen

Will dem Regenlied jetzt lauschen

 

Die Melodie ist niemals gleich

Ist an Noten gar so reich

Wenn Regen auf uns niederfällt

Dann singt und klingt die ganze Welt

 

Silberhell wie kleine Schellen

schwimmt dahin in sanften Wellen

Sie lullt uns ein mit Harfenklang

Gleicht einem leisen Minnesang

 

Paukengleich die Wasser schlagen

Die Symphonie an grauen Tagen

Heulend klingt das Lied des Windes

Wie das Weinen eines Kindes

 

Wer hat dies Lied sich ausgedacht

Nur die Natur hat es gemacht

Könnt der Mensch es komponieren

Würd es doch nicht harmonieren.

 

Das Telefon

Angelika Haymnn

 

Da steht es unschuldig sieht es aus.

Es zieht mich an es lacht mich aus

Komm greif nach mir scheint es zu höhnen

mit mir da kannst du reden, stöhnen

Vertrau mir deine Träume an

glaube dass ich sie erfüllen kann

 

 

Schon zuckt die Hand,

doch wie gebannt,

schwebt sie verharrt auf halber Höh`

durch meinen Kopf zuckt die Idee

was wenn ich´s wirklich tu,

wartest am andern Ende - Du

 

Wirst Du wirklich mit mir sprechen,

mir dadurch das Herze brechen

 

Komm näher flüstert der Apparat

und ich wittere Verrat

Ist´s nicht besser ich werde warten

geh derweil vielleicht in den Garten.

 

Doch bin ich dort werd ich es hören

Das Telefon versucht mich zu betören

nun geh doch geh ich rufe dich

Doch ich trau ihm einfach nicht

 

So sitz ich hier und schau es an

dass es mich weiter verhöhnen kann

 

Du denkst es ruft dich jemand an

Nur zu glaub nur weiter dran.

 

Nun nimm mich schon

ich sag bestimmt auch keinen Ton

wenn du albern kicherst und lachst

wenn du redest die halbe Nacht

 

 

Die Hand greift zu und zieht den Stecker

nun ist´s vorbei mit dem Gemecker.

 

 

 

Ich wünsche Dir Zeit!

 
 

Ich wünsche Dir nicht alle möglichen Gaben.

 

Ich wünsche Dir nur, was die meisten nicht haben:

 

Ich wünsche Dir Zeit, Dich zu freun und zu lachen,

 

und wenn Du sie nützt, kannst Du etwas draus machen.

 


 

Ich wünsche Dir Zeit für Dein Tun und Dein Denken

 

nicht nur für Dich selbst, sondern auch zum Verschenken.

 

Ich wünsche Dir Zeit - nicht zum Hasten und Rennen,

 

sondern die Zeit zum Zufriedenseinkönnen.

 


 

Ich wünsche Dir Zeit - nicht nur so zum Vertreiben.

 

Ich wünsche, sie möge Dir übrigbleiben

 

als Zeit für das Staunen und Zeit für Vertraun,

 

anstatt nach der Zeit auf der Uhr nur zu schaun.

 


 

Ich wünsche Dir Zeit, nach den Sternen zu greifen,

 

und Zeit, um zu wachsen, das heißt, um zu reifen.

 

Ich wünsche Dir Zeit, neu zu hoffen, zu lieben.

 

Es hat keinen Sinn, diese Zeit zu verschieben.

 


 

Ich wünsche Dir Zeit zu Dir selber zu finden,

 

jeden Tag, jede Stunde als Glück zu empfinden.

 

Ich wünsche Dir Zeit, auch um Schuld zu vergeben.

 

Ich wünsche Dir: Zeit zu haben zum Leben!

 

 

 



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